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Räbeliechtli 2.0

Fünf Gründe, beim Basteln nicht zu verzweifeln

Die Zeit der Räbeliechtli ist nun mehr oder weniger vorbei. Jetzt gehts ans Advents-Basteln. Euch graut davor? Nun, entspannen und erfahren, weshalb das nicht nur eine schlechte Idee ist.

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Bei unsere Autorin werden sie selten so schön!

Getty Images/Hoxton

Der traditionelle Räbeliechtli-Umzug löst allerhand Emotionen bei uns Eltern aus. Und auch ich muss zugeben – Basteln liegt mir nicht. Selbst Räbeliechtli habe ich geschnitzt. Zwei Stück. Und, wie ich bei der Diskussion auf Facebook (übrigens: danke dafür!) gelernt hab, hab ich allerhand falsch gemacht. Meine Weihnachtslichter haben das Ende des Umzugs am Zürisee nicht erlebt. Sie haben leise und kümmerlich vor sich hin geschmörzelt. Selbst das grosse Kind hatte Mitleid mit mir und mich mit einem «Mami, ich weiss, du hast dir Mühe gegeben» getröstet. In einem Arbeitszeugnis würde maximal «sie hat sich stets bemüht» notiert. Trotzdem schreite ich vollen Mutes und Zuversicht ins nächste Bastelabenteuer. Die Adventszeit bietet da ja allerhand. Und ja, ich werde selbstverständlich NIE einsehen, dass ich es einfach nicht kann.

Denn ich kenne mindestens 4 Gründe, weshalb wir nie aufgeben sollten:  

1. Wir sind Vorbilder 
Wenn das Kind bei den ersten krakligen Schreibversuchen scheitert, dann sagen wir ja auch nicht «hey easy, das musst du nicht können». Wir setzen uns mit ihnen hin und üben, üben, üben (selbst wenn wir mit dieser komischen Lautsprache und diesen Kinder-Luftstrombildern masslos überfordert sind und uns heimlich eine Erklärungstabelle organisieren. Asking for a friend, natürlich). So ist das auch beim Basteln. Wir geben auf, wäre die falsche Botschaft.  

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2. Trainiert die Organisations-Skills 
Die Adventskalender oder Weihnachtsgeschenke für die Verwandtschaft basteln sich ja nicht selbst. Und: Das Material fällt auch nicht vom Himmel. Die Sachen müssen also in einem wahnsinnig engen Zeitfenster besorgt und verarbeitungsfertig gemacht werden (von der Vor-Recherche, wo es was gibt und was überhaupt verschenkt wird, sprechen wir noch gar nicht). Das fühlt sich manchmal so an, als würde man einen Elefanten durch eine Fiat Punto Tür quetschen. Hinbekommen tun wir es trotzdem – und: so ganz nebenbei trainieren wir unsere Recherche-Skills in bislang noch unbekannten Gewässern. Wir sind Entdecker und Abenteurer. Jung und wild, natürlich.  

3. Wir lernen Geduld 
Wie gesagt, Basteln ist kein Talent von mir. Umso mehr ist mein inneres Zen-Feeling gefordert, wenn ich allerhand Glitzerzeug in allen Farben des Regenbogens in etwa gleichmässig auf ein Stück Pappe verteilen soll. Ich atme tief durch. Und merke: Das Kinderyoga hat auch mir was gebracht. Schon mal was von Kuscheltieratmung gehört? 

4. Quality Time – es ist wirklich so 
Die Kinder lieben das. Sie leimen mit Hektolitern Klebstoff ihre Finger statt der fein vorgeschnittenen Papp-Stücke aneinander. Sie haben Glitzer in den Haaren und überall (noch Wochen später funkelt es aus der einen oder anderen Ecke als wäre das ganze Jahr über Weihnachten) – und trotzdem: Die lieben das. Deshalb mag ichs auch. Ganz einfach.  

5. Wir sind Motivation 
Nur weil ichs nicht kann, beleidigt aufgeben? Nein. Das wäre ein schlechtes Vorbild. Selbst wenn das Kind sagt, «Mama, komm, du brauchst eine Pause, wir machen später weiter» (ich arbeite noch schwer an Punkt 3, wenns ums Basteln geht), dann ist aufgeben nie eine Option. Das wäre eine total falsche Message.  

Und deshalb stehe ich jedes Jahr mit meinen Laternen (ok, sind ja im Kern die der Kinder, aber hey, ich habe auch daran geschnippelt!) am Räbeliechtliumzug. Jedes Jahr rege ich mich darüber auf, dass ich wieder diese Reben zu schnitzen habe und im Nachhinein wars dann doch irgendwie nett. Nur eines muss ich mir fürs nächste Jahr abgewöhnen: Den Räbeliechtli-Direkt-Vergleich. Das ist dann wirklich Next-Level.  

Von Bettina Bendiner am 11.11.2019
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