Auf einen Espresso Über Sanitätssoldat Meyer und die Rekrutenschule

FRANK A. MEYER UND MARC WALDER - FRAGEN UND MEINUNGEN ZU DEN THEMEN DER WOCHE.
Auf einen Espresso: Interview mit Frank A. Meyer und Marc Walder
© Thomas Buchwalder

Frank A. Meyer, 69, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. Marc Walder, 48, ist CEO der Ringier AG.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, finden Sie eigentlich, dass Schweizer Männer per Gesetz Dienst bei der Armee leisten müssen? Oder soll der Militärdienst freiwillig werden?
Mir hat die Armee jedenfalls nicht geschadet.

Sie haben die Rekrutenschule absolviert?
Selbstverständlich …

Hätte ich nicht gedacht!
… und zwar im extrem heissen Sommer 1964 in der Kaserne Bern.

Und - was haben Sie gelernt in der RS?
Als Rekrut der Infanteriesanität lernte ich vor allem, die Füsse meiner Kameraden zu bepflastern. Und zwar immer dann, wenn während der Märsche Ruhepause war - ein hartes Geschäft. Auch die Bahre, die ich schleppen musste, war um einiges schwerer als das Sturmgewehr der anderen. Das Sturmgewehr schulterte ich dann aber auch. Denn Schiessen, das mochte ich.

Woran erinnern Sie sich sonst noch?
Der Militärdienst damals war wesentlich härter als heute. Kein Abenteuerurlaub, sondern harter, fast preussischer Drill. Die Oswald-Reform - benannt nach dem späteren Ringier-Chef Heinrich Oswald - kam erst 1970. Sie respektierte den Soldaten auch als «Bürger in Uniform». Zu meiner Zeit spielten Kurzhaarschnitt, Befehl und Gehorsam noch eine erhebliche Rolle.

Sie sagen selbst, es hat Ihnen nicht geschadet …
… ich lernte Menschen kennen aus anderen Milieus, ich lernte Landschaften kennen, durch die wir schwitzend und durstig marschierten, ich lernte, mich einzuordnen und unterzuordnen, was einem ausgeprägten Individualisten wie mir nicht gerade leichtfiel.

So kenne ich Sie gar nicht …
Sehen Sie: die erzieherische Wirkung der Rekrutenschule!

Aber soll sie nun obligatorisch bleiben oder nicht?
Im Prinzip wäre das richtig. Gerade in einer Zeit, in der sich alle Formen, Pflichten und Verbindlichkeiten auflösen. In einer Zeit, in der Facebook-Freunde als wahre Freunde gelten und Twitter, Instagram und Tumblr als soziales Umfeld. Im Militär hat man sich oft auch in schwierigen Momenten gespürt, man war physisch und seelisch aufeinander angewiesen, man half sich gegenseitig, man war als Gemeinschaft konfrontiert mit Extremsituationen - man leistete etwas, für das ganze Land.

Frank A. Meyer, ein Freund der Armee! Sie machen mich sprachlos.
Sollte eigentlich nicht so sein, wenn Sie es sich genau überlegen.

Warum?
Diese Haltung entspricht doch einfach meiner Einstellung zur Gesellschaft, meinem sozialen Engagement. Die Gemeinschaft hat ein Anrecht auf die Leistung des Einzelnen, zum Beispiel im Militär.

Können Sie das noch etwas deutlicher ausführen?
Seit wir - auch in der Schweiz - die Funktion des Managers zum Fetisch überhöhen, sieht man in den Chefetagen Absenzen wegen Verpflichtungen beim Militär nicht mehr gerne. Einst verwendeten Milizoffiziere viel Zeit und Energie auf ihre militärische Führungsaufgabe. War das falsch? War das schlecht? Ich glaube nicht. Wobei mir durchaus klar ist, dass modernes Management anders funktioniert als die autoritäre Führung in der Armee.

Also: Ja zur Wehrpflicht?
Ja. Doch ich gehe noch weiter.

Bitte sehr!
Wir brauchen eine allgemeine Dienstpflicht: für junge Männer wie für junge Frauen, militärisch oder zivil. Die nachwachsende Generation muss wenigstens einmal im Leben über eine bestimmte Zeit hinweg - bitte möglichst lange - in die Pflicht der Gemeinschaft genommen werden. Und dies gern auch streng!

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