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  4. Hautkrebsalarm: Darum solltet ihr euch im Garten gut vor Sonne

Der Sommer kommt bestimmt

Wie man Hautkrebs bei Kindern vorbeugt

Juhui, die Freibäder eröffnen gerade ihre Türen, und die Temperaturen steigen auch langsam an! Was ihr unbedingt in die Badetasche packen müsst, um euch und eure Liebsten vor der Sonne zu schützen, erklärt uns die Expertin.

maedchen und papa cremen sich vor dem sonnenbad ein

Nicht nur am Strand wichtig: Schmiert eure Kinder auch für die Schule oder das Spielen daheim im Garten mit Sonnencreme ein.

Getty Images

Badehosen, Luftmatratze und Picknickbox fürs Vergnügen, Sonnencreme, Kleidung, Hut und Brille zum Schutz: Bevor der Badespass losgehen kann, müssen kleine und grosse Badenixen gut auf die Sonne vorbereitet werden. Das ist mit kleinen Zappelphilippen manchmal mühsam, aber absolut unerlässlich. Denn ein Teil der Sonnenstrahlung sind UV-Strahlen. Sie können – ohne dass wir dabei ein Hitzegefühl verspüren – in die Zellen der Augen und Haut eindringen und deren Erbgut beschädigen. Und so längerfristig zu Hautkrebs und Krebs in den Augen führen, wie auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit www.bag.admin.ch zu lesen ist. Besonders gefährlich sind Sonnenbrände in der Kindheit. Wer sich und seine Kinder aber konsequent vor UV-Strahlung schützt, kann der gefürchteten Krankheit wirksam vorbeugen.

Auch wenn man zu den Glücklichen gehört, die den Schattenplatz unter dem grössten Baum in der Badi ergattert haben, sind zusätzliche Schutzmassnahmen nötig. Besonders über den Mittag: Fast zwei Drittel der täglichen UV-Strahlung treffen zwischen 11 und 15 Uhr auf die Erdoberfläche. «Auch im Schatten gibt es UV-Strahlung, sie ist dort bloss weniger intensiv», sagt Dr. med. Anita Niederer-Loher, Oberärztin mbF Infektiologie/ Spitalhygiene am Ostschweizer Kinderspital und Kantonsspital St. Gallen. Für kleine Babys unter sechs Monaten empfiehlt sie, diese mit leichter, langärmeliger Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille zu schützen und in den Schatten zu legen – für alle anderen gilt bei unbedeckten Körperstellen: Cremen, cremen, cremen. Kleinkinder unter einem Jahr brauchen eine Sonnencreme mit physikalischem Filter. «Diese bildet eine Schicht auf der Haut, jene mit chemischem Filter entfalten ihre Wirkung in der Haut drin.» Die wichtigsten Tipps fürs Spielen an der Sonne ohne gefährliche Nebenwirkungen lest ihr in der Liste weiter unten.

Was bedeutet der Lichtschutzfaktor?

Der Lichtschutzfaktor (LSF) oder auf Englisch Sun Protection Factor (SPF) gibt an, wie viel Mal mehr UVB-Strahlung es braucht, um bei geschützter Haut im Vergleich zu ungeschützter Haut eine Hautrötung zu erzeugen. Bei korrekt aufgetragener Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor 25 dringt also theoretisch nur 1⁄25 der UVB-Strahlung auf die Haut, bei einem LSF 50 rund 1⁄50. Neben der UVB-Strahlung ist auch die UVA-Strahlung für die Entstehung von Hautkrebs mitverantwortlich. Der UVA-Schutzfaktor des Sonnenschutzmittels sollte deshalb mindestens ein Drittel des Licht­schutzfaktors betragen. Alle Produkte im Handel, die diesem Qualitätsstandard entsprechen, sind mit dem UVA-Label gekennzeichnet. 

http://assets.krebsliga.ch/downloads/1320.pdf

Vitamin-D-Tropfen auch im Sommer geben

Immer wieder ist zu lesen, zu viel Sonnenschutz könnte einen Mangel an Vitamin D bewirken. «Hier haben wir tatsächlich ein gewisses Dilemma», sagt Dr. med. Anita Niederer. Wir brauchen nämlich Sonnenlicht, weil es den Prozess im Körper aktiviert, der Vitamin D produziert. Dieses benötigen wir für einen gesunden Knochenaufbau. Dennoch stellt die Expertin die Sonnenbrand-Prävention in den Vordergrund, um Hautkrebs möglichst zu verhindern. «Wer die Tipps unten befolgt, ist auf der sicheren Seite. Vitamin D nehmen wir auch über die Nahrung auf. Und weil wir bei uns in der Schweiz ohnehin weniger Sonne abbekommen als in anderen Regionen der Welt, sollen alle Kinder bis drei Jahre zusätzlich Vitamin-D-Tropfen bekommen.»

Die wichtigsten Tipps zum Schutz vor UV-Strahlung

  • Der direkten Sonneneinstrahlung möglichst aus dem Weg gehen: Besonders während der Mittagsstunden (11–15 Uhr) Schatten aufsuchen.
  • Vor allem Kinder möglichst grossflächig mit leichter Kleidung bedecken. Dunkle Kleidung schützt besser als weisse, und Achtung: Nasse Kleidung schützt fast nicht!
  • Eventuell Kleider mit «eingebautem» Sonnenschutz kaufen.
  • Sonnenbrille und Hut sind Pflicht.
  • Sonnenschutzmittel mit mindestens Sonnenschutzfaktor 30 wählen. Der UVA-Schutz sollte mindestens ein Drittel des SPF betragen. Entsprechende Produkte sind mit dem UVA-Signet versehen.
  • Sonnenschutzmittel in genügender Menge und genügend oft anwenden, etwa alle zwei bis drei Stunden, insbesondere nach dem Baden oder beim Spielen im Sand (wegen starkem Abrieb).
  • Für Kinder im ersten Lebensjahr Sonnencreme mit physikalischen Filtern verwenden.
  • Bei Babys bis im Alter von sechs Monaten direkte Sonneneinstrahlung meiden.

Auch im Garten und auf der Bergtour

Wichtig: diese Tipps gelten für jeden Aufenthalt im Freien, nicht nur für einen Tag in der Badi oder am Strand. Wer übrigens denkt, auf einer Wandertour an der frischen Bergluft sei die Gefahr eines Sonnenbrands nicht so gross, täuscht sich: Je höher der Berg, desto höher die UV-Strahlung! Pro 1000 Höhenmeter nimmt die Intensität der UV-Strahlen sogar um ungefähr 10 Prozent zu.

Eine tolle Alternative zum Badeplausch ist hingegen zwischendurch mal ein Tag im Wald: Der ist nicht so überlaufen, kostet nichts und bietet jede Menge Schattenplatz. Und mit etwas Glück auch einen Bach zum Planschen.

Eine super Infobroschüre zum Thema UV-Strahlen, Sonnenschutz und Hautuntersuchung gibts von der Krebsliga: http://assets.krebsliga.ch/downloads/1320.pdf

Von Christa Hürlimann am 5. Mai 2019