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Baum-Biwak in Fribourg

Für kleine Abenteurer: Biwakieren am Baum

Es wackelt und schaukelt. Und fägt! Im Baumhotel Bivouac dans les arbres in Fribourg ist Übernachten ein riesiges Abenteuer. Aber nicht das einzige!

Foto: Karl-Heinz Hug

Waldabenteuerer: Famile Short beim Nachtessen bei ihrem Baum-Biwaks.

Karl-Heinz Hug

Wie bei Tarzan und Jane: im kleinen Wäldchen Glâne bei Massonnens FR hängen 14 gut getarnte Zelte in den Bäumen. Einen Meter über Boden die tiefsten, vier Meter die höchsten. 160 mal 200 Zentimeter gross sind sie: französische Betten im Blätterwald. Die Nummer 14 wackelt und schaukelt. Daraus tönt Kindergekicher, dann die Stimme der Mutter: «Kommt, wir lesen ein Buch über die Tiere im Wald.» Da wirds ruhig, nur der Schein einer Taschenlampe verrät, dass da oben heut Nacht noch jemand anderes haust als Eichhörnchen und Eulen.

Daniela und Dominic Short sind mit ihrer Rasselbande aus Zürich angereist, um ein Wochenende in der Natur zu geniessen. Ihre Schlafsäcke müssen Stella, 7, Sean, 5, und Ronan, 4, vom Parkplatz ein ganzes Stück weit tragen. Nur der 16 Monate alte Jake darf die frei laufenden Gänse jagen – oder eben nicht. «Lass sie in Ruhe, Kleiner. Respekt vor Natur und Tieren ist hier das oberste Gebot», begrüsst Fréd Perritaz seine Gäste.

Florales Paradies

Der gelernte Förster hat das Biwak-Hotel vor zehn Jahren gemeinsam mit seiner Frau Nelly aufgebaut. Auf dem vier Hektaren grossen Stück Land hat er nicht nur eine der ungewöhnlichsten Übernachtungsmöglichkeiten der Schweiz initiiert, sondern auch ein Pflanzenreservat, das seinesgleichen sucht. 300 Baumsorten aus aller Welt stehen hier. 3200 verschiedene Pflanzen insgesamt. Der Blumengarten, das Zuhause von Hunderten Schmetterlingen, überwältigt die Besucher bereits bei der Ankunft mit seinen Farben und Düften. Das florale Paradies der Sinne, das sich dahinter erstreckt, wird die Familie erst am nächsten Morgen entdecken.

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Zaubergarten: 3200 Pflanzen, viele davon Heilkräuter, auf vier Hektar Land gehören zum Hotel.

Karl-Heinz Hug

Jetzt bringen die Kinder ihre Schlafsäcke ins Trockene. Allein das Hochbugsieren über die Sprossenleiter ins Zelt ist ein Abenteuer. «Dass mir keiner runterfällt!», mahnt Mama Daniela ihre wilden Buben. «Macht vorwärts, wir wollen essen!» Das Wetter hat umgeschlagen, dicke Wolken kündigen Regen an. Statt an der offenen Feuerstelle beim Biwak einen Cervelat zu bräteln, reserviert Dominic Short für seine Familie die Cabane, ein kleines Häuschen im Jurten-Stil mit Tischgrill. Den mitgebrachten Champagner stellt er in den Kühlschrank bei der Réception. Er will ihn mit seiner Frau später in Ruhe geniessen.

Wo Kinder vor Glück kreischen

Nach dem Znacht müssen aber erst mal die Zähne geputzt werden. Hier verzichten auch die abenteuerlustigsten Gäste nicht auf Komfort: In bunt besprayten Containern finden sich WC, Dusche und Waschbecken. Wers richtig luxuriös mag, kann sogar vom Biwak auf eine Roulotte umsteigen: zwei liebevoll umgebaute Wohnwagen (mal im afrikanischen Design, mal romantisch mit Cheminée) hat der Patron hergerichtet. «Ursprünglich für 300 Franken gekauft, haben sie jetzt wohl einen Wert von 40'000 Franken.»

Familie Short bevorzugt das Abenteuer. Der gut 200 Meter lange Weg zwischen den Bäumen zurück zum Biwak Nummer 14 liegt bereits im Dunkeln. Stella, Sean und Ronan machen sich auf ein paar Monster gefasst. «Habt ihr das gehört?», fragt Sean und leuchtet mit der Taschenlampe zwischen die Baumstämme. Wie gruselig! Die Kinder kreischen vor Glück über die eigene Furcht!

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Guet Nacht! Das Biwak ist gross wie ein französisches Bett.

Karl-Heinz Hug

Parcours durch den Duftgarten

Die Nacht verläuft ruhig und trocken – zumindest im Inneren der gut verschliessbaren Biwaks. Draussen hats geregnet, und im ersten Sonnenschein duftet der Morgen nach Harz und feuchter Erde. Dominic und Stella machen sich früh auf zum Garten – ohne Schuhe. Sie wollen mit Fréd den zweistündigen Barfuss-Pfad durch die Pflanzenpracht machen. «Die Buben sind noch zu klein dafür, denn es hat auch hochgiftige Gewächse dabei!»

Der Parcours beginnt im Duftgarten. «Das ist Absinth. Streiche mit deinen Händen darüber, als wäre es deine erste Freundin», sagt Fréd zu Dominic. Stella macht es ihrem Papa nach, hält sich die Finger an die Nase und staunt: «Das schmöckt ja nach Coca-Cola!»

Zauberhafte Klänge im Feenhäuschen

Vater und Tochter entdecken auch Kräuter, die nach Plastik riechen, Basilikum, das wie Weihnachten duftet. Dann gehts durch den Hexengarten mit halluzinogenen und medizinischen Kräutern. Magisch wirds im Feenhäuschen, einem natürlichen Pflanzenpavillon, in dem Windspiele für zauberhafte Klänge sorgen.

Zum Schluss landen die Besucher wieder beim Schmetterlingsgarten, der sie mit seinen üppigen Farben und wohltuenden Gerüchen am Vortag empfangen hat. Und Familie Short ist sich einig, dass dieses Wochenende nicht nur abenteuerlicher als bei Tarzan und Jane im Dschungel war, sondern wohl auch ungefähr so schön wie bei Adam und Eva im Garten Eden.

Von Sylvie Kempa am 26. März 2019