maeder-blog.png

Vater-Tag

SI-online-Chef Philipp Mäder hat drei Kinder. Sein Leben zwischen Spielplatz und Büro.

Was sagen Sie dem Chef, wenn Sie beim kranken Kind bleiben?

Winterzeit ist Grippezeit. Und das Kind wird natürlich genau dann krank, wenn die Mutter im Büro eine wichtige Sitzung hat. Nicht alle Väter nehmen es mit der Wahrheit so genau, wenn sie zuhause beim kranken Kind bleiben müssen.

Die heisse Überraschung kommt morgens um halb sieben: Der Kleine glüht. Für die Diagnose «Hohes Fieber» brauche ich keinen Thermometer. Mit der Hand auf seiner Stirn schätze ich: 38.5 Grad Celsius. An Schule ist nicht zu denken.

Der Krach geht sofort los. Sie sagt: «Ich habe heute diese wichtige Sitzung, Du bleibst zuhause.» Ich murmle etwas von viel Arbeit und weiss doch schon, dass ich keine Chance habe. Was soll ich im Büro sagen? Die Wahrheit? Ich schicke ein Whatsapp an den Kollegen: «Kind krank. Kannst Du mich bitte an der Redaktionskonferenz vertreten?» Er schreibt zurück: «Soll ich sagen, dass Du einen privaten Termin hast?»

Mmmhh, eigentlich eine gute Idee. Der kinderlose Chef hat jeweils mässiges Verständnis für die Nöte von Vätern. Und eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis zeigt, dass die Väter bei kranken Kindern wohlüberlegte Kommunikationsstrategien anwenden:

  • Die einfachste: «Sorry, mir geht es heute Morgen gar nicht gut, ich bleibe lieber zuhause und kuriere mich aus.» Denn wenn man selbst krank ist, lästert niemand.

  • Die schönfärberische: «Mein Kind ist krank, ich arbeite von zuhause.» Obwohl zumindest Eltern wissen, dass mit einem kranken Kind nicht ans Arbeiten zu denken ist.

  • Die kreative: «Shit, wir haben einen Wasserschaden in der Küche und ich muss warten, bis der Sanitär da war.» Diesen Spruch kann man nur einmal bringen.

  • Die fiese: «Meine Mutter hat glatt vergessen, dass sie heute die Kinder hüten sollte - typisch!» Aber dann hat man ein schlechtes Gewissen gegenüber der Mutter.

  • Die pflichtbewusste: «Ich nehme heute spontan einen Tag frei.» Dabei hätte man ja laut Gesetz explizit das Recht, während der Arbeitszeit dem kranken Kind zu schauen.

Am Schluss hab ich dem Kollegen zurückgeschrieben: «Du kannst sagen, dass ich dem kranken Kind schauen muss.» Und dabei an jene auf der Redaktion gedacht, die sich beim Eishockey die Kniescheibe brechen, mit dem Auto einen Auffahrunfall produzieren oder sich den Hallux operieren lassen müssen. Und nicht das kleinste bisschen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie eine Woche im Büro fehlen. Sondern im Gegenteil noch von allen bemitleidet werden.

 

Sick Kids. #fever #medicine #drug #kids #family #father #bern #switzerland

Ein Beitrag geteilt von Philipp Mäder (@phmaeder) am

Jan 28, 2018 um 2:21 PST