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Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Mission: Typ ansprechen im Heteroclub

Was im Schwulenclub ein klarer Fall ist, wird in anderen Partylocations schwierig: Wer ist schwul, wer nicht? Und wie soll ich auf einen Typen zugehen, der mir gefällt? SI-Online-Blogger Onur Ogul berichtet von einem nicht ganz gelungenen Flirtversuch.

Zürich hat die höchste Clubdichte der Welt. Sagt man sich hier jedenfalls. Vielleicht sagen das auch nur Zürcher, um sich ihre Stadt coolzureden. Jedenfalls gibts wirklich viele hübsche, kleine und mittelgrosse Clubs mit einem breiten Musikangebot. Schwulenclub gibts nur einen richtigen in der Stadt. Weshalb ich dort selten bis nie hingehe, habe ich in einem alten Blog-Beitrag erklärt. Die Musik ist einfach nicht meins.

Jedenfalls besuche ich viel lieber Electroclubs wie das Hive. Nur stellt sich mir da ein grosses Problem: Ich verliebe mich alle fünf Meter - in Heteromänner! Vielleicht finde ich die Typen aber auch nur toll, weil sie eben Heteros sind. Im Sinne von: Man will immer das, was man nicht haben kann.

Der blonde Riesen-Engel

Wie dem auch sei: Eine Qual ists allemal! Wie kürzlich, als ich wieder im Hive war. Im unteren Geschoss dröhnt der Bass, das Lichtkonzept heisst «fast Darkroom». Da bemerke ich beim Tanzen hinten in der Ecke einen Riesen, der mich in den Bann zieht.

Der blonde Boy, gefühlt 5 Meter gross, so um die 25, trägt eins von den Tanktops, die einen viel zu tiefen Schnitt bei den Armen haben. (Ist das eigentlich so, damit man die noch tragen kann, wenn der Arm mal mega fett wird?) Am Rücken hängt ein lässiges Turnsäckli, in dem wahrscheinlich gar nix drin ist, aber einfach zum Sommer-Outfit eines Hipsters gehört. Er steht ganz alleine da, nuckelt an seinem Bier und bewegt sich ganz langsam hin und her. Halt so, wie man heute tanzt. Leicht trainierte Arme, lockiges Haar. Eine Engelserscheinung.

 

Anpirschen und beobachten

Was mache ich jetzt? Zu einem Fremden hingehen und direkt fragen, ob er auf Frauen oder Männer steht, ist nicht nur plump, sondern auch ein bisschen unanständig. Ich entscheide mich also, ihn zu beobachten. Das geht aber besser, wenn ich in seiner Nähe bin. Also schleiche ich mich langsam heran.

Da passiert während geschlagenen 15 Minuten aber gar nichts. Er geniesst die Musik und sein Bier und sonst nichts. Keine extravaganten Accessoires, keine verräterischen Bewegungen, kein Bekannter, der ihn mit drei Küsschen begrüsst, nichts, gar nichts. Ich schleiche ein wenig näher ran.

Da plötzlich fokussiert er mich. Schaut ein, zwei Sekunden zu lange, für dass er sich für Frauen interessiert. Vor dem geistigen Auge stecke ich ihm schon den Verlobungsring an.

Er schaut nochmals, wieder ein bisschen länger! Ich bringe ein knappes Lächeln hin. Das hat gesessen!

«Hast du was?»

Jetzt stehe ich literally NEBEN ihm! Ich halts kaum aus, da nehme ich meinen ganzen Mumm für ein «Hallo» zusammen - da tut ers selbst. Er spricht mich an, beugt sich auf meine bescheidene 1.70 Meter hinunter und flüstert mir ins Ohr: «Hast du was?»

Was will er jetzt wissen? Ob ich Kondome dabei habe? Das geht doch viel zu schnell! Aber okay, vielleicht ists nicht das Wochenende für grosse Romantik. «Was willst du denn?», frage ich in herzigster Naivität. «Cola?», schreit er mir ins Ohr. Hat er mich da am Arm berührt? Ich bin elektrisiert. «Mit oder ohne Eis?», bringe ich knapp heraus. Er schaut mich verdutzt an. So ne blöde Frage ist das doch gar nicht? «Nein, ich will nur Kokain.»

Immerhin hab ichs versucht.