Süsse Bienen , Blaue Bohnen

Selten wurde Schund so kultig verpackt wie bei Jerry Cotton.

Ich gebs zu. Auch ich habe ein paar von diesen «Groschenromanen» gelesen, unter der Bettdecke im schummrigen Licht meiner Taschenlampe. Obwohl - oder vielmehr - weil meine Elten dazu abfällig ironisch sagten: «Jerry Cotton, das ist doch der, der die Sprache verhunzen tut.» Mir wars egal, ich war jung und ich verschlang alles, was Buchstaben hatte, in diesem Fall eben die rotschwarzen Din A5 Heftchen.

Seit der smarte FBI Agent an einem Küchentisch im Ruhrgebiet das Lichte der Welt erblickte (jaja, Jerry ist eine echt Deutsche Qualitätsmarke) hat er unzählige (über 3000!!) Fälle gelöst, Abenteuer bestanden und Schurken elegant zur Strecke gebracht. Klar, in einem solchen umwefenden Flitzer wie seinem Dienstwagen, einem roten Jaguar E Type (!!), ist das ja auch ein Klacks.

Über 60 Jahre beglückte eine Horde nicht mehr zu zählender Autoren drei Generationen von Krimibegeisterten. Gut, in den letzten Jahren wurde es still um den G-Man. Keiner weiss so genau, (oder hab ich da was verpasst?) warum gerade jetzt ein Film und ein Buch über ihn erscheint. Aber gut. Der gute Sherlock von der Baker Street durfte ja auch von den Toten auferstehen. (Und wie! Eine Wonne übrigens, ein Augenschmaus, der Film. Und die zwei Jungs....hmmm)

Wie sich Jerry im aktuellen Kinofilm schlägt, weiss ich nicht. Aber Moritz Bleibtreu spielt einen Gangster - und den schussligen Ganoven gab dieser ja schon im Film «Soulkitchen» ganz passabel.

Die Hommage in Buchform ist auch für Nichtfans eine erquickliche Lektüre. Neben einem echten Heftchen gibts Interviews, Bilder, viele amüsante Anekdoten, ne Menge Hintergrundinfos und als Zückerchen oben drauf: Inserate. Jerry Cotton Pins, Jerry Cottons Whiskey, weisse Hemden usw.

Gut zu wissen: Falls ihr auf dem Estrich noch alte Exemplare findet: Die Ausgabe: «Ich jagte den Diamanten-Hai» ist laut dem Chef des JC-Clubs Deutschland 450 Euro wert. Nur für den Fall, dass ihr ihn nicht gleich lesen und dann doch behalten wollt.

Diese liebevoll gemachte Hommage muss man sich einfach reinziehen, würde Jerry Cotton dazu wohl sagen. Er, der Spezialist für superschlaue Ganoven, für herzhaften Witz, der auch dann nicht feucht wird, wenn ihm das Wasser bis zum Hals reicht. Jerry Cotton, der Mann, der Champagner nicht einfach trinkt, sondern «durch die Kehle jagt».

Anina Rether