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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Britney und Rihanna entkommt im Schwulenclub niemand

Egal, wo auch immer auf der Welt SI-online-Blogger Onur Ogul einen Schwulenclub besucht: Die Musik bleibt immer dieselbe. So sieht eine typische Partynacht musikalisch aus.

Endlich Wochenende! Kopf abschalten, Alkohol trinken, Freunde treffen, ausgiebig tanzen. Doch das mache ich an Schwulenpartys längst nicht mehr. Ein wichtiger Grund für meine Verweigerung ist die immer gleiche Musik.

Auch wenn die Schwulenclubs und -bars damit eigentlich alles richtig machen. Denn sie liefern, was sich ganz viele ihrer Besucher wünschen: Kommerziellen Pop, gesungen von schönen, oft blonden Frauen.

Ein typisches DJ-Set besteht grundsätzlich aus...

...der total untalentierten, aber legendären Britney Spears:

Bei «...Baby One More Time» schauen sich alle an, die schon mal das gemeinsame Bettvergnügen hatten. Und bei «Work Bitch» mustern sich zickige Konkurrenten von oben bis unten.

Lady Gagas Lieder gelten fast schon als Hymnen:

Und wer den Text zu «Born This Way» nicht in- und auswendig kann, verhöhnt damit die explizit homofreundliche Sängerin. Dafür wird er dann von auf- und abmarschierenden Queens im Takt von «Bad Romance» weggeschubst.

Zum fairen Ausgleich muss es für die Black-Community etwas von...

...Beyoncé geben:

Der Knicks vor Queen B gehört zur Gaytikette. Bei «Crazy in Love» wackeln heftig die Popos. Ganz normales Balzverhalten.

Und bei Rihanna....

...brennt dann die Hütte lichterloh:

Spätestens bei «Work» dürften die letzten T-Shirts ausgezogen sein. (Um niemanden zu verärgern: Madonna, Kylie Minogue, Cher und Christina Aguilera seien hier auch noch erwähnt.)

Die Lieder dieser Ladys dröhnen die ganze Party lang nacheinander durch die Clubs. Und zwar von Anfang bis Ende, dazwischen jeweils zwei Sekunden Verschnaufpause. Gemixte Übergänge sind überbewertet.

Das macht für die schwule Partymeute Sinn. Denn immerhin haben sie auch die ganzen Tanzeinlagen zu den Liedern intus. Wochenlanges Einstudieren vor Youtube-Videos sei Dank. Da wäre ein fliessender Übergang direkt in die nächste Performance eine Zumutung.

So könnte eine Übungsstunde aussehen:

Damit die Darbietungen auch immer schön zur Geltung kommen, gibt es in Gayclubs oftmals Bühnen, auf denen sich die allerbesten Britney- und Beyoncé-Imitatoren messen.

Mir gefällt der Trash-Pop weniger. Ich bezahle keinen Eintritt, um mir das Programm von Radio Energy in einem Club anzuhören. Doch jeglicher Versuch zur Flucht ist zwecklos.

Ob ich nach Portugal, Berlin, London, Paris, ins exotischere Istanbul, Beirut oder bis nach Bangkok fliehe, den Pop-Diven entkommt kein schwuler Mann. Auch ich nicht. Deshalb gebe ich hier hoch offiziell zu: Beim folgenden Lied sieht man sogar mich salutieren: