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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

In diesen 6 Momenten bin ich froh, schwul zu sein

SI-online-Blogger Onur Ogul sieht das Glas halb voll. Er beschreibt, in welchen Situationen er Nutzen aus seiner Homosexualität zieht.

Die schlechten Erlebnisse bleiben immer länger in Erinnerung. Dieser Blog soll aber nicht den Anschein machen, das Leben von Schwulen sei immer nur eine Tortur.

Ich gebe zu, ich musste länger als nur ein paar Minuten überlegen, um folgende sechs Situationen zu finden, in denen ich sehr gerne homosexuell bin. Dafür sind diese Lebenslagen umso amüsanter:

  1. Anstehen vor Clubs ist mühsam, vor allem im Winter eine Zumutung! Bei der Selektion (so nennt man die arroganten Türsteher, die nach Gutdünken reinwinken oder wegjagen) angekommen, heissts schon mal: «Sorry, nicht ohne Ladys». Gut, bin ich immer mit einer Horde Mädels unterwegs. Gays are a girl’s best friend.
  2. Obwohl das Privatleben in Vorstellungsgesprächen keine Rolle spielen dürfte, tasten sich Chefs und HR-Verantwortliche dennoch daran heran. «Ich bin Single» stimmt sie schon mal milde. «Kinder werden bei mir und meinem Partner nie ein Thema sein. Es sei denn, es passiert ein Wunder» macht mich dann ungeheuer beliebt. Keine Frau, keine Kinder. Im Leben dieses Mitarbeiters gibt es nur den Job. Wo kann ich unterschreiben?
  3. Ich gebs zu: Mit Militär kann ich nicht viel anfangen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich schwul bin, das hat eher politische Gründe. Aber ich muss gestehen, es hat mir schon in den Kram gepasst, dass bei der Aushebung für die Rekrutenschule damals gerade mein Outing über die Bühne gegangen ist. Als ich dem zuständigen Arzt erzählte, dass ich gerade in einer schwierigen Lebenslage deswegen stecke, blickte er mich kurz an, schrieb dann etwas auf den Zettel und in den Militärdienst musste ich nie einrücken.
  4. Das Vertrauen von Frauen zu gewinnen, ist als Mann nicht immer einfach. Gerade als Journalist bin ich froh, wenn sich mein Gegenüber öffnet und verstanden fühlt. Mit einem gebrochenen Handgelenk und zwei, drei Hüftschwüngen verbinde ich in Frauenhirnen irgendwelche Synapsen, welche ihre Zweifel verschwinden lassen. Schwule sind und bleiben halt die Favoriten der Frauen (sorry, Freunde!).
  5. Mittlerweile dürfte bis zur hinterletzten Cousine und Tante durchgesickert sein, dass der Onur nicht vor den Altar treten und auch keine Kinder auf die Welt stellen wird. Das heisst: Hochzeiten und Familienfeste ohne nervige Fragerei der Verwandten, wann denn ich mal eine Familie gründen würde.
  6. Zu guter Letzt hilft es schon, mit einem Menschen im Bett zu sein, der mit den gleichen Körperteilen aufgewachsen ist wie ich. Ich stelle mir immer vor, für Frauen muss sich das Zusammentreffen mit einem Mann anfühlen wie eine Mondlandung.