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Romina weiss Rat

Gefährliche Schulwege: So machtlos sind Eltern

Gefährliche Schulwege, fehlende Fussgängerstreifen und dringend nötige Signaltafeln – Eltern legen sich deswegen zunehmend mit den Behörden an. Familien-Expertin Romina Brunner rät Betroffenen, nicht zu viel Energie zu verschwenden. Ausser Ärger bringt es oft nicht viel, findet sie. Auch dann nicht, wenn die Eltern im Recht sind.

Schulweg

Der Schulweg ist ein wichtiges Lernfeld für Kinder. Deswegen sollten sie ihn auch alleine gehen können. Aber was tun, wenn der Schulweg nicht dem Alter entspricht? Diese Frage quält viele Eltern.

plainpicture/Antje Solveig
Romina Brunner
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Meine Tochter ist seit dem Sommer im Kindergarten. Dort gefällt es ihr gut. Ein Ärgernis ist allerdings der Kindergartenweg von knapp einem Kilometer Länge, der sehr gefährlich ist. Doch die Gemeinde blockt meine Einwände ab. Ihrer Meinung nach ist die Strecke sicher genug. Hast du mir einen Rat? Was kann ich gegen sture Behördenmitarbeiter tun? — Sabine

Liebe Sabine

Geschichten über scheinbar unzumutbare Kindergarten- und Schulwege, taube Beamtenohren und fragwürdige Behördenentscheide werden mir grad von allen Seiten zugetragen. Die eine Familie beklagt sich über den fehlenden Fussgängerstreifen, andere über zu dichte Büsche, dunkle Ecken und fehlende Signaltafeln. Die Klagen haben eines gemeinsam: Überall wiehert der Amtsschimmel! Es geht und geht nicht vorwärts. Die Eltern kämpfen gegen Windmühlen. Was bleibt ist der Ärger.

Willkür bei der Einteilung in den Kindergarten

Besonders ärgerlich traf es eine meiner Freundinnen. Ihre Familie wohnt gleich neben dem Kindergarten. Doch zwei ihrer Kinder mussten tatsächlich mit dem Bus ins Nachbardorf, weil sie im dortigen Kindergarten eingeteilt wurden. Welch ein Irrsinn! Unter anderem wegen des nahgelegenen Kindergartens haben meine Freundin und ihr Mann sich entschieden, ein Haus in der Gemeinde zu kaufen. Immerhin: Das jüngste Kind darf nun in den nahegelegenen Kindergarten.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung gibt klare Empfehlungen ab

Nicht besser erging es einer Bekannten aus unserem Nachbarsdorf. Ihre Töchter mussten täglich eine Strecke von 1,3 Kilometern in den Kindergarten zu Fuss zurücklegen, dazu auf dem Rückweg noch Steil den Hang hinauf. An einen erlebnisreichen Schulweg, dessen Bedeutung überall hochgeschrieben wird, war nicht zu denken. Stattdessen erlebten die Mädchen grossen Stress. Sie konnten über Mittag gerade mal ihr Essen herunterschlingen und mussten, wollten sie pünktlich zurück sein für die Nachmittagslektion, gleich wieder los. Liefen sie im Schlepptau ihrer Mutter in schnellen Schritten heim, blieb ihnen immerhin eine Mittagspause von 30 Minuten.

Die Eltern wehrten sich bei der Gemeinde und forderten, dass der Schulbus die beiden abholt  – vergebens. Dabei hält die bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung eine Strecke von 1,3 Kilometern für nicht zumutbar, wie es in ihrer Broschüre heisst.

Die Zuständigen legten der Mutter nahe, ihre Töchter doch für den Mittagstisch anzumelden. Die Folge: Die Mutter, die eigentlich gegen Taxi-Mamis ist, fährt ihre Mädchen nun mit dem Auto hin und zurück.

Eltern sollten sich keine zu grossen Hoffnungen machen

In einem anderen mir bekannten Fall ist die Gemeinde sehr bemüht, dass die Durchmischung an den Schulen stimmt. Das führt dazu, dass die Viertklässler aus der einen Ecke des Dorfes vier Mal täglich eine vielbefahrene Hauptstrasse überqueren müssen. Eben weil sie nicht mehr - wie bis anhin - ins nahe gelegene Schulhaus dürfen.

Liebe Sabine, wie du lesen kannst, bist du mit deinen Sorgen nicht alleine. Mein Rat: Investiere nicht zu viel Energie. Denn die Mühlen der Behörden mahlen langsam. Manchmal zu langsam, wenn es um die Sicherheit der Kinder geht. Die Erfahrung zeigt aber: Sehr oft ist das anfänglich Ärgerliche am Ende gar nicht so schlimm.

Tipps für Eltern mit Schulweg-Ärger

  • Teilt eure Bedenken. Informiert die Gemeinde schriftlich darüber. Hakt zwei, drei Mal nach. Wenn ihr damit nichts erreicht, sucht eine eigene Lösung. Alles andere kostet zu viel Energie.
  • Schliesst euch mit anderen Eltern zusammen. Vielleicht kann jeden Tag ein anderer Elternteil eine ganze Gruppe von Kindern begleiten?
  • Nehmt es sportlich. Gebt euren Kids ein zusätzliches Brötli für den Nachhauseweg mit und lasst sie in ihrem Tempo gehen.
  • Auch wenn ich mich nicht für das Modell «Taxi-Mami» stark machen möchte, gibt es doch Ausnahmen. An Tagen, an denen eure Kinder zwei Mal Kindergarten haben, würde ich sie zumindest ein Stück weit fahren.

Ich wünsche dir gute Nerven und viel Erfolg!

Herzlich, Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 38, hilft, Ordnung zu schaffen. Jeden Mittwoch berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 04.09.2019