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  3. Voll schwul! Warum niemand Angst vor Bachelorette-Achi haben muss

Voll schwul!

Habt keine Angst vor uns, liebe Heteros!

Für manche heterosexuelle Männer sind Schwule suspekt. Sie fühlen sich in ihrer Umgebung nicht wohl. Dabei könnten wir so gute Freunde sein, sagt SI-online-Blogger Onur Ogul.

Maennerfreundschaft

Das könnten wir sein, lieber heterosexueller Leser!

Getty Images/Image Source

Die Reaktionen auf ein Coming-Out sind vielfältig. Doch es gibt da ein Muster, das wiederholt sich oft: Frauen beginnen zu grinsen, findens «megatoll», dass sie nun einen «männlichen Shopping-Partner» haben und jemanden, dem sie ungehemmt ihre Brüste ins Gesicht strecken können. (Das machen sie, um uns zu ärgern!)

Männer hingegen, die machen gerne mal eine Schweigepause. Vielleicht mustern sie einen noch ein bisschen, bis sie so was sagen wie «Das ist voll ok.» Oder: «Hauptsache, du bist glücklich, Alter.»

Um die Atmosphäre aufzulockern, schieben sie vielleicht noch ein «Solange du mich nicht anspringst» hinterher und lachen. Doch im Witz schwingt echte Besorgnis mit.

Gerade eine solche Situation erlebt hat Achi. Der 29-Jährige ist Kandidat in der Schweizer Kuppelshow «Die Bachelorette», die aktuell jeden Montag im TV läuft.

Achi steht zu seiner Bisexualität. Einer seiner Mitstreiter äusserte deswegen Bedenken, Achi könnte nachts «auf ihn draufklettern».  Bei der Zimmerverteilung sollen die Diskussionen derart ausgeufert sein, dass Achi schliesslich auf dem Sofa schlief.

Bachelorette Kandidat 2019 Achi

Bachelorette-Kandidat Achi wurde wegen seiner Bisexualität ausgegrenzt.

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Lieber Frauen als Männer

Für die TV-Sendung aufgebauscht oder nicht, das Problem ist ein echtes. In meiner Schulzeit, als ich begann, mich zu outen, fiel es mir viel einfacher, mich Frauen zu offenbaren als Männern.

Man muss sich nur mal vorstellen: Da ist eine Horde pubertierender Jungspunde, die noch nie einem offen lebenden Schwulen begegnet sind. Und jetzt sollen sie nach dem Sport mit mir unter die Dusche. Nein, Heterosexuelle waren definitiv nicht meine bevorzugten Gesprächspartner, wenns um meine Homosexualität ging.

Die Erfahrung gab mir immer das Gefühl, Homophobie komme eher von Männern. Aber liegt das wirklich daran, dass sie uns als Gefahr sehen? Wovor fürchten sie sich denn?

Flucht vor dem «schwulen Dunstkreis»?

Irgendwie ist es ja absurd zu glauben, dass Schwule total ungehemmt einfach wahllos andere Männer anspringen. Ist ja nicht so, dass wir keinen Anstand und keine Grenzen kennen. Nicht davon zu reden, dass uns ja nicht einfach jedermann gefällt. Auch ihr springt ja nicht jede Frau an, die euch über den Weg läuft, oder liebe Heteromänner?

Manchmal glaube ich einfach, dass heterosexuelle Männer befürchten, man könnte sie selbst für schwul halten, wenn sie sich zu sehr mit Schwulen abgeben. Da gehts irgendwie um Image. Unterschwellig ist auch das homophob, weil sie sich offensichtlich dafür schämen würden, als schwul zu gelten.

Vielleicht wollen sie sich aber auch nur selbst zu schützen. Manche vermuten ja einen Zusammenhang zwischen Homophobie und insgeheimer Faszination für Homoerotisches. Die Kritischsten sollen angeblich selbst schwul sein. Wollen uns gewisse Heterosexuelle meiden, weil sie befürchten, Gefallen an uns zu finden?

Let's be friends!

Eigentlich spielen die Gründe nicht so eine grosse Rolle. Mein Appell an die Heteromänner: Profitiert vom Kontakt zu Schwulen! Geht es um Sexualität, Liebe und Männlichkeit, bringen wir immerhin eine Perspektive mit, die ihr selbst nicht so kennt. Vielleicht könnt ihr uns Dinge erzählen, die ihr lieber nicht mit euren anderen Heterofreunden besprechen wollt – und mit Frauen erst recht nicht. Zudem versprechen wir euch hoch und heilig, dass wir euch die Frauen nie streitig machen werden.

Kurz: Wir sind ganz tolle und geeignete Menschen für Männerfreundschaften!

Von Onur Ogul am 10. Mai 2019