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Romina weiss Rat

Wie Eltern auf rassistische Inhalte reagieren können

Es lässt sich nicht vermeiden: Obwohl viele Verlage ihre Kinderbuchklassiker redigiert haben, treffen Eltern immer wieder auf rassistische Inhalte. Familienexpertin Romina Brunner weiss, wie sie darauf richtig reagieren können.

Romina Brunner, SI Online Familien Bloggerin, bei sich zu Hause in Birchwil ZH, am 09.11.2018, Foto Lucian Hunziker

Sie ist selber Mutter von zwei Kindern und hat das Kinderbuch «Vom Engeli mit de rote Flügeli» geschrieben - garantiert ohne rassistischen Inhalt: Unsere Familienexpertin Romina Brunner.

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Romina Brunner, SI Online Familien Bloggerin, bei sich zu Hause in Birchwil ZH, am 09.11.2018, Foto Lucian Hunziker
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Wir leihen uns in der Bibliothek jeweils verschiedene Hörspiele aus. Es schockiert mich, dass gerade Klassiker wie Kasperli oder Pippi Langstrumpf oft rassistische Inhalte haben. Wie erkläre ich die Thematik meinen Kindern? — Selina

 

Liebe Selina

Es ist leider eine Tatsache, dass viele Hörspiele, die unsere Jungend prägten, voller rassistischer Inhalte sind. Eines der bekanntesten Stücke ist sicher «Schorsch Gaggo» von Kasperli, der auf der Suche nach Schokolade nach Afrika reist und da mit dem N-Wort und mit Klischees um sich schmeisst.

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Bei Pippi Langstrumpf kommen so oft verletzende Ausdrücke vor, dass es uns Erwachsenen beim blossen Zuhören den Magen umdreht. Ich jedenfalls hatte, als unsere Mädchen die CD abspielten, mehrmals die Hand beim Stopp-Knopf. Wie unwissend die Menschen früher doch waren! Wie erschreckend normal dieser latente Rassismus für viele von uns war! Wie gedankenlos wir diese Inhalte an die nächsten Generationen weitergaben. Als Kind habe ich diese Geschichten selbst immer wieder gehört und mir keine Gedanken dazu gemacht - weder positive noch negative. 

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

«Als ich dies geschrieben habe, waren die Wörter noch kein Problem.»

Jörg Schneider, Kult-Kasperli

Auch der inzwischen verstorbene Jörg Schneider, der Kasperli nicht nur die Stimme verliehen, sondern seine 1970 erfundenen Abenteuer auch mitgeschrieben hat, sagte 2012 in einem Zeitungsinterview: «Als ich dies geschrieben habe, waren die Wörter noch kein Problem. Auch im Welterfolg von Michael Ende war Jim Knopf als Negerbube bezeichnet worden. Das war nicht negativ oder abfällig gemeint.»

 

Viele Verlage haben bereits reagiert und die heiklen Stellen ersetzt. «Die meisten Werke mit rassistischem Inhalt sind inzwischen vergriffen oder wurden lektoriert», sagt Gisela Klinkenberg, Leitung Kinderbuch im Orell Füssli Verlag.

So wurde zum Beispiel aus Pippi Langstrumpf ein Südseeherrscher. Falls einzelne Korrekturen nicht möglich waren, wie zum Beispiel bei «Globi in Paris», wo Globi in der französischen Hauptstadt auf unzählige exotisch aussehende Menschen trifft, wurde die Seite komplett entfernt.

In anderen Fällen konnten die Verlage einzelne Stellen austauschen. «Generell gehen Figuren mit der Zeit und werden von uns ohnehin laufend angepasst», sagt Klinkenberg. So sei heute kein Kind erstaunt, wenn es ein Gespänli mit dunkler Hautfarbe oder einer anderen Augenform in der Klasse habe. Und selbstverständlich dürfe heutzutage auch ein Kinderbuch gegenüber niemandem rassistisch, sexistisch, beleidigend oder verletzend sein!

Allerdings enthalten auch viele Schulbücher weiterhin rassistische Inhalte, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Mehr dazu, erfährst du hier.

So reagiert unsere Familienexpertin auf rassistische Inhalte

Liebe Selina, meine Erfahrung zeigt, dass du nicht vermeiden kannst, dass deine Kinder ab und zu mit rassistischen Inhalten in alten Büchern und Lieder konfrontiert werden. Es sind schlicht zu viele Originale im Umlauf. Gerade auch bei den Grosseltern und anderen Verwandten.

Oder du kaufst ahnungslos eine CD mit Kinderlieder-Klassikern, so wie das mir nach der Geburt unserer Ältesten passiert ist. Auch da sind viel Songtexte beleidigend. Und nicht immer sind die Beleidigungen rassistisch. Denke nur an das Kinderlied: «Es Buurebüebli mah ni nid». Ich lasse unsere Mädchen die CDs trotzdem abspielen. Bislang haben sie noch keine Fragen dazu gestellt. Doch die Fragen werden kommen. Und das ist gut so. Ich werde ihnen erklären wie mächtig Wörter sein können, wie verletzend und beleidigend. Und ich werde ihnen den zeitlichen Kontext erläutern. Es ist ein Fakt, dass ihre Grosseltern einen anderen Umgang mit solchen Themen hatten. Dies ist Teil unserer Geschichte und die sollten unsere Kinder unverfälscht kennen.

Übrigens: Wie Kinder Rassismus erleben und was Eltern tun können, um ihre Kinder gegen Rassismus zu stärken, erfährst du in unserem umfassenden Rassismus-Dossier.

Herzlich,
Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 39, hilft, Ordnung zu schaffen. Regelmässig berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 27. Januar 2021 - 17:22 Uhr
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