Voll schwul!

SI-online-Redaktor Onur Ogul schreibt über Männer, die Männer lieben.

Um diese sechs Vorteile beneiden uns Hetero-Männer

Das Leben ist zu kurz, um sich nur zu beklagen. Als schwuler Mann hat man auch gewisse Vorteile, sagt Blogger Onur Ogul. Deshalb wollen wohl so einige Heteros manchmal das Ufer wechseln.

Klischees können mühsam sein und nerven. Aber auch diese Medaille hat eine Kehrseite. Manchmal tuts einfach gut, die positiven Vorurteile zu hören – und zu erfahren, worum Heteros uns garantiert beneiden:

Wir gehen offener mit Sex um

Schwule haben den besten Sex. Das höre ich immer wieder. Immerhin kennen wir den Körper unseres Gegenübers besser als Heteros den einer Frau. Zudem haben Schwule nur selten Hemmungen, über Sex zu reden. Sie sagen einfach direkt heraus, was sie wollen und was nicht. Scheint zu helfen.

Wir dürfen Gefühle zeigen

Wo sich heterosexuelle Männer noch schämen zu heulen, zu jammern, eingeschnappt zu sein, da können wir einfach die Tränenschleusen öffnen und sprudeln lassen. Sensibel zu sein, gehört sozusagen zu den Top-Klischees, die wir Schwule geniessen dürfen.

Wir kommen gut bei Frauen an

Sie erzählen uns alles, sie wollen uns immer um sich haben, sie lieben uns einfach. Ohne dass wir eigentlich überhaupt etwas dafür tun. Zudem haben Frauen aus unerfindlichen Gründen grossen Spass daran, sich uns nackt zu zeigen. Das leider auch, wenn wirs gar nicht wollen. Aber für Heteros ists genug Grund zu Neid.

Wir Männer habens untereinander einfacher

Manchmal haben Männer das Gefühl, das Leben mit einer Frau sei komplizierter als mit einem Mann. Dass sich Kumpels nie streiten. Und wenn, dann sagen sie einander offen, was sie denken. Nun, ich weiss nicht recht, ob das so einfach ist. Sowohl meine Hetero- wie auch meine Homo-Freunde haben laufend Diskussionen mit ihren Partnern. Ich würde sagen: Ab zwei Menschen wirds kompliziert.

Wir müssen den Eltern keine Schwiegertochter präsentieren

«Wann können wir eine schöne Hochzeit feiern?», «Wir werden langsam alt», «Enkelkinder wären schon noch schön!» Kennen wir alles nicht. Einmal geoutet, verzichten die Eltern darauf, Druck auf Söhne auszuüben, damit sie sich endlich liieren.

Wir sind der Traum jedes Chefs

Unternehmen, die sich besonders modern und «cool» geben möchten, fangen an, Diversität im Personal zu etablieren. Dazu gehört natürlich ein anständiger Anteil Homosexueller. Und die Jobchancen steigen zusätzlich, weil die Adoption in der Schweiz für homosexuelle Paare immer noch verboten ist. Kein Kind, kein Vaterschaftsurlaub, kein reduziertes Pensum für die Familie. Finde ich persönlich mega schlimm. Aber bis dahin sind wir wenigstens der Traum eines jeden Chefs.

Onur Ogul am 2. März 2018, 16.19 Uhr