1. Home
  2. Family
  3. Alltag
  4. Kinderarzt Remo Largo sagt wie sich Kinder optimal entfalten können

Kinderarzt und Forscher Remo Largo gibt Tipps

So können sich eure Kinder optimal entfalten

Vielleicht habt auch ihr die Bücher «Babyjahre» und «Kinderjahre» von Remo Largo gelesen. In einem Interview verrät der Kinderarzt und Entwicklungsforscher nun die zwei wichtigsten Dinge, die wir unseren Kindern ermöglichen sollten.

Placeholder

Mehr Freiraum statt Frühförderung, empfiehlt Kinderarzt und Entwicklungsforscher Remo Largo.

Getty Images

Remo Largo, 76, der fast drei Jahrzehnte lang die Abteilung für Wachstum und Entwicklung am Kinderspital Zürich leitete, macht sich Sorgen um die heutigen Kinder. In der SRF3-Gesprächssendung Focus sagt er, was in der Schule falsch läuft, was die Probleme an Wunschkindern und modernen Kleinfamilien sind, und warum die Schweiz in Sachen Elternurlaub «peinlich» und «ein Entwicklungsland» ist. Und er verrät, welche zwei Dinge – nebst Liebe und Geborgenheit – besonders wichtig sind für unsere Kinder.

«Ein Kind sollte mehrere Stunden pro Tag mit Gleichaltrigen zusammen sein.»

Remo Largo
Mehr für dich

Kinder brauchen Gspändli

In der Radiosendung betont der Entwicklungsforscher immer wieder, wie wichtig für Kinder andere Kinder sind. «In den vergangenen 300'000 Jahren sind Kinder mit anderen Kindern aufgewachsen, das ist in uns drin.» Doch in unserer heutigen Gesellschaft mit den typischen Kleinfamilien fehle dieser Kontakt in hohem Masse. «Wenn man zwei Fünfjährige vergleicht, von denen eins in die Krippe ging und eins in einer Kleinfamilie betreut wurde, ist das Krippenkind sozial und sprachlich viel kompetenter.»

Remo Largo empfiehlt: «Ein Kind sollte mehrere Stunden pro Tag mit Gleichaltrigen zusammen sein. So lernt es zu sprechen, sich in andere Kinder einzufühlen, sich anzupassen, mit Konflikten umzugehen, Beziehungen und Freundschaften zu schliessen.»

«Als ich ein Bub war, hat niemand geschaut, was ich mache, bis ich abends um 18 Uhr wieder heimkam.»

Remo Largo

Freiraum statt Frühförderung

Diese gemeinsame Zeit mit ihren Gspändli sollten die Kinder möglichst selbstbestimmt gestalten können. Hier sind wir beim nächsten Problem, wie Remo Largo sagt: «Die Freizeit ist ja bei vielen Kindern durchgeplant: mit Fussballverein, Ballett, Judo – und dort sagen wie in der Schule Erwachsene, was die Kinder zu tun haben.»

Er selber sei als Bub am Mittwoch nach dem Mittagessen mit anderen Kindern nach draussen gegangen und habe den ganzen Nachmittag im Wald verbracht, sagt Remo Largo. «Niemand hat geschaut, was ich mache, bis ich abends um 18 Uhr wieder heimkam.»

Bevor wir also unsere Kinder für ein weiteres fixes Programm in einem Verein oder ein anderes Angebot, das es fördern soll, anmelden, denken wir an den Entwicklungsforscher und jahrzehntelang tätigen Kinderarzt – und verzichten darauf. Lassen wir die Kinder stattdessen mit Freunden abmachen. Das bedingt zwar manchmal etwas mehr Zeit zum Organisieren. Aber offenbar ist sie gut investiert.

Von Christa Hürlimann am 05.02.2020
Mehr für dich