Auf einen Espresso Über Burkinis, das 
Bundesgericht und «religiöse Bräuche»

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 68, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. Marc Walder, 47, ist CEO der Ringier AG.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 68, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. Marc Walder, 47, ist CEO der Ringier AG.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, muslimische Mädchen in der Schweiz müssen auch in Zukunft den obligatorischen Schwimmunterricht besuchen. Hat das Bundesgericht hier richtig entschieden?
Sicher doch. Gleichzeitig leider aber auch zu nachsichtig.

Ich glaube, das müssen Sie erläutern.
Einerseits setzt das Bundesgericht damit die Geltung der Schweizer Werte durch, also der zivilisatorischen Werte überhaupt: die Chancengleichheit aller Kinder sowie die Gleichstellung von Mann und Frau, die ja bereits mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen beginnen muss.

Und andererseits?
Andererseits segnet das Bundesgericht den «Burkini» ab, eine Art Ganzkörper-Schwimmanzug für muslimische Mädchen. Damit werden sie erneut in eine Aussenseiter-Rolle gedrängt, und ihre Integration in unsere Kultur der Gleichberechtigung wird behindert.

Empfinden Sie den Zwang zum Schwimmunterricht denn nicht als Eingriff in die Religionsfreiheit der Muslime?
Im Gegenteil. Er ist ein Teil der Befreiung von dieser verheerenden Religion, deren wichtigstes Dogma nach wie vor die Herrschaft des Mannes über die Frau darstellt - in der Schweiz und in der islamischen Welt.

Sie sagen in der Schweiz?
Genau! Zwar leben auch bei uns viele aufgeklärte, bestens integrierte Migranten aus der islamischen Welt. Die traditionellen Gläubigen aber, vor allem deren Verbände und Organisationen, halten an der Lehre von der weiblichen Minderwertigkeit fest, wie sie in Koran und Scharia festgeschrieben ist.

Was meinen Sie damit?
Die Frau im Islam ist unmündig; der Mann ist ihr Vormund, sei es als Vater, Bruder oder Gatte; er lenkt die Frau. Die Mädchen werden auf die dienende Stellung in Familie und Gesellschaft gedrillt; spätestens mit Einsetzen der Menstruation trennt man sie von den Knaben und verordnet ihnen das Kopftuch, das ja nicht einfach das lockere Kopftuch von Audrey Hepburn ist, sondern der Hidschab, der Haar, Ohren, Hals und Schultern bedeckt und das Mädchen in seiner Bewegungsfreiheit einengt. Daneben lümmeln sich dann die verherrlichten Knaben im T-Shirt: kleine Männer, die ihr Gebieter-Gehabe schon früh einüben.

Jetzt kommen Sie noch mit dem Kopftuch, einem religiösen Brauch, gegen den Sie seit einem Jahrzehnt wettern!
Wie es sich wirklich mit diesem - wie Sie sagen - religiösen Brauch verhält, ist zwei bis fünf Flugstunden von unserem Land zu besichtigen. Sei es in Teheran, Riad oder Kairo, neuerdings sogar in Ankara. Die Situation der Frauen in der islamischen Welt, vor allem in der arabischen Welt, hat sich in diesem Jahrzehnt dramatisch verschlechtert.

Inwiefern?
Es ist noch nicht so lange her, da trugen die Frauen in Kairo ihr Haar lang und frei und zeigten es in aller Pracht. Heute sind sie gezwungen, auch noch die 
letzte Strähne schamhaft unter dem Kopftuch zu verbergen - sonst werden sie belästigt, geschlagen, sogar vergewaltigt. Im Iran schreitet die Religionspolizei gegen Frauen ein, die das Kopftuch nur lose tragen; für diese Verstösse gibt es auch schon mal Peitschenhiebe. Wie verblendet sind wir im Westen eigentlich, dieses Kopftuch als harmlosen, religiösen Brauch zu verklären?

Was antworten Sie Musliminnen, die behaupten, das Kopftuch aus religiöser Überzeugung freiwillig zu tragen?
Ich kann mir vorstellen, dass diese Musliminnen fest von ihrer Freiwilligkeit überzeugt sind. Es ist ja das Wesen des Glaubens, dass er seine Anhänger bis zur Selbstunterdrückung manipuliert. Das war früher im Christentum so, das ist heute im Islam so. Sicherheitshalber gibt es dort immer noch das «Züchtigungsrecht» der Männer.

Was bedeutet es?
Das Erziehungsrecht des Mannes leitet sich ab aus Sure 4, 34, die im Falle 
des Aufbegehrens der Frau auch das 
Schlagen vorsieht. Wer dieses System erkennen will, dem empfehle ich das Taschenbuch «Frauen und die Scharia» von Christine Schirrmacher. Unsere aufgeklärte Welt braucht Aufklärung.

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