Swisaleen

SI-Sportreporter Iso Niedermann bloggt direkt von der Fussball-WM 2010 aus Südafrika.

Hier nun mal ein bisschen Weiterbildung. Ein kleiner Sprachkurs. In Südafrika werden elf verschiedene offizielle Sprachen gesprochen. Englisch, Afrikaans und neun verschiedene Stammessprachen. Die bekanntesten darunter sind isiZulu und isiKhosa. Für uns Fremdlinge so wenig am Klang unterscheidbar wie Züridütsch und Aargauerisch oder Thurgauerdialekt und St.Gallerisch für den gemeinen Japaner.

Gewisse Ausdrücke der Eingeborenen-Idiome kann man sich mit der Zeit durchaus merken. Wenn jemand «Sawubona» zu mir sagt, meint er auf Zulu in etwa «Hoi!». Bin ich aber nicht allein, dann begrüsst er uns im Plural mit «Sanibonani!». Schiebt mein Gesprächspartner ein «Gunjani?» nach, will er wissen, wies mir geht. Für die Frage bedanke ich mich mit einem fröhlichen «ngiyabonga», «Ich danke dir». Und dann sag ich noch ganz cool «Hlala Kahle, hamba kahle!», was soviel bedeutet wie «Tschüss, machs gut».

Sagt nun aber jemand «Nosi, sala kakuhle» zu mir - «danke, auf Wiedersehen» -, dann weiss ich gleich: hoppla, ein «Xhosa!» (Das spricht sich übrigens wie «Kosa» aus.) Da antworte ich doch glatt auf afrikaans: «Dankie, totsiens!» - «merci, ciao».

Ich will nicht flunkern. Das sind nicht ein paar Beispiele aus meinem reichen südafrikanischen Sprachschatz, sondern die paar Ausdrücke, die ich aus dem kleinen Sprachführer für Dummies behalten konnte. So eine richtig lustige Konversation mit den Einheimischen lässt sich damit noch nicht vom Zaun brechen. Kommt dazu, dass diese Dialekte in einem unheimlichen Tempo gesprochen werden. Nicht mal der Hauch einer Chance, etwas ansatzweise zu verstehen. Im Autoradio hört sich das dann für unsere Ohren in etwa so an: «Minijuni? Mbelekakso engogo Fifa beke. Tosawanijeke, scha kinikoko Sepp Blatter! Pumemasi noni? Wakina Jabulani mafulani Swisaleen!»

Aha! Gut aufgepasst. Natürlich hat man da das eine oder andere Wort verstanden. Es gibt Begriffe, für die kennen weder Zulu noch Xhosa eine Übersetzung. Blatter, Fifa, Jabulani - oft aufgeschnappt dieser Tage. Und mein absolutes Lieblingswort hier unten habe ich ganz am Ende reingeschmuggelt: «Swisaleen».

Die allermeisten Südafrikaner sprechen neben ihrer Muttersprache leidlich englisch. Dumm nur, das das Englisch der schwarzen Bevölkerung oft einen Klang hat, dass man sich fragt, war das nun Zulu oder Xhosa? Will jemand von mir wissen, woher ich komme, sage ich wahrheitsgetreu: Switzerland. «Oh, Swisaleen!», rufen sie dann entzückt aus. Das ist so grossartig, dass ich mich mittlerweile dabei ertappe, selbst zu sagen «I'm from Swisaleen.»

Zur Verständigungsfalle kann aber in Südafrika nicht nur die gelinde gesagt eigentümliche Aussprache des Englischen werden. Es gibt Begriffe, die finden sich nicht in unseren Englisch-Schulbüchern. Ich frage nach dem Weg zum Supermarkt und werde zum nächsten «Robot» geschickt. Da kann ich aber lange nach einem Männchen mit Antenne suchen. Der Robot ist ein Lichtsignal. Den Hinweis habe ich sicher von einem «Oke» erhalten, einem Mann. Und weil ich nun einen neuen «China» oder «Chommie» habe, einen neuen Freund, spendiere ich dem Kerl gerne mal einen «Dop». «Eish!» wird er vielleicht ausrufen, wenn er also meinen Drink erhält, «Welche Überraschung!».

So, das wars. Siyabonga für Ihre Aufmerksamkeit! Hlala Kahle! Und nicht vergessen: Blatter Fifa, Swisaleen!