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  4. Blog «Voll schwul!» – Wie wichtig ist die Körpergrösse?

Voll schwul!

Wie gross darfs sein?

Die Körpergrösse spielt bei der Partnerwahl öfters eine Rolle, als es SI-online-Blogger Onur Ogul wahrhaben will. Er ist einem Menschen begegnet, dessen kurze Geschichte zeigt, wie verbandelt Grösse und Sexualität sein können.

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Sie ist eins der gemeinsten K.-o.-Kriterien: Die Körpergrösse. Die allermeisten meiner weiblichen Mitmenschen könnten sich nie einen kleineren – manchmal nicht mal einen gleich grossen Freund vorstellen. Bisher habe ich mir gar nie Gedanken darüber gemacht, wie das Schwule sehen. Denn ich persönlich habe da keine Präferenzen.

Ein Freund, den wir hier Fernando nennen, hat mir jedoch kürzlich erklärt, wie entscheidend die Grösse für ihn ist. Fernando kommt aus Ecuador und ist ein hübscher, aufgeweckter junger Mann. Wir unterhalten uns offen über alles mögliche, natürlich auch über Männer.

Klein und passiv, gross und aktiv?

Eines Tages kommen wir auf die Rollen im Bett zu sprechen, auf «Bienli» und «Blüemli», bzw. das «aktiv»- und «passiv»-Sein. Fernando sagt, als er in Ecuador seine ersten Erfahrungen mit Männern gemacht habe, sei er stets aktiv gewesen. Er sei von der Körpergrösse her «einfach geeigneterer dafür» gewesen. Ich schaue ihn ungläubig an. Er aber entgegnete: «Doch, wirklich! Ich kann mir nicht vorstellen, passiv zu sein, wenn der andere kleiner ist als ich.»

Interessant! Aber wie kann es sein, dass er ein so berüchtigter Aktiver war, wo er doch nur 1,75 m gross ist? Nach kurzer Recherche finde ich heraus, dass Ecuadorianer im Schnitt nur 1,67 m gross sind. Fernando war in seiner Heimat also wirklich ein grosser Mann.

«Hier in Europa wurde ich zum Passiven», fährt er fort. «Hier sind alle so gross, da will ich viel lieber passiv sein.» Und auch hier geben die Zahlen seinem Eindruck recht. Die Durchschnittsgrösse beträgt in Deutschland fast 1,80 m, Fernando gilt hier also als eher kleiner Mann.

Bin ich zu klein?

Dass so ein bisschen Statistik einen derartigen Einfluss auf die sexuelle Vorliebe haben kann, erstaunt mich. Nicht zuletzt, weil ich in der Aktiv-Passiv-Angelegenheit eine ziemlich unflexible Haltung einnehme (einer meiner älteren Blogs führte deswegen zu regen Diskussionen).

Eigentlich noch beängstigend. Die Körpergrösse ist eins der wenigen Merkmale, das wir kaum verändern können (Beinverlängerungen mal ausgenommen). Dass dies kleinen heterosexuellen Männern oder sehr grossen Frauen auf den Magen schlagen kann, verstehe ich. Sollte ich mir mit meinen 1,69 m besser auch Gedanken darüber machen?

Was, wenn die Körpergrösse beim Online-Dating unter Schwulen eine grössere Rolle spielt, als ich dachte? Wie schätzen Männer wohl meine Grösse ein, wenn ich mit anderen Menschen auf Fotos zu sehen bin? Schauen sie im Steckbrief als allererstes die Körpergrösse nach? Bin ich vielen Männern schlicht zu klein und habe das nie erfahren?

Flunkern erlaubt

In manchen Dating-Apps kann man Filter aktivieren, um bestimmte Männer auszublenden. Gibt es wohl auch solche, die nach Körpergrösse filtern? Das wäre doch unfair, wenn man mich eigentlich toll fände, wegen Zahlenklauberei aber von Beginn weg ausschliesst!

Diese Ungerechtigkeit befürchten so einige Online-Dater, und ich habe vollstes Verständnis für sie, wenn sie ihre Profilangaben leicht frisieren. So spielt es etwa fürs menschliche Auge kaum eine Rolle, wenn ich in meinem Profil 1,70 m hinschreibe, in Wahrheit aber einen Zentimeter kleiner bin. Filter, die Männer unter 1,70 m ausblenden, hätte ich damit jedenfalls überlistet.

Doch Vorsicht! Wer sich von 1,65 m auf 1,75 m hinaufmogelt, kriegt ein Problem. Es gibt nämlich nichts Abturnenderes bei einem ersten Date, als dass man sein Gegenüber auf den ersten Blick als Lügner entlarvt. Und glaubt mir: Alles schon passiert.

Von Onur Ogul am 27.09.2019
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