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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Dürfen Schwule Heteros anmachen?

Wenn Schwule heterosexuelle Männer anflirten, kann das ein Scherz unter Freunden sein. Doch wann geht ein unernster Flirt zu weit?

Was für eine Folter! Dauernd von gutaussehenden Männern umgeben zu sein, die für mich unerreichbar sind: Arbeitskollegen, Freunde, Partner meiner Freundinnen.

Hin und wieder erlaube ich mir scherzhafte Anmachsprüche. Natürlich bei jenen Typen, die ich gut kenne und weiss, dass sie das Gesagte auch als Witz verstehen.

Ob mans glaubt oder nicht: Viele fühlen sich keinesfalls angeekelt, sondern vielmehr geschmeichelt! Immerhin: Klischees besagen, dass wir Schwulen den besten Männergeschmack haben.

 

Das sieht auch DJ Mr. Da-Nos so. Im «Blick» erzählt der Musiker, dass ihn an der Street Parade immer mehr Männer anbaggern. Er gibt ein Beispiel: «Einer schrieb, ich hätte so ein süsses Gesicht, er würde sich nun gerne nackt mit mir auf unserem ‹One Nation›-Wagen wälzen.» Der Kommentar des DJs: «Das ehrt mich natürlich, doch ich bin mit meiner Traumfrau zusammen.»

Bei dem Zeitungsbericht habe ich mich gefragt: Hatte Mr. Da-Nos überhaupt eine Wahl, anders zu antworten? Wenn er sich darüber aufgeregt hätte, wäre ihm dann nicht sofort Homophobie vorgeworfen worden?

Das Geschlecht des anderen spielt eine Rolle

Denn immerhin muss man zugeben: Die anzügliche Botschaft kann als sexuelle Belästigung ausgelegt werden. Denn dafür ist nicht die Absicht des Senders massgebend, sondern wie die Botschaft beim Empfänger ankommt. Und die Nachricht war ohne Zweifel plump und unter der Gürtellinie.

Aber irgendwie ist klar: Das Geschlecht des Fans spielt im Fall Da-Nos eine Rolle. Sonst hätte die Zeitung nicht gerade dieses Beispiel in den Anriss auf der Titelseite genommen.

Mr Da-Nos Blick
© Blick

Nicht ganz fair. Denn auch Frauen könnten jemanden mit einer solch anzüglichen Nachricht sexuell belästigen. Und der Musiker spricht im Bericht sogar von Frauen, die ihm immer häufiger unanständige Angebote machen. Die Überlegung der «Blick»-Blattmacher scheint klar: Männer tolerieren weniger, wenn ihr Verehrer ein Mann ist. Viele Heteros fürchten alles, was sie mit Homoerotik in Verbindung bringen könnte. Und der grösste Aufreger in einer Geschichte schaffts auf den Titel.

Frauen wie auch Männer brauchen ein sehr gutes Gespür dafür, wem sie ein Kompliment machen können und wem nicht – ganz unabhängig davon, welches Geschlecht der Empfänger hat. Natürlich hilfts, wenn man nicht gleich ein Angebot zum sich nackt auf dem Boden wälzen macht. Die schönen Augen tuns dann auch.