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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Plötzlich Yogi

Bloggerin Sarah Rüegger hat Yoga wieder für sich entdeckt. Trotz Vorurteilen. Aber sie wollte wieder beweglich werden und spürte sofort die Veränderung.
Yoga Zürich Ferien Figur Position
© Getty Images

Yoga hilft auch, um in anderen Sportarten beweglicher und kräftiger zu werden.

Nie wollte ich werden wie sie. Mit ihren Mikrofasershirts und 80-Franken-Leggins, ihren Namastes und Ayurveda-Ticks. Yoga-Weiber gingen mir immer auf die Nerven. Vor allem, weil sie wie Veganer (der Yogi und der Veganer sind ja nicht selten ein und dieselbe Person) allen, die es nicht hören wollen, ihr Privatleben, ihr Hobby, als den ultimativen Lifestyle unter die Nase reiben, als hätten sie den Lebenssinn ernsthaft auf einer Schaumstoffmatte gefunden. Und dadurch natürlich auch das inkarnierte schlechte Gewissen sind.

Aber es ist geschehen: Ich bin jetzt ein Yogi. Alles begann vor etwa drei Wochen. Ich hatte im neu gewonnenen Post-Jogging-Workout-Übermut wieder einmal einen Handstand an die Wand geschleudert (sowas bekam ich in meiner aktiveren Zeit, also letzten Herbst, noch easy hin). Doch anstatt mich dort die üblichen 30 Sekunden zu halten, krachte ich zusammen wie ein angesägter Stuhl, auf den sich ein Adipöser setzt. Ich hatte mir mal eben irgendein offenbar ziemlich wichtiges Band - das sicher einen beängstigend komplizierten lateinischen Namen hat - im Innenschenkel gezerrt. Zudem zog es in den Handgelenken so übel, als wären sie zuvor monatelang in Gips gelegen. Es tat höllisch weh, es war erbärmlich. Ich musste erkennen, dass ich, noch keine Dreissig, offenbar zum körperlichen Wrack geworden war. Meine Beweglichkeit war ein Desaster und dabei war ich in meinen Teenagerjahren doch eine der beweglichsten Geräteturnerinnen im Dorf gewesen und kam noch Mitte Zwanzig locker im Spagat zu landen. Mittlerweile finde ich, dass die Zehen auch schon näher waren, wenn ich mich vorbeuge. Autsch.

So einem rasanten Verfall konnte ich nicht einfach tatenlos zusehen. Doch wie sollte ich das alte Gerät wieder funktionstüchtig kriegen? Klar, Stretching nach dem Rennen ist ganz okay, doch nach 10 Minuten wirds doch - seien wir ehrlich - massiv öde. Pilates halte ich für Zeitverschwendung und für Ballet fühle ich mich zu alt, zudem habe ich für beides kein Budget übrig. Also erinnerte ich mich, wie ich mich als Fachhochschülerin ein paar mal ins Power-Yoga des Unisports geschlichen hatte und es eigentlich nicht einmal so übel fand. Obwohl ich mich damals im Zenit meiner Unsportlichkeit befand, stellte ich bei mir ein gewisses Talent für komplizierte Posen fest, als ich einmal unbeabsichtigterweise im Fortgeschrittenenkurs gelandet war und nur bei einer wirklich skandalös brezelmässigen Verrenkung wie ein Jenga in mir zusammenfiel. Obwohl ich mich immer eher für eine Outdoor-Actionsportlerin gehalten hatte, suchte ich mir also auf Youtube Yoga-Videos raus. Man kann von Yoga halten, was man will, aber dass es die Beweglichkeit fördert, sollte eigentlich erwiesen sein. Und verdammt - plötzlich konnte ich sie verstehen, die ganzen Leggins-Girls mit ihren Schaumstoffmatten!

Seit ich vor drei Wochen angefangen habe, ist kein Tag vergangen, den ich nicht ich mit Yoga begonnen habe. Sagenhaft, wie schnell die Fortschritte dabei sind! Balance, Stärke, Beweglichkeit und sogar Gemüt und Schlaf - alles hat sich seit der ersten Session bei mir mindestens um das Doppelte verbessert. Ich erreiche meine Zehen, halte mich in der Sideplank, verbrezele mich auf einem Bein und versuche zurzeit, meine Beine auf meinen Ellbogen zu bringen und mich nur auf den Händen zu halten (die Krähe). Mittlerweile verstehe ich auch, weshalb praktisch jedes Surfcamp auch Yogakurse anbietet. Kräftige Schultern und Handgelenke, ein stabiler Torso und vor allem die Balance - all das braucht man auf dem Surfbrett, wie auch auf dem Snow- oder Skateboard. Yoga-Training macht also nicht nur süchtig, sondern hilft dir beim Actionsport.

Sagenhaft, welche Erkenntnisse man so spät noch erreichen kann, wenn man sich einfach einmal auf etwas einlässt. Trotzdem - ich versuche, diese Erkenntnisse nicht jedem unter die Nase zu reiben, die es nicht hören wollen. Aber ich muss ehrlich zugeben - es fällt mir schwer. Du meine Güte würde ich nicht noch immer Rauchen, Partys feiern, Pommes essen und alleine zu Hause trainieren - ich könnte eine von ihnen geworden sein.

Alle «Stadt - Berg einfach»-Beiträge von Sarah Rüegger finden Sie im Dossier.