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Corona-Pandemie

Wie bringt man Teenager bloss zu Social Distancing?

Social Distancing ist das Schlagwort der Stunde im Kampf gegen das Coronavirus. Nur, wie bringt man Teenager dazu, das auch einzuhalten? Mit viel Geduld und als Vorbild, schreibt Family-Redaktorin Maria Ryser.

Young teenage hipsters spending their leisure time on a rooftop of a building overlooking the street.

Zwei Meter Abstand und kein Gimme-five mehr ist für Teenager eine Herausforderung.

Getty Images
Maria Ryser
Maria Ryser

Journalistin und Mutter einer erwachsenen Tochter und zweier Söhne.

Die jüngsten Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit sind klar: Ältere und geschwächte Menschen sollen möglichst zu Hause bleiben. Für den Rest gilt Social Distancing – also mindestens zwei Meter Abstand zum nächsten Mitmenschen.

Ob beim Einkauf, auf der Parkbank oder im Bus: Abstand verlangsamt die Ausbreitung der Covid-19-Epidemie und rettet am Ende Leben. So weit, so verständlich – und auch vernünftig.

Nur gehören Vernunft und Verständnis wohl zum Allerletzten in der Prioritätenliste eines Jugendlichen. Die Teeny-DNA sagt mit Vorliebe Nein zu sämtlichem Erwachsenenkram. Wie dringt man also durch diesen bockigen Berg?

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1. Teenys bestechen?

Es tönt verlockend, bringt letzten Endes aber herzlich wenig: Teenys bestechen. Im Stil von: «Wenn du bis 18 nicht rauchst, bekommst du 5000 Franken.»

Analog zu einer Epidemie wäre das: «Wenn du die nächsten Monate brav in Heimquarantäne bleibst, dann bekommst du...». Ihr könnts probieren. Doch Hand aufs Herz: Wollt ihr solche Menschen heranerziehen...? Eben.

2. Geduldig sein und am Thema dranbleiben

Folgender Ansatz führt ebenfalls in eine Sackgasse: «Du bleibst ab sofort zu Hause und triffst dich nicht mehr mit deinen Kollegen, hast du verstanden?» Verbote bringen nichts, im Gegenteil: Teenys finden immer einen Weg, um Verbote zu brechen.

Das einzige, was sie bewirken: Sie verhärten die Fronten und erschweren das gegenseitige Vertrauen. Doch keine Angst, es gibt einen Weg. Der heisst, geduldig bleiben. Bei mir hat sich folgende Szene abgespielt: 

Ich: «Hör mal, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, solltet ihr ab sofort Abstand halten zu einander. Also keine grossen Gruppen mehr und kein Gimme-five. Geht das?»

Sohn, 15: «So ein Blödsinn. Das machen wir sicher nicht. Das Virus ist mir scheissegal. Das macht uns schliesslich nichts.»

Ich (denk so: Himmel, schenk mir den Zürisee voller Geduld!) und laut: «Hm, findest du das nicht total egoistisch? Es geht ja nicht nur um dich. Du könntest als Virusträger schwächere Menschen anstecken, die daran sterben.»

Sohn: «Dann sollen die alle zu Hause bleiben.»

Ich (denk so: Okay, das bringt jetzt im Moment nichts, da weiterzubohren. Ich lass es mal wirken und bleibe dran. Ich weiss, mein Sohn hat eigentlich eine sehr starke soziale Ader. Weiss der Geier, was ihn heute gerade juckt...) und laut: «Denk doch bis morgen mal darüber nach und besprich es mit deinen Kollegen.»

Zwei Tage später. Mein Sohn klagt plötzlich über Halsschmerzen.

Er: «Mist, ich habe Halschmerzen. Ob das jetzt Corona ist?»

Ich: «Hm, schwierig zu sagen. Fieber hast du ja keines. Husten auch nicht.»

Er: «Ja, trotzdem. Also ich gehe heute nicht raus. Wenn man es plötzlich selbst hat, fühlt es sich doch ziemlich beschissen an.»

Ich (denk so): Na, geht doch.

Offenbar muss Neues für Teenager irgendwie greifbar sein und nicht einfach ein abstraktes Verbot. Und sie brauchen Zeit, um neue Verhaltensweisen, die nicht ihrem Naturell entsprechen, in ihr Bewusstsein sickern zu lassen.

Klar, es gibt sie immer, die komplett Uneinsichtigen, die sich hartnäckig querstellen (auch bei den Erwachsenen). Da soll es auch kein Pardon geben. Schliesslich spielt der Faktor Zeit bei einer Epidemie eine Schlüsselrolle.

Doch lieber zwei Tage warten und unsere Jungen verstehen den Ernst der Lage, als fünf Tage meckern und sie in die Verweigerung drängen, oder nicht?

Teenager Knaben Schlafzimmer gamen

Teenager dafür sensibilisieren, dass sie auf Distanz gehen sollen, braucht Zeit und Geduld.

Getty Images

3. Ein Vorbild sein

Wir verlangen von unseren Jungen oftmals Dinge, an die wir uns selbst überhaupt nicht halten. Hamstereinkäufe machen und dann doch mit dem Clan auf der Stadtwiese apérölen – wie sollen Jugendliche ihre Eltern da Ernst nehmen?

Dabei geht es nicht darum, als Biedermeier mit erhobenem Zeigefinger die Jungen zu belehren. Für Heucheleien haben Teenys ohnehin ein absolut unverfängliches Sensorium. Doch wir sollten ihnen aufzeigen, was solidarisch leben in Corona-Zeiten für unsere Gesellschaft bedeutet.

Nämlich, die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) einhalten, also höflich gebührend Abstand nehmen zu unseren Mitmenschen und dabei empathisch und locker bleiben. Einander zuhören.

Fragen, ob die ältere Nachbarin etwas braucht. Eine herzige Anekdote erzählen, um die Angst in den Augen des Gegenübers zu verscheuchen. Sich über den Gartenzaun zuzwinkern. Ein Lied teilen. Gemeinsam lachen. Solche Sachen. Die dringen garantiert durch den bockigsten Teeny-Berg. Versprochen.

Von Maria Ryser am 20.03.2020
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