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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Die zehn nervigsten Fragen von Heteros

Das Leben als Exot ist nicht einfach. Obwohl es schön ist, wenn sich jemand die Mühe gibt, Schwule zu verstehen, habe ich die folgenden zehn Fragen doch einmal zu viel gehört.

Wer fragt, zeigt Interesse. Das ist toll! Und es führt zum Abbau von Vorurteilen. Aber wer selbst schwul ist, weiss: Immer wieder dieselben Fragen zu hören, kann mit der Zeit ganz schön auf den Sack gehen. Darum hier Antworten auf die zehn Fragen, die Heteros am häufigsten stellen:

Bist du der Mann oder die Frau in der Beziehung?

Diese Frage macht mich gleichzeitig ratlos und rasend. Ein Schwuler ist per Definition ein Mann, der auf Männer steht. Wo soll da bitteschön die Frau sein? Der Fragesteller bezieht sich offensichtlich auf ein klischiertes Rollenbild, weil er in seiner Welt nur Paare kennt, die aus Frau und Mann bestehen. Aber selbst wenn der eine Partner lieber putzt, hübsche Dinge mag und in einer höheren Stimmlage spricht: Immer noch ein Mann. Zudem ist es gar nicht so, dass sich immer ein «männlicher» Typ mit einem «weiblichen» zusammentut.

Wieso sind schwule Männer immer so schön?

Schmeichelhaft. Verstehe aber nicht, woher diese Idee kommt. Liegt das daran, dass sich alle an George Michael und Ricky Martin orientieren? Nein, nein. Leider sind die heissesten Männer von eurem Ufer.

 

#clivedavis

Ein Beitrag geteilt von Zayn Malik (@zayn) am

Jan 27, 2018 um 5:35 PST
 

Wowzers

Ein Beitrag geteilt von Justin Bieber (@justinbieber) am

Jan 6, 2018 um 4:40 PST
 

Very happy with my new @cr7underwear FW17 collection ! Which is your favorite?

Ein Beitrag geteilt von Cristiano Ronaldo (@cristiano) am

Sep 24, 2017 um 9:15 PDT

(Ich weiss, über die sexuelle Orientierung des Letzten streiten sich einige. Aber ich vermeide grundsätzlich Wunschdenken.)

Woher weisst du eigentlich, dass du schwul bist?

Fast schon eine philosophische Frage. Etwa wie wenn man fragt: «Woher weisst du überhaupt, dass du existierst?» Ich als Journalist verabscheue es, wenn jemand mit einer Frage auf meine Frage antwortet. Aber hier macht das Sinn. Ich frage zurück: «Wieso weisst du, dass du hetero bist?». Meist kommt dann keine Gegenfrage mehr dazu.

Woher weisst du, wer schwul ist und wer nicht?

Zur Enttäuschung einiger: Wir tragen kein geheimes Symbol, kein farbiges Armbändeli, machen keinen speziellen Gruss auf der Strasse und ich kann es auch nicht riechen. Nichts von alledem. Wissen tu ichs ja auch erst, wenn sich jemand mir gegenüber outet.

Willst du denn keine Kinder?

Nein. Auf gar keinen Fall. Aber selbst wenn ich es wollte, wäre es doch nicht an mir, mich deswegen hetero «zu machen». Es wäre an der Politik, schwulen Paaren das Adoptieren von Kindern zu ermöglichen.

Willst du denn eine Frau sein?

Schwul zu sein, hat nichts mit der eigenen Geschlechteridentität zu tun. Ich bin ein Mann, bleibe ein Mann, will ein Mann sein und liebe Männer.

Gehen wir mal zusammen shoppen?

Verschone mich! Es gibt nichts Schlimmeres als mit einer Frau in einen vollgestopften Laden zu gehen, ohne dass sie weiss, was sie eigentlich will. Ich habe keinen Sinn für Mode, ich weiss nicht, was ein Jumpsuit ist und ich kann Rosa nicht von Flieder unterscheiden. Glaubt es oder nicht: Viele von uns sind nicht so, wie uns TV-Serien jahrelang dargestellt haben.

Warum müsst ihr denn immer so auffallen?

Müssen wir doch gar nicht. Nur, weil einige Schwule nicht dem Bild entsprechen, das manche von einem Mann haben, heisst das nicht, dass sie um Aufmerksamkeit ringen. Wer das starre Bild von einem Durchschnittsmann vergessen kann, wird Schwule gar nicht mehr bemerken.

Hast du es überhaupt schon einmal mit einer Frau probiert?

Wieso denn?! Nichts für Ungut, aber das stelle ich mir gar nicht prickelnd vor. Was die Damen da unten haben, kann gerne bei ihnen bleiben. Der Punkt ist doch: Da ich das Bedürfnis nicht einmal verspüre, es auszuprobieren, habe ich ja genug Gewissheit darüber, dass das nichts für mich ist.

Wie bist du denn schwul geworden?

Ja, wenn ich das wüsste. Wenn das überhaupt irgendjemand wüsste! Wird man es? Ist man es? Da es auch schwule Löwen und Pinguine gibt, glaube ich nunmal nicht daran, dass eine «schwierige Kindheit», eine «zerrüttete Vater-Sohn-Beziehung» oder zu viel Britney Spears einen schwul macht. Uns gibt es einfach. Who cares why?