Auf einen Espresso Über den Fall Hoeness, ein Lehrstück für die Schweiz

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 68, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. Marc Walder, 47, ist CEO der Ringier AG.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 68, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. Marc Walder, 47, ist CEO der Ringier AG.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, FC-Bayern-Manager Uli Hoeness, der jahrelang Millionen auf einem Schweizer Bankkonto versteckte, wurde mit seiner Selbstanzeige zum prominentesten deutschen Steuerflüchtling. Wie sehen Sie diesen Fall?
Mit einer gewissen Befriedigung.

Befriedigung – weshalb?
Uli Hoeness wollte, wie er sagt, «die Angelegenheit» über das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz «erledigen». Hätte die Schweiz mit ihrem Abgeltungssteuer-Trick nicht Schiffbruch erlitten, wären den deutschen Steuerbetrügern Anonymität und Amnestie zum Schnäppchenpreis sicher gewesen – und einen Fall Hoeness hätte es nie gegeben. Jetzt deckt der Skandal auf, wie raffiniert die Schweiz Deutschland über den Tisch ziehen wollte. Erst als das Abkommen an der Opposition im deutschen Bundesrat scheiterte, ergriff der FC-Bayern-Manager die Flucht nach vorne. Ein Lehrstück, wie es im Buche steht!

Das geheime Konto von Hoeness führte über Jahre hinweg eine Schweizer Bank, die Traditionsbank Vontobel – wessen moralische Schuld ist grösser?
Auch dafür ist der Fall Hoeness ein Lehrstück: Wäre der von der Schweiz hartnäckig bekämpfte automatische Informationsaustausch zwischen Schweizer Banken und ausländischen Steuerbehörden bereits Pflicht gewesen, müssten sich heute weder Hoeness noch Vontobel die Frage nach ihrer Moral stellen.

Die Strategie «Ich parkiere mein Schwarzgeld in der Schweiz» wurde jahrzehntelang von Steuersündern aus aller Welt genutzt …
… lieber Marc Walder, Sie wählen da ein sehr bezeichnendes Wörtchen: den Begriff «Steuersünder». Damit wird seit ebenso vielen Jahrzehnten die hinter dem Begriff steckende Tat verharmlost: Sünder knien im Beichtstuhl und erfahren durch den Priester Vergebung. Betrüger hingegen sitzen auf der Anklagebank und werden von einem Richter verurteilt. Wer dem Staat bewusst Steuern vorenthält, der sündigt nicht, sondern begeht eine Straftat. Er ist nicht einfach ein «Trickser», der sich eines «Kavaliersdelikts» schuldig macht, er begeht Betrug, er unterschlägt auf kriminelle Weise Geld.

Mehr und mehr Banken in unserem Land verstehen in jüngster Zeit, dass ihre Zukunft nicht im Schwarz-, sondern im Weissgeld liegt. Sie wollen nur noch versteuertes Geld verwalten.
Ja, das ist richtig: Die Banken sind weiter als die Politik, die immer noch von der Abgeltungssteuer träumt. Aber die freiwillige Selbstkontrolle ist für die Finanzinstitute auch eine Falle: Jedes Mal, wenn ein vermögender Ausländer mit seinem Geld die Schalterhalle betritt, ziehen die Bankmitarbeiter den Priesterrock an und bitten den zukünftigen Kunden in den Beichtstuhl, wo er ihnen bei der Mutter Gottes schwören soll, dass sein Geld versteuert sei. Diese Beichtvater-Rolle aber können sich unsere Banken gar nicht leisten.

Wie meinen Sie das?
Sie legen sich damit eine moralische Fussfessel an, die sich weder mir ihrer Kompetenz noch mit ihrem Geschäft verträgt. Der automatische Informationsaustausch hingegen macht die Banken frei.

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