Blog Logo

Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Zurück im Parallel-Universum

Seit unsere Bloggerin Sarah Rüegger ihren Job in Saas Fee angetreten hat, ist alles anders. Sie trägt Dirndl, spricht fast ausschliesslich fremde Sprachen und verpasst zum ersten Mal seit zehn Jahren das Gurtenfestival. Aber immerhin: Freizeit ist Freizeit. Daran lässt sich dort oben zum Glück nichts rütteln.

Heute regnet es, als wäre ein riesiger Wasserballon gegen die Walliser Alpen geprallt und zerplatzt. Für mich heisst das: freier Tag! Weil die Wandertouristen halt sind, wie sie sind, funktionieren auch Bergrestaurants, wie sie funktionieren. Wenns schifft, gehen die nicht raus und wir bleiben zu Hause. Sowieso ist das Thema Wetter seit letztem Wochenende in meinem Lebensranking wieder auf die Podestplätze vorgerückt.

Seit dann wohne ich nun wieder in Saas Fee, seit Montag arbeite ich, mehr oder weniger, wie es das Wetter bestimmt. Erster grosser Unterschied zum Unterland: Wenn wir über das Wetter sprechen, meinen wir das wirklich ernst und missbrauchen es nicht etwa als Lückenfüller für schlechte Konversationen.

Aber auch sonst gibt es hier oben mehrere Indikatoren dafür, dass ich die Unterlandzone definitiv verlassen habe:

  1. Ich habe ständig Durst. Meine Lippen und Haut sind furztrocken. Umstellung auf 1800 Meter Höhe.
  2. Mein Arbeitsweg dauert 35 Minuten zu Fuss. Davon 25 ziemlich steil den Berg rauf auf dem offiziellen Wanderweg. Ende Sommersaison brauch ich wahrscheinlich die Hälfte.
  3. Ich trage eine Arbeitsuniform. Ein Dirndl. Nicht immer, aber es kommt vor. Passt erstaunlicherweise sehr gut zu Lippenpiercing und Tätowierungen.  
  4. Ich spreche wieder überdurchschnittlich viel nicht in meiner Muttersprache.  
  5. Meine Lieblingsbar hat im Sommer drei Tage in der Woche Ruhetag.  
  6. Das nächste Schwimmbad ist in 60 Minuten mit dem Bus und zu Fuss erreichbar. Das ist aber weiter nicht schlimm, weil siehe Punkt 5.
  7. Die Lufttemperatur steigt kaum über 22 Grad.  
  8. Ein Freund aus dem Dorf hat heute ein Foto von seinem Arbeitsplatz im Drehrestaurant auf Facebook geposted. Darauf zu sehen: verschneite Tische und Bänke.
  9. Das erste Mal seit zehn Jahren schwänze ich das Gurtenfestival.  
  10. Meine Krankenkassenprämie ist 40 Prozent niedriger. 

So. Ich geh mal einkaufen, ein Buch lesen, Sport machen. Denn Freizeit ist hier wirklich Freizeit.

Alle Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im Dossier von SI online.