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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Lucas Fischers Outing verdient (leider) eine Schlagzeile

Gewisse Outings dürfen nicht hinter verschlossenen Türen passieren, meint SI-online-Blogger Onur Ogul. So modern man sich in der Schweiz wähnt: Es braucht mutige Männer wie Kunstturner Lucas Fischer – und Medien, die darüber berichten.

«Na und?» ist die Reaktion einiger Leserinnen und Leser auf die News, dass Kunstturner Lucas Fischer sich geoutet hat. Im «Sonntagsblick» erzählte der 28-Jährige am Wochenende, wie er herausfand, dass er Männer liebt. Einige sehen darin keinen Anlass für einen Bericht. Dabei ist es so wichtig wie nie, darüber zu schreiben.

Fischer bewegte sich gerade als Sportler lange in einer Welt, in der Outings immer noch keinen Platz finden. Es gilt, das «ideale» Männerbild zu präsentieren. Dazu gehört ein heterosexuelles Image. Homosexualität nehmen viele immer noch als Schwäche und Verweichlichung wahr. Zu Unrecht, wie Fischers Erfolge zeigten. An der Europameisterschaft 2013 holte er am Barren Silber, am Weltcup im selben Jahr wurde er Dritter. Heute arbeitet er als Entertainer.

Galerie: Diese Schweizer Prominenten stehen zu ihrer Homosexualität

Dass sich auch Fischer erst nach Ende der Sportlerkarriere outet, zeigt deutlich, wie gross der Druck auf die Athleten immer noch ist. Gleich ging es dem deutschen Fussballer Thomas Hitzlsperger, 36, dem NBA-Spieler John Amaechi, 47, oder dem ehemaligen Schwimmstar aus England, Mark Foster, 48. Auch sie wagten den Schritt erst nach ihrem Rücktritt als Profisportler. In der Schweiz gäbe es noch einige Spitzenathleten, die ihre Gefühle offenbaren könnten. Das ist nicht nur eine Vermutung.

Medien haben eine Aufgabe zu erfüllen

Es braucht Signale aus der Sportlerszene, um den Nachwuchs nicht zu demotivieren. Menschen wie Lucas Fischer müssen zeigen, dass auch Schwule erfolgreiche Sportler werden können. Und dass nur ihre Offenheit etwas an der rückständigen Haltung in der Branche ändern kann. Man stelle sich nur mal vor, wie anstrengend solch ein Leben im Versteckpiel sein muss. Welcher Spitzensportler kann dabei seinen Kopf fürs Wesentliche freihalten?

Hier kommen die Medien ins Spiel. Sie können ein Publikum zum Nachdenken anregen, das nicht täglich auf Facebook und Instagram surft. Magazine und Zeitungen erreichen eine Generation, in der tendenziell mehr Menschen kritisch eingestellt sind gegenüber Homosexuellen. Und haben wir Journalisten nicht die Pflicht, die Dinge so zu schreiben, wie sie sind? Dazu gehört auch das schwierige Outing eines Sportlers. Wenn die «Schweizer Illustrierte» ganz selbstverständlich schwule und lesbische Paare auf ihrer Titelseite zeigt, dann passiert das nicht, um den Verkauf anzukurbeln. Sondern ganz einfach, weil sie die Realität darstellt.