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Vater-Tag

SI-online-Chef Philipp Mäder hat drei Kinder. Sein Leben zwischen Spielplatz und Büro.

Liebe SVP- und CVP-Mütter: Auch Väter können Babys wickeln

Zwei bürgerliche Politikerinnen behaupten, Kinder bräuchten ihre Väter erst im Teenageralter. Das jagt bei unserem Vater-Blogger Philipp Mäder den Puls hoch. Und er stellt gleich mal eine Liste auf, wie Väter auch bei Babys nützlich werden können.

Ich bin ja nicht oft schockiert. Aber nun hat es mich wieder mal erwischt. Und zwar kalt von hinten, als ich es überhaupt nicht erwartet hatte: Friedlich las ich am Sonntagabend spät die aktuelle Ausgabe der «Schweizer Illustrierten». Drei Nationalrätinnen sprechen unter dem Titel «Muttertag im Bundeshaus» über die Kombination von Kinder und Karriere, Stillen und Politisieren. So weit so harmlos.

Doch irgendwann kommen die drei auf den seit Ewigkeiten diskutierten Vaterschaftsurlaub zu sprechen. Sagt die erste, CVP-Nationalrätin Ruth Humbel, 60: «Obwohl ich glaube, dass Kinder ihre Väter vor allem in der Teenagerzeit brauchen, sind die ersten Wochen doch wichtig und schön.» Mein Puls geht hoch. Kinder brauchen ihre Väter vor allem in der Teenagerzeit? Äh, wie bitte? Doch schon gibt SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler, 41, noch einen drauf: «Am Anfang schläft das Baby sehr viel, sodass die anfallenden Arbeiten gut alleine bewältigt werden können. Kinder brauchen den Vater, wenn sie älter sind.» Äh, ab wann so genau?

Offenbar gibt es nicht nur Väter, die sich ihrer Kinder erst erinnern, wenn diese Teenager sind. Sondern auch Mütter, die das ganz normal finden. Und gleichzeitig beklagen sie sich dann, wenn der Vater lieber Karriere macht, anstatt den Kleinkindern zu schauen?

Klar, liebe CVP- und SVP-Mütter: Gebären und stillen fällt uns Vätern immer noch schwer. Aber sonst können wir so einiges, das ab Tag Eins des Kindes nützlich ist. Eine nicht abschliessende Liste im Tagesverlauf:

  • Das Baby baden

  • Dem Baby den Hintern pudern

  • Dem Baby die Nabelschnur mit Tinktur betupfen

  • Dem Baby frische Windeln umbinden

  • Dem Baby frische Kleider anziehen

  • Dem Baby den Schoppen wärmen

  • Dem Baby den Schoppen geben

  • Das Baby im Kinderwagen herumfahren

  • Das Baby herumtragen, wenn es Magenkrämpfe hat

  • Das Baby herumtragen, wenn es weint

  • Das Baby herumtragen, wenn es nicht schlafen kann

Und dann wieder von vorne.

Leider scheinen das bis heute nur linke Politikerinnen begriffen zu haben. «Nur weil wir stillen, heisst das nicht, dass die Männer keine Aufgabe haben», sagt die Grüne Nationalrätin Irène Kälin, 31, im gleichen Artikel. «Der Vaterschaftsurlaub ist eine Chance für die ganze Familie und Startpunkt für eine freiere Rollenverteilung.»

Es wird Zeit, dass das auch bürgerliche Mütter begreifen.