1. Home
  2. Blogs
  3. Voll schwul!
  4. Blog: Voll schwul! George Clooney rettet keine Leben in Brunei

Voll schwul!

Der Sultan von Brunei braucht eine richtige Klatsche

Superstar George Clooney ist entsetzt über die neu eingeführte Todesstrafe für Homosexuelle in Brunei. Jetzt ruft er zum Boykott einer Hotelgruppe auf, die dem Sultan des Kleinstaates gehört. SI-online-Blogger Onur Ogul feiert den Schauspieler für seinen Aufschrei. Eigentlich wünscht er sich aber das Einschreiten anderer Player.

Brunei s Sultan Haji Hassanal Bolkiah
Sultan Hassanal Bolkiah will Homosexuelle zu Tode steinigen lassen. imago images / Xinhua

Es gibt sie leider noch, die Wahnsinnigen! Davon nicht zu knapp. Einer von ihnen ist der Sultan von Brunei. Der langjährige Diktator des Kleinstaates auf der Insel Borneo hat die ohnehin schon krassen Gesetze gegen Homosexuelle noch einmal verschärft.

Neu droht dort gemäss Scharia-Recht allen Muslimen der Tod durch Steinigung, sollte ihnen Homosexualität nachgewiesen werden. Auch wenn sich das Gesetz nur an Muslime wendet, warnen Menschenrechtsorganisationen Touristen anderer Religionen. Zu gross sei das Risiko, wenn man zusammen mit einem gleichgeschlechtlichen Partner erwischt wird.

Obwohl Brunei nicht der einzige Staat ist, der Schwule und Lesben mit dem Tod bestraft, schockiert eine solche Meldung immer wieder aufs Neue. Es scheint, als ob jeder Schritt Richtung Akzeptanz und Gleichstellung an einem Fleck der Erde weitere Radikalisierung an einem anderen Fleck zur Folge habe.

Im Fall Brunei empört sich nun ein Superstar öffentlich. Schauspieler George Clooney ruft zum Boykott von mehreren Luxus-Hotels auf, die dem 72-jährigen Sultan Hassanal Bolkiah gehören sollen.

Diese Hotels gehören dem Sultan von Brunei

  • The Dorchester, London
  • 45 Park Lane, London
  • Coworth Park, UK
  • The Beverly Hills Hotel, Beverly Hills
  • Hotel Bel-Air, Los Angeles
  • Le Meurice, Paris
  • Hotel Plaza Athenee, Paris
  • Hotel Eden, Rome
  • Hotel Principe di Savoia, Milan

 

Beverly Hills Hotel Boykott Aufruf wegen Sultan von Brunei
LGBT-Aktivisten rufen vor dem Beverly Hills Hotel zum Boykott auf. imago/ZUMA Press

Dem people-affinen Leser ist bestimmt das Beverly Hills Hotel ins Auge gestochen. Korrekt: Dort nächtigen zig Megastars und geniessen ihren Lunch am Pool. Zu ihnen gehörte bis vor Kurzem auch George Clooney. Er gibt zu, dass er keine Ahnung hatte, wem das Hotel gehört. Jedenfalls will er dort nun nicht mehr Gast sein. Wegen des neuen, martialischen Gesetzes gegen Homosexuelle in Brunei.

Dass der Kleinstaat einen finanziellen Schaden aus einem solchen Boykott zieht, ist zweifelhaft. Das öl- und gasreiche Land steht auf dem fünften Platz der reichsten Staaten, wenn es um das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf geht (2017).

Darum geht es dem cleveren George Clooney (verheiratet mit einer Menschenrechtsanwältin) wohl auch nicht. Es sind wohl eher die Boykottaufrufe an sich statt effektive Boykotts, die etwas bewegen können. Der Schauspieler will wohl einen veritablen Shitstorm auslösen, um dem Sultan Eindruck zu machen. Um zu signalisieren, dass wir Bestrafungen für Homosexualität nicht hinnehmen können.

Der Fall Barilla

Der Barilla-Fall 2013 zeigt exemplarisch, dass Shitstorms etwas auslösen können. Der Pasta-Hersteller stand nicht sonderlich gut da, als CEO Guido Barilla in einem Radiointerview sagte, er würde nie eine Werbung mit Homosexuellen schalten. «Weil wir die traditionelle Familie unterstützen.» Wenn das den Homosexuellen nicht gefalle, dann sollten sie halt andere Pasta kaufen, so der Spaghetti-Baron. 

Nach einem Aufschrei auf Social Media (#BoicottaBarilla) krebste der konservative Italiener tatsächlich zurück! Er stellte klar, dass es sich bei seinen Aussagen im Radio um seine persönliche Haltung handelte und nicht um jene der Firma. Siehe da: Fünf Jahre später folgte eine Sonderedition einer Spaghetti-Packung, auf der zwei Frauen zu sehen waren.

Interessant: Einen spürbaren Boykott habe es nie gegeben, erklärte der Barilla-CEO. Der Konzern lenkte also alleine wegen des Shitstorms ein. Egal, ob man dem Chef Glauben schenkt. Dass ein Shitstorm etwas bewegte, ist ein gutes Zeichen für uns Konsumenten!

Amal und George Clooney
Menschenrechtsanwältin Amal Clooney und Ehegatte George. imago images / i Images

Da treffen, wos wehtut

Doch im Fall von Brunei sprechen wir von einer anderen Qualität. Da gehts nicht um (sorry: total überbewertete) Pasta. Da gehts um einen grössenwahnsinnigen, reichen Mann, der versucht, mit Schwulentötungen die Gunst seines gläubigen Volkes zu erlangen.

Die von Clooney erwähnten Hotels sind höchst wahrscheinlich nur Prestige-Besitztümer des Sultans. Die wertvollsten Trümpfe in seinem Ärmel bleiben Öl und Gas. Nach Zahlen des «Business Insider» ist Hassanal Bolkiah der zweitreichste Royal der Welt. 20 Milliarden US-Dollar soll sein Vermögen betragen. Mehr besitzt nur der König von Thailand (30 Milliarden). Ein paar Gäste weniger am Hotelpool werden den Sultan daher kaum beeindrucken.

Den Schwulenkiller müsste man da treffen, wo es ihm am meisten wehtut. Doch die Käufer-Staaten werden kaum wegen Drohungen gegen Homosexuelle auf die für sie wichtigen Rohstoffe verzichten.

Entzieht ihm die Orden!

Clooneys und unser aller Problem ist, dass wir nicht in der Position sind, um dem Sultan zu drohen. Das macht mich wütend und traurig. Aber danke, George, dass du deinen Fame nutzt, um auf die Verbrechen in Brunei hinzuweisen.

Es gäbe da andere, die total einfach einen Schlag ins Gesicht verpassen könnten, und das ohne Rohstoffverluste zu befürchten: Die Briten schenkten dem Sultan den Order of the Bath und Order of St. Michael and St. George. Queen Elizabeth II. schlug den Diktator sogar zum Ritter! Der japanische Kaiser überreichte dem Sultan den Chrysanthemenorden, und Deutschland verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz. All diese Ehren sollte man dem Sultan von Brunei medienwirksam entziehen!

Auch das würde den menschenverachtenden Diktator nicht arm machen, das ist mir klar. Aber ich sähe lieber diese Klatsche auf Augenhöhe mit dem Diktator als milliardenschwere Hollywood-Stars, die einfach ins nächste Luxus-Hotel baden gehen.

Von Onur Ogul am 29. März 2019