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«Das Schweizer Dorf des Jahres»

Generös, gelassen und grossherzig

Welche Gemeinde hat die Corona-Krise besonders solidarisch und kreativ gemeistert? Die Schweizer Illustrierte sucht «Das Schweizer Dorf des Jahres»! Eine prominente Jury hat zwölf Finalisten aus den Leservorschlägen ausgewählt. Diese Woche stellen wir Hergiswil, Häggenschwil und Guttannen vor. Ab jetzt können Sie abstimmen!

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Hergiswil am Vierwaldstättersee investierte 2,55 Millionen Franken für Gutscheine.

Kurt Reichenbach

Hergiswil NW

Es ist ein historischer Tag für die Gemeinde am Vierwaldstättersee: Ende Juni sagen mehr als 92 Prozent der Hergiswiler Ja an der Urne. Ja zu einem Kredit von 2,55 Millionen Franken. Damit erhält jeder erwachsene Einwohner Gutscheine im Wert von 500 Franken. Die einzige Bedingung: Sie müssen das Geld bis Ende Jahr ausgeben, und zwar ausschliesslich im Dorf.

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Gemeindepräsident Remo Zberg hat Dorf-Jurorin Annina Campell von der Gutschein-Aktion überzeugt.

Kurt Reichenbach
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«Wir haben ungefähr 80 Gewerbebetriebe hier in Hergiswil. Viele davon sind Kleingewerbler wie etwa die Coiffeuse, der Optiker oder der Metzger», sagt der Gemeindepräsident Remo Zberg, 67. «Die meisten von ihnen mussten während des Lockdown schliessen und leiden unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Mit dieser Aktion wollen wir sie unkompliziert und schnell unterstützen.» Es sei eine Win-win-Lösung für Gewerbler und für die Einwohner des Dorfes am Fusse des Pilatus. «Und ein schöner Nebeneffekt ist, dass die Neuzuzüger so unsere Läden und Betriebe kennenlernen.»

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Remo Zberg: «Die Gutscheine sind ein unkompliziertes Mittel, um das Gewerbe zu unterstützen.»

Kurt Reichenbach

Dorf-Jurorin und Moderatorin Annina Campell, 35, ist überzeugt von der Aktion der Hergiswiler: «Das ist eine grossartige Idee, um das lokale Gewerbe zu unterstützen.»

Dass die Hergiswiler es gerne schnell und unkompliziert mögen, hat sich bereits drei Tage nach der historischen Abstimmung gezeigt: Dann waren schon alle Gutscheine in den Briefkästen der Einwohnerinnen und Einwohner.

Fakt

500 Franken haben alle Hergiswiler in Form von Gutscheinen erhalten. Diese können sie bis Ende Jahr im Dorf ausgeben.

5777 Einwohner leben in der steuergünstigen Gemeinde am Fusse des Pilatus.

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Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring mit Hund Pamina im Holundergarten von Gemeinderätin Gaby Helfenberger.

Kurt Reichenbach

Häggenschwil SG

Im Gemeindehaus von Häggenschwil hängt ein Bild vom Dorf. Wer genau hinschaut, erkennt die Ritzen zwischen den Puzzleteilen. Das Puzzle entstand in über 30 Haushalten.

Als der Bund im März den Lockdown verordnete, telefonierte Gaby Helfenberger, 46, im Auftrag des Gemeinderats mit allen 37 alleinstehenden Menschen, die älter als 70 sind. «Ich wollte wissen, wie es ihnen geht», sagt die Gemeinderätin. «Viele vermissten ihre Enkel und das Jassen.» Ab da legte sie jede Woche eine Überraschung in die Briefkästen der Seniorinnen und Senioren. Eine blühende Pflanze, ein Rätsel-Heftli oder ein Gedicht über einen Schmetterling sollte sie etwas aufheitern.

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Das Dorf-Puzzle hängt seit einigen Wochen im Gemeindehaus.

Kurt Reichenbach

Und zusammen mit einer Kollegin vom Schulrat organisierte Helfenberger, dass die Schüler der zweiten Klasse den Betagten einen Brief schreiben – mit der Anmerkung, sie sollen antworten. «Ein Herr schrieb drei Seiten zurück. So entstanden schöne Brieffreundschaften zwischen den ältesten und den jüngsten Häggenschwilern.»

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Mehr als 30 Vereine sorgen für Leben in Häggenschwil. «Während des Lockdown war es ruhig», sagt der Gemeindepräsident.

Kurt Reichenbach

Der Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring, 64, ist begeistert vom Einsatz seiner Kollegin: «Gaby hat das wunderbar gemacht.» Als kleiner Zeitvertreib bekamen die Senioren je 100 Puzzleteile zum Zusammensetzen. Das Gesamtwerk hängt jetzt im Gemeindehaus. Eisenring: «Nach unserem Motto: ‹Miteinander und Füreinander›.»

