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Besinnlich my A**

Es gibt ein Leben nach Weihnachten

In der Vorweihnachtszeit sollten wir uns eigentlich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Zum Beispiel die Familie. Mit zwei schulpflichtigen Kindern gibt es vor allem ein dominierendes Gefühl: Stress, Stress, Stress.

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Die Vorweihnachtszeit hat begonnen, wenn Listen eure besten Freunde sind. 

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Eins vorweg: ICH LIEBE WEIHNACHTEN. Wenn sich der November so langsam dem Ende neigt, dann bin ich in Stimmung. Das war davor. Vor den zwei schulpflichtigen Kindern. Letzteres hat die vorweihnachtliche Checkliste um ca 12 763 Punkte und 18 Bastelaufgaben verlängert. Mein vorweihnachtliches Leben in 8 Checklisten:   

1. Basteln ist das neue Schlafen  
Basteln ist nicht meins. Es ist für mich weder meditativ, noch kann ich es besonders gut. Im November bringen Eltern landauf und landab das Räbeschnitze hinter sich (ich darf voller Stolz mitteilen, dass meine Reben immerhin die Hälfte des Umzugs unbeschadet überstanden haben). Und dann kommt der Dezember mit dem grossen Knall: Da müssen Eltern (oft sinds dann die Mütter) ganze Adventsfenster gestalten und die Instruktionen fürs traditionelle Weihnachtssingen lassen auch nicht lange auf sich warten. Bei letzterem reichts natürlich nicht, einfach den Termin gross und rot im sowieso schon dicht getakteten Kalender zu notieren. Nein, dafür müssen die farblich korrekten Outfits besorgt und die «weihnachtlichen Glitzerapplikationen» felsenfest vernäht werden. Man stelle sich bloss vor, das Kind stolpert auf der Bühne über eine unprofessionell befestigte Girlande! Auch leger ist dieser Schulbrief: Man möge doch dem Kind bitte «natürliches Bastelmaterial» in den Rucksack packen. Tannenzweige zum Beispiel, aber möglichst kurz geschnittene. Alles besorgt? Ja. Blöd nur, dass im letzten Absatz klar und deutlich steht «bitte nichts kaufen». Sorry. Not sorry. 

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Auch hier trügt der Schein: Basteln verläuft meist weniger idyllisch.

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2. Listen statt Pisten  
Es gibt Familien, die haben das mit den Geschenken ziemlich gut organisiert. Auch wir haben das inzwischen einigermassen im Griff – wir schreiben die Weihnachtswünsche der Kinder auf, lassen sie einmal durch die elterliche Zensur laufen (kein Kind braucht 12 Skateboards und echte Einhörner, nun, wir Mütter machen viel möglich, aber auch wir haben Grenzen) und dann wird verteilt. Ab spätestens Ende November tröpfeln die Anfragen rein, was sich denn nun die Kinder so alles wünschen. Dann wird überlegt – und sauber Buch geführt. Nicht dass die Wünsche aus Versehen zweimal erfüllt werden.   

3. Adventskalender  
An dieser Frage scheiden sich die Geister. Und um ehrlich zu sein: Es braucht nicht zwingend einen elaborierten Adventskalender. Dieses Jahr habe ich drei (!) gemacht. Warum? Das weiss nur das Universum. Meine Tipps für einen reibungslosen Adventskalender-Herstell-Ablauf: 1. Eine Liste machen (ich liebe Listen) 2. Macht es euch leicht (die Kleinen nehmen gerne auch fünfmal die Gummibärchen). 3. Überlegt euch nicht zu viel. Spätestens ab Törchen 15 senkt ihr eure Ansprüche an die pädagogische Wertigkeit des Kalenders sowieso.  

4. Dekoration  
Gerne würde ich behaupten, dass es jedes Jahr ein HIGHLIGHT ist, zusammen mit den Kindern im Wald Tannenzweige zu suchen und diese dann GEMEINSAM zu einem Adventskranz zu verarbeiten. Nun: Das wäre eine blanke Lüge. In den Wald gehen? Gern. Aber noch mehr Basteln als wir sowieso schon basteln MÜSSEN (vgl. Punkt 1) - thanks. But no thanks. Und deshalb beschränkt sich unsere Weihnachtsdeko (zum Schrecken des Mannes und Vaters) auf glitzrige Weihnachtshirsche in Gold und Silber und kleine Plüschrehe. Die machen selbstverständlich überhaupt gar keinen Sinn. Den Adventskranz sparen wir uns. Wir nehmen nur die Kerzen und trinken jeden Sonntag den traditionellen Kinder-Schampus (mit Schuss – für die Erwachsenen). Denn alsbald folgt das ...  

