Auf einen Espresso Über Berater

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, die Bundesverwaltung gibt pro Jahr 250 Millionen Franken für externe Berater aus, für «die heimlichen Chefs der Bundesverwaltung», wie der «Tages-Anzeiger» meint. Was meinen Sie?
Der Bund ist von einer Seuche befallen, die in der Privatwirtschaft noch viel gewaltigere Ausmasse hat, und dies weltweit. Man muss von einer Pandemie reden.

Ich habe mir gedacht, dass Sie so radikal reagieren würden.
Und ich hätte nie gedacht, dass Sie dieses Thema anzuschneiden wagen. Sie sind selber CEO, der Chef von Ringier - wie viele Berater haben Sie denn gerade engagiert?

Ich setze Berater nur punktuell ein.

Das ist gut so. Weil Sie damit nämlich kontrollieren können, ob die Berater wirklich etwas taugen. Meine Erfahrung: Sie taugen in der Regel nichts.

Das ist jetzt auch wieder sehr radikal formuliert.
Lieber Marc Walder, radikal sein heisst: an die Wurzel der Probleme gehen. Und das wiederum heisst: Wir müssen hier auch von der Managerkaste reden - darum sage ich Ihnen jetzt, wie der Typus des modernen Managers funktioniert.

Gerne.
Und zwar auf die Gefahr hin, dass Sie das gar nicht gut finden.

Ich höre.
Erstens: Der Manager lässt sich zu einem exorbitanten Gehalt anstellen. Zweitens: Er setzt sich auf seinen Stuhl und fragt nach mehr - nach Boni. Denn nur dieser Anreiz veranlasst ihn dazu, wirklich zu arbeiten - ohne Bonus keine Topleistung. Das geben die Manager selber zu, wenn sie ihre Boni rechtfertigen. Drittens: Wenn die Manager dann zu arbeiten beginnen, suchen sie sich Berater, die ihnen die Arbeit abnehmen. Unternehmen, Aktionäre und Patrons, die sich auf dieses System einlassen, verlieren jedes Jahr Abermillionen - und die McKinseys, die Boston Consultings, die Deloittes und die OC&Cs tun sich daran gütlich.

Was diesen Beraterwahn angeht, bin ich selber skeptisch. Aber Sie halten offenbar überhaupt nichts von externer Hilfe.
Gucken Sie sich doch mal diese Rollkoffer-Kommandos an, wenn sie die Unternehmen heimsuchen: junge Leute, ohne jede unternehmerische Erfahrung, oft sogar ohne eine Vorstellung von der Branche, die sie gerade retten sollen - einfach nicht ernst zu nehmen. Vor allem aber: eine Zumutung für die Mitarbeiter, auf die sie losgelassen werden. In der Regel stehen diese Schnösel am Anfang einer Karriere, die sie später ins Management eines Unternehmens führt, wo sie dann ihrerseits Berater anheuern. Ausgebrütet werden sie beispielsweise an der Universität St. Gallen, Hoflieferant aller Unternehmensberatungsfirmen.

Die Berater, um zu meiner Einstiegsfrage zurückzukommen, haben nun offenbar auch die Bundesverwaltung erobert …
... und das ist besonders fatal.

Weshalb?
Dadurch geben die Beamten die Unabhängigkeit gegenüber der Wirtschaft auf, ihre Distanz, die sie zwingend aufrechterhalten müssten. Und es wird sichtbar, dass auch in den Institutionen des Staates grosse Angst vor Eigenverantwortung herrscht. Die Staatsdiener kaufen sich Berichte und Präsentationen und verstecken sich dahinter - sie kaufen sich Entscheide. Manager sagen gern: «Lieber ein falscher Entscheid als gar kein Entscheid.» Man müsste den Spruch abwandeln.

Jetzt bin ich aber gespannt!
«Lieber ein Beraterentscheid als ein eigener Entscheid.»
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