Der Prozess um Marius Borg Høiby (29) erschüttert die Monarchie von Norwegen in ihren Grundwerten. Dabei ist der Sohn aus einer früheren Beziehung von Kronprinzessin Mette-Marit (52) nicht einmal Mitglied des Königshauses. Trotzdem fällt sein Schatten auf die Königsfamilie. Vor allem Mette-Marit steht im Fokus der Öffentlichkeit, obwohl sie sich aktuell aus eben dieser zurückgezogen hat. Das, obwohl Mette-Marit mit ihrem Mann, Kronprinz Haakon (52), vor dem Prozessbeginn klargemacht haben: Sie wollen nicht, dass Marius Borg Høiby mit Samthandschuhen angefasst wird. Er soll aber auch nicht vorverurteilt werden.
Das Zweifeln an Kronprinzessin Mette-Marit ist aber durchaus nachvollziehbar. Da wäre ihr Anruf bei einer Ex-Freundin ihres Sohnes, nachdem diese ihn wegen Körperverletzung angezeigt hatte. Oder das Aufräumen, nachdem Marius Borg Høiby festgenommen wurde. Vor allem aber ist da noch eine andere, von Marius Borg Høiby unabhängige Geschichte: Ausgerechnet in dieser sonst schon heiklen Phase der norwegischen Monarchie wurde auch noch publik, dass Kronprinzessin Mette-Marit mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Kontakt hatte. «Es ist einfach peinlich», meinte sie selbst dazu. Und was meinen die Norwegerinnen und Norweger?
Nur noch 32,5 Prozent für Königin Mette-Marit
Noch scheint die Monarchie nicht in Gefahr. Erst vor wenigen Tagen stimmte das norwegische Parlament ab und sprach sich mit 141 zu 26 Stimmen für die Monarchie aus. Im Volk aber brodelt es: Nach dem Wochenende, an dem Mette-Marits Verbindung zu Jeffrey Epstein publik wurde, liess das norwegische Magazin «Verdens Gang» eine Umfrage durchführen. Dabei waren zwar weiterhin fast 61 Prozent für die Monarchie – im Jahr zuvor aber waren es noch 72 Prozent. Ein Rückgang um 11 Prozentpunkte, der aufhorchen lässt. Über 27 Prozent sprechen sich inzwischen für eine Republik aus.
Von den 1030 befragten Personen wollte man zudem wissen, ob Kronprinzessin Mette-Marit weiterhin Königin von Norwegen werden soll. 32,5 Prozent der Befragten hielten zu ihrer Kronprinzessin. 44 Prozent sprachen sich gegen Mette-Marit als zukünftige Königin aus.

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Kronprinzessin Mette-Marit bei ihrer Hochzeit mit Kronprinz Haakon (rechts) im Jahr 2001. Auf ihrem Arm Marius Borg Høiby, links von ihr König Harald.
UK Press via Getty ImagesKann Kronprinz Haakon noch König werden?
Die schwindende Zustimmung für Kronprinzessin Mette-Marit stellt die norwegische Monarchie vor ein echtes Problem: Der äusserst beliebte König Harald wird in wenigen Tagen 89 Jahre alt. Nach gesundheitlichen Problemen erhielt er vor zwei Jahren einen Herzschrittmacher, seit einiger Zeit stützt er sich auf Gehhilfen. Ein Rücktritt kommt für ihn trotzdem nicht infrage – «ein König ist entweder gesund oder tot», so sein Credo. Und was, wenn Letzteres eintritt?
Dann würde ihm sein Sohn Haakon auf den Thron folgen. Seit 35 Jahren Kronprinz ist er gut auf seine Rolle vorbereitet und geniesst auch in der Bevölkerung Rückhalt. Nur: Was wird aus Mette-Marit? An Haakons Seite würde sie zur Königin, wenn auch vor allem mit repräsentativen Aufgaben. Unklar ist, wie sehr sie diese Aufgabe im Hinblick auf ihre gesundheitlichen Probleme wahrnehmen kann: Die dreifache Mutter leidet an Lungenfibrose, eine Lungentransplantation steht bevor. Und die zweite Frage ist: Geht das norwegische Königshaus mit einer Königin Mette-Marit das Risiko ein, an Unterstützung zu verlieren?
Alle Augen auf Prinzessin Ingrid Alexandra
Vor diesem Hintergrund sind die Augen der Öffentlichkeit längst auch in eine andere Richtung gewandert – hin zu Prinzessin Ingrid Alexandra. Die älteste Tochter von Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit feierte im Januar ihren 22. Geburtstag und steht hinter ihrem Vater an zweiter Stelle der Thronfolge. Und gleich wie ihr Vater erfreut sich auch Ingrid Alexandra grosser Beliebtheit in Norwegen.
Noch steckt Prinzessin Ingrid Alexandra inmitten ihrer Ausbildung: 2023 schloss sie ihre Schulausbildung ab und arbeitete anschliessend einige Monate als Schulassistentin und Umwelthelferin. Ab 2024 war sie 15 Monate im Militär – schliesslich wird sie als Königin eines Tages Oberbefehlshaberin der norwegischen Streitkräfte sein.

Ingrid Alexandra liess sich 15 Monate im norwegischen Militär ausbilden.
imago/NTB ROYSeit letztem August weilt sie nun in Sydney, studiert weit weg von der Heimat Sozialwissenschaften. «Ich fühle mich als Studentin frei, ich habe definitiv das Gefühl, dass ich ich selbst sein kann», erzählte sie im November. Sie habe zwar auch Paparazzi erlebt, «und es gab einige Situationen, die vielleicht etwas unangenehm waren, aber zum Glück hat sich das mit der Zeit deutlich beruhigt».
Ganz vergessen hat sie Norwegen und ihre offizielle Rolle trotzdem nicht. Während der Semesterferien kehrte sie zurück, war unter anderem bei der Nobelpreis-Verleihung dabei oder absolvierte einen Feuerwehr-Einsatz zusammen mit ihrem Bruder Prinz Sverre Magnus. Ende Januar schliesslich ging sie erstmals allein auf eine royale Reise. Sie besuchte für drei Tage die norwegische Provinz Finnmark und zeigte, dass sie den Tanz auf dem royalen Glatteis durchaus beherrscht.
Könnte sie also die Lösung sein, die Rettung der norwegischen Monarchie, indem Kronprinz Haakon und damit auch Kronprinzessin Mette-Marit einfach übergangen werden und direkt Ingrid Alexandra den norwegischen Thron besteigt? Möglich wäre es – aber nur, wenn es die Royals selbst möchten. Denn ein «Amtsenthebungsverfahren» für einen König ist der norwegischen Verfassung nicht vorgesehen. Im Falle des Todes von König Harald müsste Kronprinz Haakon also von sich aus auf den Thron verzichten und Ingrid Alexandra würde automatisch Königin.
Wie realistisch dieses Szenario ist? Schwierig zu sagen – und wohl auch abhängig davon, wie sich die Situation um Mette-Marit weiterentwickelt. Diese hat sich inzwischen offiziell entschuldigt – «Ich bedauere die Situation, in die ich das Königshaus gebracht habe, insbesondere den König und die Königin», so die Kronprinzessin in einem offiziellen Statement am Freitag. Die Kronprinzessin wolle über das Geschehene berichten und sich ausführlicher dazu äussern, das sei ihr derzeit aber nicht möglich, schreibt der norwegische Hof weiter. Sie befinde sich in einer sehr schwierigen Situation und hoffe auf Verständnis dafür, dass sie Zeit brauche. Man darf also gespannt sein.
