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Atelier Zauberfaden in Schongau LU

Nähen? Das geht früher als gedacht!

Fertige Verkleidungen sind im Internet schnell bestellt. Wer sein Fasnachts-Outfit individuell gestalten will, ist im Nähatelier Zauberfaden in Schongau LU gut bedient. Kinder lernen hier, wie mit Nadel und Faden Träume wahr werden. Ganz besonders in der närrischen Zeit.

Desiree Riedweg aus Schongau naeht in ihrem Naehatelier Zauberfaden mit den beiden Kindern Ramona und Elias neue Fasnachtskostueme. 5.+6. Januar 2016 Bild © Remo Naegeli (SI_2017_03 mrd) Familienreportage.

Im Nähatelier Zauberfaden sind Kinder schon mit zehn Jahren willkommene Gäste an der Nähmaschine.

Remo Naegeli

Nähmaschinen haben einen eigenen Geruch. Sie riechen nach Maschinenöl und Baumwolle. Und dieser Geruch scheint eine ähnliche Wirkung zu haben wie der von Lavendel oder Calendula: beruhigend. Im Nähatelier Zauberfaden in Schongau ist es auf jeden Fall mucksmäuschenstill. Ramona, 11, und Elias, 10, sind konzentriert bei der Arbeit, schneiden tropfenförmige Stoffblätze zu. Ramona aus glänzendem Stoff in Gold, Braun und Beigetönen, Elias aus Zottelfabrikat in allen möglichen Farben.

Die beiden lernen in einem Kinder-Nähworkshop, wie man sich ein eigenes Fasnachtsgwändli schneidert. Er wird als Papagei an die Fasnacht gehen, sein Gspändli Ramona als Eule.

Für Elias geht als Papagei ein Traum in Erfüllung

Die Fasnacht hat einen hohen Stellenwert in Schongau. Das Dörfchen liegt im Kanton Luzern, einer der Karnevals-Hochburgen der Schweiz. Der Schmudo, der offizielle Fasnachtsbeginn am 23. Februar, ist den Schongauern heilig. Elias wird dieses Jahr sogar mit seinem Kornett in einem Umzug mitlaufen. Zwar nicht in Luzern, aber sein Gwändli soll trotzdem genauso schön werden wie die von den Guggen, die er dort schon beobachten durfte. Den Ohrwurm «Hello» von Adele werde er vortragen, nicht gerade sein Lieblingslied, gibt Elias mit gerümpfter Nase zu. Aber: «Mein Götti ist in einer Guggemusik. Jetzt nimmt er mich mal mit, das war schon immer ein Traum von mir.»

Nachhaltigkeit wird im Zauberfaden gross geschrieben

Nun sind die Stücke zugeschnitten. Beide Kinder schichten ihre Stoffstapel in ihr Nähkistchen, das Atelier-Inhaberin Desiree Riedweg ihnen zugeteilt hat, um ein grösseres Chaos zu vermeiden. Immerhin sind es 200 Stück, die jedes Kind nun aneinandernähen soll. Jeweils ein Futter- und ein Deckstoff ergeben zusammen eine Feder des Vogelkleids. Schon ists vorbei mit der Ruhe im Zauberfaden. Die Maschinen beginnen zu rattern.

Solche Kinderkurse sind selten. Eigentlich bietet Desiree in ihrem Atelier vor allem Erwachsenenkurse an. Sie ist gelernte Schneiderin und hat den Dachstock im alten Bauernhaus, wo sie auch mit ihrer Familie wohnt, voller Biostoffe. «Als ich selbst Kinder bekam, begann ich die Herstellungsprozesse von Kleidern zu hinterfragen. Ich konnte es nicht verantworten, dass Näherinnen schlecht bezahlt werden und meine Kinder Kleidung tragen, die mit Chemikalien gespritzt wurden. Also begann ich, unsere Kleidung selbst herzustellen.» Ihre Kreationen verkauft sie im eigenen Hofladen und online auf www.zauberfaden.ch. Ihre Stoffe sind GOTS zertifiziert, also nachhaltig und ökologisch fabriziert. Mittlerweile bietet sie ihre Kreationen auch zum Verkauf an.

Nähkurse machen erst für Kinder ab 10 Jahren Sinn

Ein fertiges Fasnachtsgwändli kann man bei ihr allerdings nicht erwerben. Zu gross sei der Aufwand, sagt Desiree. Bis zu vier Kurstage brauche man, um so ein Schmuckstück fertig zu kriegen. Deswegen greift sie Elias und Ramona kräftig unter die Arme. Während die beiden Stoffstücke aneinandernähen, bereitet sie die Trägergewänder vor, damit es danach zügig weitergeht mit dem Aufnähen der Federn.

Desiree weiss gut, wo Ramona und Elias ihre Unterstützung brauchen. Sie hat selbst vier Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. Nähkurse bietet sie erst ab 10 Jahren an. «Für jüngere Kinder macht es einfach keinen Sinn.» Auch weil ihnen die Geduld fehle. Zwei Tage sind Ramona und Elias dran, bis sie endlich in ihre Gwändli schlüpfen können. Mit strahlenden Gesichtern: Der Aufwand hat sich gelohnt, die Fasnacht kann kommen!

Von Sylvie Kempa am 07.03.2019