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  4. Oberste Schweizer Bildungsdirektorin Silvia Steiner spricht über Corona-Notfallplan für die Schulen

Bildungsdirektorin Silvia Steiner klärt auf

So sieht der Corona-Notfallplan für die Schule aus

Schulstart nach den grossen Ferien und wieder steigende Anzahlen von Corona-Infektionen – droht eine erneute Schulschliessung? Die oberste Schweizer Bildungsdirektorin Silvia Steiner nimmt in einem Radiointerview Stellung zu dieser Frage.

Schuljunge vor geschlossener Türe

Schule geschlossen: Dieser Fall könnte bei stark steigenden Corona-Infektionszahlen auch in der Schweiz wieder eintreten – aber möglichst nur noch lokal, wie Silvia Steiner sagt.

Getty Images/EyeEm

In vielen Kantonen ging die Schule vergangene Woche wieder los, gestern packten weitere Schulkinder ihren Thek nach den grossen Sommerferien. Und wenn man daran denkt, dass viele von ihnen in den Ferien mit ihren Familien verreist sind, vielleicht auch in sogenannte Risikoländer mit hohen Corona-Ansteckungsraten, wird einem etwas flau im Magen: Was, wenn es nicht alle so genau genommen haben mit der rechtzeitigen Rückkehr nach Hause? Wer aus einem Staat oder Gebiet mit hohem Infektionsrisiko in die Schweiz einreist, wäre ja verpflichtet, sich zehn Tage in Quarantäne zu begeben. Die Liste der Länder mit einem hohen Infektionsrisiko ist auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit zu sehen.

Auch Silvia Steiner, Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der
kantonalen Erziehungsdirektoren, ist besorgt über die steigenden Fallzahlen in der Schweiz, wie sie gestern in der SRF3-Gesprächssendung Focus erzählt: «Ich bin gespannt, wie es aussieht, wenn die Schülerinnen und Schüler nun zurückkehren.»

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Lehrpersonen sind keine Quarantäne-Polizisten – aber …

Im Kanton Zürich wollen sich die Behörden nicht auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger verlassen, sondern besorgen sich die Daten aller Passagiere, die aus einem Risikoland zurückflogen, gleich selbst am Flughafen Zürich, wie kürzlich bekannt wurde. Und auch die Lehrpersonen dürften einschreiten, falls sie von einem Kind erfahren, das in den Ferien noch bis zuletzt in einem Risikoland war, wie Silvia Steiner in dem Radiointerview sagt: «Die Lehrerinnen und Lehrer sind nicht die Quarantäne-Polizei. Ich will nicht, dass sie die Verantwortung übernehmen müssen herauszufinden, ob ihre Schüler in einem Risikoland waren oder nicht», sagt sie. «Aber wenn sie es wissen oder die Kinder es ihnen sagen, dürfen sie das Gespräch mit den Eltern suchen und das Kind auch heimschicken.»

Es sei eine schwierige Situation für alle Lehrpersonen: «Sie haben ein Vertrauensverhältnis zum einzelnen Kind und dessen Familie, tragen aber auch die Verantwortung für die anderen Kinder.» 

Silvia Steiner, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK und Vorsteherin der Bildungsdirektion des Kantons Zürich

Auch die oberste Schweizer Bildungsdirektorin Silvia Steiner ist besorgt über die aktuellen Corona-Infektionszahlen in der Schweiz.

ZVG

Täglich neue Pläne für die Corona-Notfallsituation

Einen Notfallplan für das Horrorszenario, dass die Corona-Infektionszahlen plötzlich wieder dramatisch ansteigen, gibts schon lange, wie Silvia Steiner sagt: «Die Optionen dafür werden täglich neu geprüft.» Und sie verrät die momentane Strategie: «Wir wollen auf lokale Ereignisse reagieren.» Heisst im Klartext: «Falls im Schulhaus X fünf oder zehn Kinder und zwei Lehrkräfte erkranken, würde man dieses Schulhaus oder die betroffenen Klassen schliessen», erklärt Silvia Steiner. «Wir würden uns den einzelnen Fall sehr genau anschauen, anstatt alle Schulen im betroffenen Kanton zu schliessen.»

Das sei auch der Grund, warum sie vom Bundesrat gefordert habe, dass die Kompetenz zu den Kantonen zurückkomme, weil diese auf lokale Ereignisse reagieren könnten. Und auf die Frage von Moderator Dominic Dillier, ob das föderalistische System nicht alles einfach viel komplizierter mache, sagt Steiner, das System biete viel mehr Ressourcen an der Basis. «Wir haben keinen föderalistischen Flickenteppich, sondern einen Virus-Flickenteppich: In Appenzell Ausserrhoden etwa gibt es seit Monaten keinen einzigen positiv getesteten und gemeldeten Fall – weshalb also sollte dieser Kanton seine Schulen schliessen? Das sähe dort niemand ein.»

Das ganze «Focus»-Gespräch von Dominic Dillier mit Silvia Steiner hört ihr hier.

Von Christa Hürlimann am 18.08.2020
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