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Grosser Crash-Test zeigt

So gefährlich ist der Kindertransport mit dem Velo

Gesund, praktisch, unkompliziert: Viele Familien sind mit dem Velo im Strassenverkehr unterwegs. Doch Transportsysteme wie Kindersitz, Lastenrad oder Fahrradanhänger weisen im Crash-Test des ADAC Schwachstellen auf.

Vater transportiert Kinder im Lastenrad

Ein echter Trend: Kinder im Lastenrad zu transportieren, hat viele Vorteile – birgt jedoch auch Risiken.

Getty Images/Westend61

Wie sicher sind eigentlich Lastenrad, Velositz und Fahrradanhänger für Kinder? Europas grösster Verkehrsclub, der ADAC, hat alle drei Systeme einem Crash-Test unterzogen, um zu testen, was passiert, wenn es bei geringer Geschwindigkeit (30 km/h) zu einem Zusammenprall mit einem Auto kommt. Dabei stellte der ADAC bei allen drei Systemen Sicherheitsmängel fest.

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So sorge der Fünf-Punkte-Gurt im klassischen Fahrradanhänger zwar für Sicherheit, die niedrige Sitzhöhe könne Kindern jedoch zum Verhängnis werden. Im Lastenrad biete die Transportbox zwar einen gewissen Aufprallschutz, jedoch kann es im weiteren Verlauf des Unfalls zu Problemen kommen, weil die Gurte nicht besonders gut halten. «Die Kinder sind nicht mehr gut gesichert und sie sitzen auch relativ hoch», so ADAC-Experte Markus Sippl. «Bei dem Lastenfahrrad, wo die Kinder hinter dem Fahrer sitzen, da sitzen die Kinder ordentlich in einem Kindersitz mit Gurten. Das ist okay. Natürlich fehlt ihnen der Schutz durch diese Transportbox. Und sie sitzen auch relativ hoch, sodass auch hier im weiteren Verlauf unter Umständen noch Verletzungen auftreten könnten.»

Der ADAC sieht Verbesserungspotential

Auf mögliches Verbesserungspotential angesprochen, erklärt Sippl gegenüber dem «Spiegel»: «Die Hersteller der Systeme sollten auf jeden Fall die Gurte und Rückhaltesysteme deutlich verbessern. Diese waren oft einfach. Manchmal haben sie auch komplett gefehlt. Vernünftige, stabile Gurtensysteme müssen zum Standardumfang gehören. Bei den Transportboxen, da sollte es keine scharfen Kanten geben und keine herausstehenden Bolzen und Schrauben.»

Als «gefährlich» stuft der ADAC keines der Transportsysteme ein

Im Interview erklärt Sippl auch, dass trotz ernüchternder Ergebnisse nach dem Crash-Test keine der drei getesteten Transportmöglichkeiten als «gefährlich» eingestuft würden. Der Versuch habe eine Extremsituation gezeigt, die selten eintreffe. Eltern können mit der richtigen Ausrüstung und umsichtigem Verhalten grossen Einfluss auf das Risiko nehmen, das sie beim Transport ihrer Kinder mit dem Fahrrad eingehen. 

Folgende Massnahmen minimieren das Risiko von Unfällen oder schweren Unfallfolgen:

  • Kinder tragen auch im Anhänger, auf dem Velositz oder im Lastenrad immer einen Helm
  • Gurte immer benutzen. Falls kein Gurtsystem vorhanden ist, vor dem Ersttransport der Kinder eines montieren
  • Vorausschauend und umsichtig fahren
  • Markieren des Anhängers, des Sitzes oder der Lastenkiste durch einen langen Wimpel, der Autos zum Abstandhalten bewegt
  • Sichtbar sein: Farbige, leuchtende oder reflektierende Kleidung tragen und den Anhänger / die Lastenkiste mit Licht ausstatten
  • Bremssystem überdenken. Mit Anhänger / Lastenkiste braucht es leistungsfähigere Bremsen, denn eine grössere Last muss zum Stillstand gebracht werden
  • Ein stabiler Überrollbügel stützt Kinder im Fall eines Überschlags
  • Das Material / Fahrrad erst testen, bevor man es kauft. So kann man für sich herausfinden, ob die Handhabung des Transportsystems für die individuellen Ansprüche passt
  • Fachliche Beratung in Anspruch nehmen. Nicht alle Anhänger eignen sich für jedes Gelände

So sieht die Situation in der Schweiz aus

Wie aber sieht das Ganze in der Schweiz aus? Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU sagt klar: Der Veloanhänger ist die sicherste Variante, um ein Kind mit dem Fahrrad zu transportieren. In der Broschüre «Kindertransport mit dem Fahrrad – sicher unterwegs mit kleinen Passagieren» ist alles Wissenswerte zur Sicherheit sowie weitere Informationen zum erfolgreichen Transport mit dem Velo nachzulesen.

Von KMY am 30.08.2021
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