Auf einen Espresso Über die Magie der seriösen Medien

FRANK A. MEYER UND MARC WALDER - FRAGEN UND MEINUNGEN ZU DEN THEMEN DER WOCHE.
Auf einen Espresso: Frank A. Meyer und Marc Walder

Frank A. Meyer, 69, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. Marc Walder, 48, ist CEO der Ringier AG.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, wie immer wenn wir unseren Espresso nehmen, ist es Freitagmorgen 7 Uhr. Haben Sie denn schon Zeitung gelesen?
Ja, natürlich.

Und welche?
Die NZZ, den «Tages-Anzeiger» und den «Blick».

Was ist hängen geblieben aus der heutigen Lektüre?
Das wird nun eine ganz heikle Antwort …

Warum?
Ich habe mich darüber geärgert, dass der «Blick» die Budgetdebatte im Parlament kurz abfertigt, der «Tages-Anzeiger » dagegen eine sehr aufschlussreiche, auch klar formulierte und darum nützliche Analyse publiziert.

Eine Studie der Credit Suisse ergab für die Schweizer Medien wunderbare Resultate. Sie geniessen enormes Vertrauen in der Bevölkerung. Im Vergleich zum letzten Jahr hat die Glaubwürdigkeit gar signifikant zugelegt. Erstaunt Sie das?
Überhaupt nicht. Medien sind das, was wache Bürger brauchen, um die Gesellschaft und die Welt zu verstehen - vor allem um in der Demokratie mitzubestimmen. Es erstaunt mich auch nicht, dass das Ansehen der Medien in diesem Jahr zugenommen hat.

Aus welchem Grund?
Es ist das Jahr von Edward Snowden, der die geheimsten Geheimnisse der amerikanischen, aber auch der britischen Geheimdienste öffentlich gemacht hat - und zwar über die Medien. Snowden veröffentlichte seine spektakulären elektronischen Top-Secret-Dokumente übrigens nicht etwa im Sekundenmedium Internet, sondern mithilfe von traditionsreichen Tageszeitungen wie «Washington Post» und «Guardian ». Deren Journalisten gaben den Bürgern Einblick in ein Mega-Macht-Geflecht, dessen Schnüffelei bis in die privateste Privatsphäre der Nutzer von Google, Twitter oder Facebook reicht. Dafür, lieber Marc Walder, sind wache Bürgerinnen und Bürger unserem Handwerk dankbar.

Am meisten Vertrauen geniessen in der Schweiz die Radiostationen.
Radio, das sind immer auch Stimmen, immer auch Menschen. Stimmen erwecken Vertrauen. Durch das Radio leben wir mit Menschen, die wir nie gesehen haben, deren Tonlage, deren Timbre, deren Art zu formulieren uns über Jahre, manchmal Jahrzehnte begleitet. Das ist die unmittelbare Magie des Radios. Hinzu kommt die gewaltige Informationsleistung von SRF mit dem «Echo der Zeit» - einer Weltklasse-Sendung. Nicht zu vergessen das «Rendez-vous am Mittag» sowie die vielen intelligenten SRF-Kultursendungen.

Die Studie zeigt, dass die Zeitungen auf Platz 9 der Vertrauensrangliste stehen - zusammen mit der Schweizer Armee und den Banken. Das Zukunftsmedium Internet hingegen landet nur auf Platz 17. Was sagt Ihnen das?
Die Zeitung liefert ihren Lesern die Sachverhalte schwarz auf weiss, geordnet und gestaltet, je nach Prioritäten, im festen Rahmen einer Seite, die gleichzeitig Sicherheit und Überraschung signalisiert. Eine gut gemachte Zeitung ist ein gedachtes Kunstwerk. Der Leser geniesst dies sehr wohl.

Und das Internet?
Die virtuelle Beliebigkeit der vollgestopften, wimmelnden, unübersichtlichen Online-Welt fällt dagegen deutlich ab. Sie ist flüchtig, zusätzlich gehandicapt von einer allgegenwärtigen Werbung, die sich auch noch impertinent in den Vordergrund drängt. Gerade da liegt der Vorteil von Zeitungen und Zeitschriften. Auf ihren Seiten verstärkt gute Werbung die Ästhetik. Denn nur im Print stört Werbung nicht. Im Gegenteil, sie bereichert das Gesamtkunstwerk.

Es ist viertel nach acht. Was machen Sie jetzt, Frank A. Meyer?
Nun gehe ich in mein Büro, lasse mir einen Espresso doppio bringen und lese die «Süddeutsche Zeitung», die «Frankfurter Allgemeine», «Die Welt» und «Bild» - danach lese ich mit Wohlbehagen weiter in der «Zeit».

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