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Gemütlich Glühwein trinken? Eines dieser Vorweihnachtsmärchen. 

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5. ... Glühwein-Dilemma  
Während Hundertschaften abends jeweils fröhlich zu diversen Weihnachtsmärkten pilgern, sitzt ihr zuhause und beschäftigt euch wahlweise mit einer der folgenden Aktivitäten: 1. Ihr tütet Adventskalender-Törchen ein 2. Ihr sucht Bastelmaterial für die Schule zusammen 3. Ihr kratzt Guetzliteig-Reste vom Boden und allem anderen, was nicht bei drei auf den Bäumen sitzt oder 4. Ihr schreibt Listen. Denn ...  

6. ... Kindergeburtstage in der Vorweihnachtszeit sind Next Level  
Dass eure Kinder vermutlich das ganze Jahr über das spannendere Sozialleben als ihr haben, dürfte spätestens nach dem dritten oder vierten Geburtstag angekommen sein. Next Level ist aber, wenn eure Kinder viele Freunde haben, die in der Vorweihnachtszeit ihren Geburi feiern. Das ist dann quasi die Meta-Geschenkebene. Während ihr Listen für die Anfragen (vgl. 1) schreibt, aktualisiert ihr parallel die Liste der Geschenke für die diversen Geburtstagsfeiern. Über den Versuch, diese beiden Listen zu synchronisieren berichte ich dann 2020.  

7. Mental Load – ja, gibts.  
Mental Load ist einer dieser neumodischen Begriffe. Erst klingts nach einem dieser Plastikwörter, mit denen Werber gerne um sich schmeissen (Plastikwort: Klingt immer cool, hat aber selten Inhalt). Spätestens In der Vorweihnachtszeit wird die Mental Load aber zur Realität. Ein Beispiel? Wenn ihr schon während ihr den Schulbrief über die Notwendigkeit «natürlicher Bastelmaterialien» lest, Time-Slots einplant, die für die Besorgung selbiger reserviert werden müssen, dann erlebt ihr die Mental Load mit voller Wucht. Das Gute daran: Dank eurer Listen (mittlerweile existiert vermutlich die Liste von den Listen mit klaren Prioritäten) seht ihr ganz genau, wann ihr (heimlich) beim Floristen vorbei rauschen könnt, um ein paar «kurze Tannenzweige» zu kaufen (Pro-Tipp: Abends dann etwas krumm und schief zusammen schneiden, dann wirkts echter. Klappt übrigens auch beim gekauften Kuchen. Einfach kurz mit dem Wallholz drüber und Puderzucker drauf streuen – wirkt wie selbst gemacht). Das Gute daran 2: Ihr beweist euch gerade selbst, dass ihr wahnsinnig gut organisiert seid – wäre da nicht 6., hättet ihr euch einen Glühwein verdient. Oder wahlweise ein Superhero-Cape.  

8. Me-Time? Witzig. Selten so gelacht  
In der Vorweihnachtszeit an Me-Time denken? Süss. Wirklich süss. Denn da ist ja noch das Fotobuch. Denn wenn ihr gerade mal nichts bastelt, keine Guetzli ausstecht, keine Geburtstagsgeschenke/Weihnachtsgeschenke besorgt, keine Listen schreibt und keine Glitzerhirsche aufstellt, dann sortiert ihr die Millionen von Handy-Bildern, die sich in einem Kalenderjahr so ansammeln. Denn: Das alljährliche Fotobuch mit dem Best-of-Kids steht an. Logisch könntet ihr jetzt sagen, hey, wir lassen es dieses Jahr. Doch dann blitzt da ein Funken Vernunft durch: Ihr macht das nicht nur für die Verwandtschaft. Ihr macht das auch für euch selbst. Denn wer scrollt sich Jahre später schon durch eine tausende Fotos starke Datenbank, um in Erinnerungen zu schwelgen. An damals als die Kleinen eben wirklich noch klein waren. Vielleicht sollten wir uns jetzt einen Glühwein einschenken und uns mal kräftig auf die Schulter klopfen – denn wer weiss: Vielleicht arbeiten wir dank unserer Listen gerade dieses Weihnachten ab, an das sich unsere Kinder noch Jahrzehnte später erinnern werden. Easy Deal, oder? 

Von Bettina Bendiner am 01.12.2019
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