Fakt

2000 Teile hat das Puzzle, welches Seniorinnen und Senioren von Häggenschwil zusammensetzten.

1365 Einwohner leben in der Ostschweizer Gemeinde. 37 davon sind über 70 Jahre alt und alleinstehend

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Werner Schläppi, Gemeindepräsident: «Wir haben gelernt, mit Krisen umzugehen.»

Kurt Reichenbach

Guttannen BE

Das letzte Dorf vor dem Grimselpass ist krisenerprobt. Schwere Naturereignisse wie das Hochwasser von 2005, der ausserordentliche Lawinenwinter von 1999 oder immer wiederkehrende Murgänge stellen die Einwohner von Guttannen vor grosse Herausforderungen. Zweimal brannte das Dorf sogar ab (1723 und 1803). «Wir haben gelernt, Krisen solidarisch und hilfsbereit zu meistern», sagt Werner Schläppi, der seit Anfang letzten Jahres Gemeindepräsident von Guttannen ist.

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Guttannen im Haslital ist ein Dorf, das bereits Hochwasser, Lawinen und Murgänge meisterte.

Kurt Reichenbach

Auch der Corona-Krise begegnet die Berggemeinde, ohne in Panik zu geraten. «Wir haben zueinander geschaut, niemand sollte allein sein.» Der Dorfladen Prima hat einen Lieferdienst für die älteren Menschen organisiert. Zu Ostern fanden alle ein Osterei im Briefkasten, auf der Treppe oder im Blumentopf.

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Die Primarschule im Dorf setzte schon vor zehn Jahren auf Digitalisierung – was den Fernunterricht erleichterte.

Kurt Reichenbach

Die Schule im Dorf setzte schon vor zehn Jahren auf Digitalisierung. Heute besitzt jedes Kind ein Tablet. So meisterten die zehn Primarschülerinnen und -schüler den Übergang zum Fernunterricht ohne Probleme. «Wir wohnen in den Bergen, aber nicht hinter dem Mond», sagt Lehrer Urs Zuberbühler. «Wir mussten die bestehende Infrastruktur nicht weiter ausbauen, sondern konnten sie einfach zu Hause nutzen.» Auch die Corona-Krise brachte die Guttannerinnen und Guttanner nicht so leicht aus der Ruhe.

Fakt

10 Primarschüler gehen im Bergdorf zur Schule – alle sind mit einem Tablet ausgerüstet.

263 Einwohner leben in Guttannen, der flächenmässig zweitgrössten Gemeinde im Kanton Bern.

Wettbewerb

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Alle 12 Finalisten im Überblick

Deutschschweiz

Fieschertal VS
Die Berggemeinde ist Teil des alpenweiten Projekts «SmartVillages» und konnte dank digitalen Anwendungen die Krise gut meistern.

Guttannen BE
Das Dorf am Grimselpass führte die Bevölkerung mit ruhiger Hand durch die Krise. Für den Fernunterricht war die digitale Schule gewappnet.

Häggenschwil SG
Jede Woche während des Lockdown erhielten alle Häggenschwiler, die älter als 70 sind, eine kleine Aufmunterung von der Gemeindeverwaltung.

Hergiswil NW
Die Gemeinde verschenkte Gutscheine im Wert von 500 Franken an alle erwachsenen Einwohner, um das lokale Gewerbe zu unterstützen.

Ruswil LU
In Ruswil arbeiteten mehrere Vereine zusammen, damit sich niemand allein fühlt. Sie organisierten etwa Einkäufe oder Gespräche per Telefon.

Wegenstetten AG
Die Samaritervereinspräsidentin Sonja Wunderlin legte allen über 65-Jährigen zweimal in der Woche eine Überraschung in den Briefkasten.

Französische Schweiz

Essertines-sur-Yverdon VD
Monatlich gibts im Dorf ein geselliges Essen für alle betagten Menschen, und der Gewinn aus einem jährlichen Brunch geht an ein Hilfswerk.

Hermance GE
Dutzende Menschen aus der Gemeinde haben etliche Kilometer zurückgelegt, um Geld für die Betroffenen der Corona-Pandemie zu sammeln.

La Sarraz VD
Hier entstand die «Umarmung per Post»: Kinder, die nicht mehr zur Schule konnten, haben Seniorinnen und Senioren Briefe geschrieben.

Italienische Schweiz

Gambarogno TI
Die Tessiner Gemeinde spendete der Schifffahrtsgesellschaft 10000 Franken und schenkte der Bevölkerung 50 Tageskarten.

Losone TI
Lehrer, Eltern und Behörden arbeiteten eng zusammen, um gemeinsam eine Online-Plattform für alle Schülerinnen und Schüler einzurichten.

Rätoromanische Schweiz

S-chanf GR
Die Pandemie suchte das Dorf im Oberengadin früh heim. Die Einwohner halfen einander mit Hauslieferungen vom Volg und von der Apotheke.

Von Silvana Degonda am 07.08.2020
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