1. Home
  2. Family
  3. Familien-Geschichten
  4. Franz Hohler im Interview über Klimaschutz, Enkelkinder und sein neues Kindertheater Cengalo

Klimaschutz gescheitert?

Franz Hohler bangt um die Zukunft seiner Enkelkinder

Wie mit Greta, Klimajugend und grüner Welle abgesprochen: Autor Franz Hohler, 76, bringt ein Kindertheater auf die Bühne, das den Klimawandel thematisiert und — Spoiler — nicht mit dem Weltuntergang endet. Im Interview verrät der zweifache Grossvater, wieso er auch im echten Leben optimistisch bleibt. Auch wenn er sich um die Zukunft seiner Enkelkinder ernsthafte Sorgen macht.

Placeholder

Er ist zweifacher Grossvater. Und geht hart mit seiner Generation ins Gericht: «Wir haben zu wenig für den Klimaschutz getan», sagt Kult-Autor Franz Hohler.

Joseph Khakshouri

Franz Hohler, in Ihrem neuen Kindertheater bangt ein Gletscherfloh namens Cengalo um sein wegschmelzendes Zuhause. Es wirkt, als hätten Sie das mit der grünen Welle, die durch Greta ausgelöst wurde, abgestimmt.
Ich musste nicht auf Greta warten, um mich mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Die ganze Problematik läuft ja seit Jahren. Gerade mit den Gletschern, um die es in meinem Theater geht. Dass das jetzt mit einer vermehrten Aufmerksamkeit zusammenfällt — auch politisch, wegen der Gletscherinitiative — freut mich. Das heisst, es ist etwas, das thematisch einigermassen aktuell ist.

Wenn nicht sogar schon zu spät.
Ja, die Voraussagen der Glaziologen und Glaziologinnen, mit denen ich gesprochen habe, sind ausserordentlich pessimistisch. Die sagten mir, unsere Gletscher seien nicht mehr zu retten.

Welche Gefühle löst diese Vorhersage bei Ihnen aus?
Es betrübt mich sehr, dass das ewige Eis offenbar doch nicht ewig ist.

Related stories

Verspüren Sie auch Angst?
Ich glaube, dem Planeten Erde kann es egal sein, wenn die Gletscher schmelzen. Uns Menschen hingegen nicht.

Was ist ein Gletscherfloh?

Gletscherflöhe sind kleine schwarze Tiere, die in ihrem Aussehen an Ameisen mit kurzen Beinen erinnern. Die 1.5 bis 2.5 Millimeter grossen Flöhe leben auf Eis- und Schneeflächen in den Alpen. Weil ihr Stoffwechsel eine Art Frostschutzmittel entwickelt, können sie Temperaturen bis 15 °C unter Null aushalten. Steigt die Temperatur über 12 °C, sterben die Tiere.

«Meine zwei Enkelkinder werden sicher mit grossen Herausforderungen konfrontiert sein.»

Franz Hohler, 76, Autor

Sie sind zweifacher Grossvater. Um welche Aspekte der Zukunft Ihrer Enkelkinder sorgen Sie sich?
Ich denke, dass meine Enkelkinder mit knapper werdenden Ressourcen leben müssen. Einerseits steuern wir mit der Gletscherschmelze auf eine Wasserknappheit zu. Das betrifft sowohl das Trinkwasser als auch die Energie. Auch Erdöl wird es nicht unbeschränkt geben. Die Sommer werden heisser und vieles wird nicht mehr selbstverständlich sein.

Welches Szenario schwebt Ihnen vor?
Ich bin Optimist. Meine zwei Enkelkinder werden sicher mit grossen Herausforderungen konfrontiert sein. Und vielleicht oft denken: Früher ging alles einfacher. Aber ich hoffe, wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden, können wir das Schlimmste abwenden.

Was tun Sie dafür?
Ich lebe seit Langem achtsam und nachhaltig. Konsumiere sehr bewusst lokal und ziehe Produkte aus der Nähe jenen aus China vor. Nicht weil ich etwas gegen China hätte, aber ich habe etwas gegen den langen Weg. Ich besitze kein Auto und fliege nur klimakompensiert, wenn der Landweg kaum umsetzbar ist. Etwa, wenn ich die Familie meiner Schwiegertochter in Kenia besuche.

«Ich hoffe, auf den Autobahnen wachsen irgendwann wieder Sonnenblumen.»

Franz Hohler, 76, Autor

Wo klimasündigen Sie?
Kürzlich habe ich eine Liste von 75 Ideen gelesen, mit denen man den Klimawandel stoppen kann. Ich muss sagen, dass ich nur in wenigen Bereichen überrascht wurde. Etwa beim Kaffeekonsum. Seit meine Frau und ich wissen, wie gross die CO2-Spur der gerösteten Bohne ist, trinken wir jeden zweiten Tag Tee statt Kaffee.

Ihr Kindertheater über Cengalo, den Gletscherfloh, endet mit einem Hoffnungsschimmer. Was ist Ihre Hoffnung für die Zukunft Ihrer Enkelkinder?
Dass man in der Technologie neue Wege findet. Vielleicht wird es dereinst möglich sein, mit Passagier-Segel- und Solarschiffen um die Welt zu reisen. Ich male mir auch gerne aus, dass, wenn meine Enkelkinder alt werden, auf den Autobahnen wieder Sonnenblumen wachsen und Nattern und Mäuse leben.

In Ihrer Gletscherfloh-Geschichte nehmen die Kinder eine aktive Rolle ein und die Erwachsenen hören auf sie. Wie erklären Sie sich, dass viele Vertreter Ihrer Generation Mühe damit bekundet, auf die Klimajugend und ihre Anführerin, Greta, zu hören?
Ich werte die Angriffe der Greta-Kritiker aus meiner Generation als Trotzreaktion. Wir haben auf den Gewässerschutz gesetzt und Katalysatoren gefordert. Nun wird uns gesagt, wir hätten zu wenig getan. Das ist hart, aber es stimmt!

Diese Kritiker behaupten auch, ein Einzelner könne gegen die Entwicklung des Klimas nichts ausrichten.
Das ist ein Füdlibürgerargument. Auch wenn sich nicht alles, was ich tue, sichtbar in der Weltbilanz niederschlägt, tragen doch die Aktionen Einzelner dazu bei, dass man bewusster, vorsichtiger und verantwortungsvoller lebt. Deswegen sind auch kleine Handlungen wichtig.

Kindertheater «Cengalo, der Gletscherfloh»

Das Märchen von Franz Hohler für Kinder ab 6 Jahren wird am 15. November im Berner Stadttheater uraufgeführt.

Weitere Vorstellungen: 23. November, 3., 6., 7., 16., 17., 18., 19., 20., 23., 24., 26. Dez 2019 und 2. Jan 2020.

Von Sylvie Kempa am 14.11.2019
Related stories