Auf einen Espresso Über Satire Selbstironie und blutigen Ernst

FRANK A. MEYER UND MARC WALDER - FRAGEN UND MEINUNGEN ZU DEN THEMEN DER WOCHE.
Frank A. Meyer und Marc Walder
© Thomas Buchwalder

Marc Walder, 49, ist CEO der Ringier AG Frank A. Meyer, 70, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, kennen Sie einen Witz von Dieter Nuhr? Der deutsche Comedian wurde neulich verklagt, weil er sich in einem seiner Programme über den Islam lustig gemacht hatte.
Aber sicher kenne ich einen; zum Beispiel: «Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben.» Wie finden Sie den?

Ich finde ihn lustig. Und ich frage Sie: Was darf Satire? Was darf sie nicht?
Nuhrs Spruch ist nicht nur lustig, sondern im besten Sinne entlarvend - und damit auf seine Weise aufklärend: Er klärt sein Publikum auf über die Frauenfeindlichkeit des Islam. Das darf Satire nicht nur, das muss sie!

Mit religiösen Themen ist so etwas aber immer ein wenig heikel …
Eigentlich gar nicht. Wir lachen doch gern über Witze, die den lieben Gott zum Gegenstand haben. Oder Jesus. Oder Moses. Oder den Papst. Die Juden erzählen die schönsten Witze über ihre Religion. Ihr Humor strotzt überhaupt von Selbstironie; jüdische Witze sind geradezu eine literarische Kleinstform: verblüffend, zündend, intellektuell grossartig. Das Theater ewig beleidigter Muslime ist unerträglich.

Sollten wir nicht einfach respektieren, wenn sich Andersdenkende durch uns verletzt fühlen?
Jetzt reden Sie fast schon so wie Linke und Grüne und die Anti-Rassismus-Kommission. Sie stellen das Problem auf den Kopf: In Wahrheit geht es doch darum, dass es Muslime sind, die Andersdenkende nicht respektieren. Zum Beispiel uns, die wir die Werte des aufgeklärten, demokratischen Rechtsstaats leben. Zum Beispiel Menschen, die für das kämpfen, was Kurt Tucholsky einst postulierte: «Satire darf alles!»

Darf für Sie dann auch die Karikatur alles? Ich denke an die Mohammed-Zeichnungen aus Dänemark oder aktuell an die Intervention der Türkei gegen eine Karikatur ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in einem baden-württembergischen Schulbuch.
Das ist nur ein weiteres Beispiel für islamische Humorlosigkeit. Wäre es nicht zum Lachen - was ja das Ziel einer Karikatur sein sollte -, wäre es zum Fürchten. Denn solche Wortmeldungen aus der islamischen Sphäre haben fast immer Drohungen zur Folge, manchmal sogar Tote. Und meistens führen sie ebenso automatisch zur Selbstzensur von Kabarettisten und Karikaturisten. Dass Kultur-Relativisten von linksliberal bis links aussen diese Selbstzensur für angebracht halten, beweist deren Dekadenz.

Übertreiben Sie da nicht wieder einmal, lieber Frank A. Meyer?
Darf ich Ihnen mit einem selbst erlebten Beispiel antworten, lieber Marc Walder? Als das deutsche Monatsmagazin «Cicero», herausgegeben vom Hause Ringier, mit dem Islamkritiker Thilo Sarrazin eine Matinée zum Thema Meinungsfreiheit veranstalten wollte, wurde die Diskussion seiner Thesen eine Stunde lang von Muslimen mit Gebrüll, Trillerpfeifen und Tätlichkeiten unmöglich gemacht - unter Anleitung von linken Agitatoren. Dem Pöbel fehlten nur noch die braunen Hemden. Der Gipfel war, dass dieser Meinungsterror im Anschluss über Twitter durch Jan Stöss unterstützt wurde, den Landeschef der Berliner Sozialdemokraten.

Sie gehen mit den Linken hart ins Gericht. Wie erklären Sie sich dieses freiheitsfeindliche Verhalten der einstigen Freiheitspartei?
Ein grosser Teil des linken Milieus hasst den Kapitalismus, hasst die westliche Zivilisation, hasst Amerika, hasst Israel. All dies hasst auch der Islam.

Haben Sie schon einmal mit einem Muslim herzlich gelacht?
Und wie habe ich gelacht! Mit meinem Taxichauffeur, mit meinem Bäcker, mit dem Verkäufer an meinem Zeitungskiosk, mit vielen Männern und Frauen islamischen Glaubens. Aber das sind eben alles gebildete, weltliche Muslime, die Religion und Politik und Staat trennen - im Grunde sind sie allesamt islamische Protestanten.

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