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  4. Konzentration bei Kindern: Dank dieser Unterrichtsmethode klappts!

Frontal-Unterricht ist passé

Dank dieser Methode konzentrieren sich Kinder besser

Klügere Köpfe dank kreativer Körperlichkeit? Auf jeden Fall! Eine zweite Klasse aus Zürich zeigt, weshalb ein bewegter Unterricht den Interessen der Kinder entgegenkommt und deren Aufmerksamkeit und Konzentration spielerisch steigert.

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So lernt man heute: Spielerisch repetieren die Kinder der zweiten Klasse vom Schulhaus Bühl die Zahlenreihen.

Fabienne Bühler

Sie springen, jonglieren, balancieren und hüpfen. Turnunterricht der zweiten Klasse im Zürcher Schulhaus Bühl? Fehlanzeige! Hier findet gerade eine Mathematik-Lektion statt. Aber statt dass die Halbklasse – aus zehn Schülerinnen und Schülern – artig hinter ihren Pulten sitzt und die Zahlenreihen von zwei bis zwölf büffelt, herrscht hier im wahrsten Sinn des Wortes ein bewegter Unterricht.

«Bewegtes Lernen», so heisst auch das Konzept, das die Primarlehrerin Nina Handschin, 58, regelmässig in ihrem Unterricht umsetzt. «Bewegung steigert die Durchblutung im Gehirn. Es wird besser mit Sauerstoff und mit Nährstoffen versorgt. Dadurch können sich die Kinder besser konzentrieren. Ausserdem wird damit auch die Motivation bei den Kindern erhöht, und sie gewinnen einen neuen Zugang zum Lernstoff», sagt die Primarlehrerin, die seit 36 Jahren an verschiedenen Schulen in Zürich unterrichtet. Seit über zehn Jahren teilt sie sich einen Klassenzug mit ihrem Kollegen Beat Bürki, 61, der ebenfalls auf die Form des bewegten Lernens setzt.

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Innovative Lehrpersonen

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Nina Handschin unterrichtet seit 36 Jahren. Erst gerade hat sie die Bewegungs-Ausbildung «Purzelbaum» abgeschlossen.

Fabienne Bühler
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Der Primarlehrer Beat Bürki weiss aus 35 Jahren Unterricht, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder kontinuierlich abgenommen hat.

Fabienne Bühler

Fünferreihe auf dem Trampolin

Dabei gibt es drei Methoden, an denen die beiden Lehrpersonen festhalten. Lernen «in», «durch» und «mit» Bewegung – denn die drei verschiedenen Präpositionen stehen für nuancierte Unterschiede bei diesem ganzheitlichen Lernkonzept.

Im Mathe-Unterricht von Nina Handschin werden die Zahlenreihen «in» Bewegung gelernt. Das eignet sich besonders, um den Stoff zu festigen oder zu repetieren. So springt Julia auf dem Trampolin und sagt dabei die Fünferreihe auf, während Lars, balancierend auf einem Holzbrett, das Gleiche macht. «Gerade beim Memorieren ist das Element der Bewegung enorm sinnvoll und hilfreich», so Handschin.

«Die kleinen Pausen steigern die Aufmerksamkeit.»

Beat Bürki

Balance zwischen Körper und Geist

Als Zweites gibt es das Prinzip, abstrakte Lerninhalte wie eben Mathe «durch» Bewegung fassbarer zu machen. Das bedeutet, dass der Stoff direkt mit der Bewegung in Zusammenhang gebracht wird. Wenn also Salomé drei Stufen die Treppe ersteigt, sagt sie die Dreierreihe vorwärts auf, beim Runterlaufen dann rückwärts.

Als dritte Möglichkeit eignen sich die Schülerinnen und Schüler den Lernstoff «mit» Bewegung an. Bei dieser Methodik geht es um die richtige Balance zwischen körperlicher und geistiger Anspannung und Entspannung. «Kinder dieser Altersstufe können sich nicht länger als 20 Minuten konzentrieren», sagt Beat Bürki. In den 35 Jahren, in denen er unterrichtet, hat nicht nur die Aufmerksamkeitsspanne kontinuierlich ab-, sondern haben auch die motorischen Defizite der Kinder zugenommen.

Kinder lieben den bewegten Unterricht

Umso wichtiger sind darum die Bewegungspausen, welche die Kinder in gewissen Lektionen in seinem Unterricht einfordern dürfen. «Herr Bürki, dürfen wir eine Pause machen?», rufen die drei Jungs Lars, Lino und Nino. «Ihr dürft», sagt der Lehrer – und schon rasen die Jungs aus dem Schulzimmer, eine Eieruhr in der Hand, damit die Unterbrechung vom Unterricht nicht länger als drei Minuten dauert. Und so zieht sich die wilde Truppe an einem Seil durch den Gang des altehrwürdigen Schulhauses, das seit über 122 Jahren imposant auf dem Wiediker Bühlhügel thront. «Die Kinder lieben die Bewegungspausen, das kommt ihrem natürlichen Bewegungstrieb entgegen», sagt Bürki. «Die kleinen Pausen stören den Unterricht nicht – im Gegenteil, die Aufmerksamkeit der Kinder wird damit sogar gesteigert.»

Und wie gefällt den Schülerinnen und Schülern der zweiten Klasse dieser bewegte Unterricht? «Wir finden ihn super!», ertönt es unisono aus den Mündern der acht- und neunjährigen Knöpfe. Und der vife Lino mit den wilden Haaren ruft: «Lernen braucht doch Bewegung. Denn wer sich nicht bewegt, der bleibt sitzen.» Dem gibt es nichts mehr beizufügen.

Von Andrea Vogel am 07.08.2020
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