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Voll schwul!

Rettet die Segelohren!

Der Körperwahn in der Gayszene bringt SI-online-Blogger Onur Ogul zur Verzweiflung. Dabei sind es doch die Makel, welche Männer überhaupt interessant machen.

Channing Tatum

Trotz oder wegen der Ohren heiss? Hollywood-Star Channing Tatum.

WireImage

Könnt ihr euch noch an Dumbo erinnern? Das zuckersüsse Elefäntchen, das viel zu grosse Ohren hat, Abenteuer erlebt, mit seinen Segelohren fliegen kann und so ein Superstar wird?

Der Disney-Klassiker fiel mir kürzlich wieder ein. Und erst heute als 30-Jähriger fällt mir auf, wie viel dieser kleine «unperfekte» Elefant fürs Selbstwertgefühl mancher Männer tun könnte.

Wenn ich die Männer betrachte, die mir am besten gefallen, fällt mir bei jedem irgendein sichtbarer Makel auf. Es sind die unperfekten Dinge, die mich anziehen. Das Spezielle macht Männer überhaupt erst interessant. Absolut heiss finde ich abstehende Ohren. Nur lassen sich Männer diese häufig anlegen.

Häufig unter dem Messer

Gerade die Schwulenszene hat ein grosses Problem mit dem Körperwahn. Studien fanden unlängst Hinweise darauf, dass homosexuelle Männer massiv mehr Probleme mit ihrer Selbstwahrnehmung haben als heterosexuelle.

Die Resultate zeigen nicht nur, dass Schwule überdurchschnittlich oft dem Schlankheits- oder Muskelwahn verfallen, sondern dass sie sich auch häufig für ein Mainstream-Schönheitsbild unters Messer legen.

2015 stellte die «Gay Times» fest, dass ein Drittel der 1'100 befragten Schwulen bereits einen Eingriff hinter sich hat: Fettabsaugen, Botox, Laser-Haarentfernung. Gar nicht zu sprechen von der Einnahme fragwürdiger Diätpillen oder Abführmittel.

Mobbing ist ein Problem

Es ist nicht so, als hätte ich kein Verständnis für Menschen, die sich durch ihren Makel stigmatisiert fühlen. Gerade Kinder und Jugendliche können grausam sein mit anderen, die «nicht ganz normal» aussehen. Das Leben mit Zahnlücken, dicken Brillengläsern oder Segelohren kann zur Hölle werden.

Auch ich habe mich immer wieder schlanker gehungert. Es vergingen viele Jahre, bis ich mich so akzeptierte, wie ich bin. Und die leise Stimme im Hinterkopf ist trotzdem nicht weg, sie wird es nie sein. Einmal ein Knick, immer ein Knick. Nur auf die Stimme zu hören, damit habe ich aufgehört.

WIr sollten Segelohren abfeiern!

Was ich aus purem Egoismus nie und nimmer akzeptieren will, ist dieser Hass gegen abstehende Ohren! Es ist doch herrlich, wenn die Sonne leicht durchscheint und die Lauscher rosa färbt. Wenn ein Mann ein breites Lächeln hat, wirkt es so, als würden die Ohren leicht wackeln wie bei einem süssen Hündchen. Und beim Knutschen kann man sich so wunderbar an ihnen festhalten.

Wenn wir alle Männer mit abstehenden Ohren so abfeiern wie den Disney-Helden Dumbo, dann werden Kinder, die aussehen, als wären sie aus einem Katalog bestellt, vielleicht irgendwann sogar neidisch auf Segelohren sein.

Übrigens gibt es so viele sexy Männer, die abstehende Ohren haben. Die sollte man sich als Sexsymbol im Hinterkopf behalten. Ich helfe mal mit einer Galerie auf die Sprünge:

Von Onur Ogul am 7. Juni 2019