Vom Glück, der Liebe und Sehnsucht

Flüchtig ist das Glück. Lang währen die Lebenslügen. Und ewig bleibt die Hoffnung: Bernhard Schlinks "Sommerlügen".

Es geht um Menschen, die sich etwas vorgemacht haben. Oder es immer noch tun. Um  Frauen und Männer, die vom Leben gelebt werden, weil sie der Mut verlassen hat. Weil sie sich selbst verloren haben, sei es aus Liebe, aus Verzweiflung, aus Angst. Und so belügen sie sich weiter und sind sich dessen mitunter sogar bewusst.

Wie der junge Musiker, der am Strand auf eine reiche Erbin trifft und sich verliebt. Selbstvergessen geniesst er die gemeinsamen Tage, ist verzaubert und randvoll Glück. Als die Ferien zu Ende gehen, schmieden sie Zukunftspläne. Er beschliesst, zu ihr zu ziehen. Zu Hause angekommen, setzt er sich erst mal vor die Haustür. Betrachtet das Geschehen auf der Strasse. So vertraut, so richtig fühlt es sich an. Nach und nach dämmert ihm, dass sein bisheriges Leben mit dem ihren nichts zu tun hat. Dass er sein jetziges nicht aufgeben will. Er weiss es. Doch er geht ins Haus und verschiebt die Entscheidung auf morgen.

Die Protagonisten in Schlinks Buch belügen die Familie, den Partner, sich selbst. Sie lügen sich um Kopf und Kragen, aus nichtigen Begebenheiten, aus Not und Angst, oder aus LIebe. Behutsam deckt Bernhard Schlink mit seinen neuen Erzählungen die Lügen auf, mit denen wir leben. Melancholisch. Schwermütig.

Anina Rether