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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Diese Köpfe treiben die Schwulen auf die Strasse

Die Zurich Pride steht vor der Tür. SI-online-Blogger Onur Ogul demonstriert jedes Jahr für gleiche Rechte für Schwule, Lesben und andere Minderheiten - wegen Menschen, die homophobe Stimmung im Land verbreiten. Vier davon stellt er Ihnen vor.

Morgen Samstag ziehen wieder Schwule, Lesben, Queere, Drags, Transmenschen und wer noch alles zu den übrigen LGBT-Buchstaben gehört, durch die Strassen Zürichs. Sie demonstrieren im Rahmen des Pride-Festivals.

Immer wieder zeigen mir Menschen Unverständnis für die jährliche Wiederholung der Sause. «Euch geht es hier ja gut, in der Schweiz könnt ihr frei leben, ihr könnt sogar heiraten...» Äh, nein, vorneweg mal: Wir können nicht heiraten, für uns gibts die Extrawurst «eingetragene Partnerschaft»! Es geht uns zwar nicht schlecht, aber es geht uns nicht gut genug in diesem Land. Das bleibt so lange so, bis wir dieselben Rechte erhalten wie Heterosexuelle, die in einer Partnerschaft bzw. Ehe leben.

Die Pride-Demo ist aber nicht nur dafür da, auf politische Missstände hinzuweisen. Es geht auch darum, Präsenz zu markieren: «Wir sind hier, daran ändert sich nichts. Lernt uns kennen und lieben.»

Ich wohne schon seit Jahren in Zürich in meiner wunderbaren Blase mit tollen, weltoffenen Menschen. Doch immer, wenn ich wieder mal aus der Blase herausschaue, erblicke ich schaurige Gestalten. Sie sind es, die mich jedes Jahr aufs neue auf die Strasse treiben. Um den Unsinn zu widerlegen, den sie der LGBT-Gemeinschaft immer wieder andichten. Denn dafür braucht es Kontakt zu Menschen, die in ihrem Umfeld keine Homosexuellen haben. Diese Gelegenheit bietet das Pride-Festival.

Sternstunden der Homophobie in der Schweiz:

Daniel Regli
© Gemeinderat Zürich

Daniel Regli war Zürcher Lokalpolitiker.

Daniel Regli sass noch vergangenes Jahr im Stadtparlament von Zürich. In einer Debatte äusserte der Fundi-Christ seinen Unmut über die örtliche Fachstelle für Sexualpädagogik. Sie verharmlose Analsex und Homosexualität. Man finde im Material der Fachstelle «nichts darüber, dass sich promiske Homosexuelle zwischen 30 und 40 das Leben nehmen, weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht». Regli ist einer der religiösen Hardliner, die daran glauben, Homosexualität wegbeten zu können. Christen gibt der Politiker keine Chance, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Damit treibt er einen Keil in Teile der Gesellschaft. (Seine unglaublichen Aussagen gibts hier zum Nachhören)

Toni Bortoluzzi
© Keystone

Toni Bortoluzzi sass für die SVP im Nationalrat.

Toni Bortoluzzi, der wie Regli der konservativen SVP angehört, traute sich, 2014 in einem Interview zu sagen, dass Toleranz nicht so weit gehen dürfe, dass man «unnatürliches Verhalten natürlichem Verhalten» gleichstelle. Gleichgeschlechtliche Paare hätten «einen Hirnlappen, der verkehrt läuft», sagte der Politiker zum «Beobachter». Bortoluzzi ist ein Realitätsverweigerer, der nicht wahrhaben will, dass Homosexualität genauso natürlich ist wie Heterosexualität. Was er nicht versteht, irritiert ihn und gehört verspottet, verboten oder bekämpft.

Ruedi Löffel
© Keystone

Ruedi Löffel gehört der EVP an.

Ruedi Löffel diskutierte kürzlich in der SRF-«Arena» zum Thema «Ehe für alle». Der EVP-Politiker hatte eigentlich kein anderes Argument, als dass eine Ehe von Grund auf für Mann und Frau geschaffen worden sei. Löffel kann das Ganze ohne Beleidigungen und haarsträubende Unterstellungen vermitteln. Es geht ihm nur um ein Bauchgefühl. Er zeigt sogar Verständnis für die Forderungen der LGBT-Gemeinschaft, will sie aber nicht akzeptieren. Das macht das ganze so perfid. Der freundliche Mann klammert sich, wie alle konservativen Menschen, an das, was er kennt, und weigert sich anzuerkennen, dass sich die Gesellschaft wandelt. Solche Klammerer sind es, die eine Öffnung von anderen unsicheren Menschen Homosexuellen gegenüber verhindert. Dass sein einziges Argument ein Instinkt sein soll, der vor zu viel Rechten für Homosexuelle warnt, macht Löffel nicht weniger homophob als einen Toni Bortoluzzi.

Christoph Mörgeli SVP 2015
© Keystone

Christoph Mörgeli sass lange für die SVP im Nationalrat.

Christoph Mörgeli, wieder ein SVPler, war für seine taktlosen Sprüche bekannt. In der Diskussion um die Adoption für homosexuelle Paare verglich der damalige Nationalrat Schwule und Lesben mit Tiere. «Wann verlangen die Linken auch das Adoptionsrecht für Haustiere?», schrieb er auf Twitter. Bei Mörgeli handelt es sich ganz einfach um einen Macho, der sich in seiner Position als weisser, europäischer Mann allen anderen überlegen fühlt. So auch der Minderheit der Homosexuellen. Die Bedürfnisse, Gefühle und Lebensrealitäten von andersartigen Menschen sind ihm egal. Empathie ist anstrengend, weshalb er sie lieber vermeidet.

Diese Männer argumentierten nicht nur gegen politische Forderungen von Homosexuellen, sie nutzten ihre Position in der Öffentlichkeit aus, um sogar mit Unwahrheiten eine Minderheit niederzumachen. Und von ihnen gibt es noch viele mehr. Das Pride-Festival findet an einem einzigen Wochenende im Jahr statt. Eine relativ kurze Zeit, um den ganzen Mist wegzuräumen, den homophobe Menschen wie obige übers ganze Jahr herauslassen.