Auf einen Espresso Über die neuen Frauen, die Männer alt aussehen lassen

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, bei unserem letzten Espresso gingen Sie hart mit der Macht der Männer und den Macht-Männern ins Gericht. Wollen wir heute über die Frauen reden?
Sie glauben, dass wir zwei dazu die Richtigen sind?

Versuchen wirs zumindest. Also: Wie reagieren Frauen nach Ihrer Erfahrung auf mächtige Männer?
Eine moderne Volksweisheit besagt: «Macht macht sexy.» Ganz falsch ist dieser Befund nicht.

Sie wollen sagen, dass sich Frauen von mächtigen Männern angezogen fühlen? Lieber Marc Walder, wir reden uns hier um Kopf und Kragen. Aber blicken wir ein wenig zurück, in frühere Kulturen der Menschheit: Es ist noch gar nicht so lange her, da drückte sich die Macht des Mannes in seinem Körperbau aus. Er musste gross und stark sein, um Gefahren bestehen und die Frau beschützen zu können. Zwar gilt auch in der modernen Gesellschaft der physisch starke, der gut gebaute Mann als attraktiv. Doch zum Überleben ist physische Kraft überflüssig geworden. Sie alleine macht den Mann nicht mehr mächtig.

Mit «mächtig» meinen Sie die modernen Formen der Macht
… Überleben heisst heute Existenzsicherung, und die funktioniert am besten durch Wohlstand, Reichtum, Kapital. Kein Zweifel: Geld macht Männer für viele Frauen anziehend. Aber auch Macht in der Gesellschaft, eine herausgehobene Funktion – sei es in der Wirtschaft, in der Politik, in Sport oder Kultur, vielleicht auch ganz einfach in der Welt der Medien – kann ein Männchen in den Augen des Weibchens als vielversprechend erscheinen lassen. Sogar ein Wetterfrosch ist heute schon ein Prinz.

Letzte Woche kritisierten Sie die mächtigen Männer. Jetzt wollen Sie es sich offenbar noch mit den Frauen verderben!
Sie sind es, lieber Marc Walder, der mich zu diesen waghalsigen Aussagen verleitet! Sie haben mich nach meinen Beobachtungen gefragt, und die gebe ich hier wieder.

Und zwar?
Frauen orientieren sich gern – ob durch Beziehung oder Heirat – nach oben. Viele Mütter sagen immer noch: «Ich hoffe, meine Tochter findet etwas Rechtes.» Oder sie seufzen: «Ich hätte ihr etwas Besseres gewünscht.» So sind nun mal die Realitäten in einer unemanzipierten Gesellschaft: Die Liebe beugt sich dem Nutzen. Wobei Liebe und Nutzen durchaus verschmelzen können.

Aber ist die Frau von heute nicht schon ein bedeutendes Stück weiter?!
Viele Frauen sind heute viel weiter. Denken Sie nur an erfolgreiche Studentinnen, die ihre männlichen Kommilitonen hinter sich lassen. Frauen sind selber stark, viele sind selber wohlhabend, vor allem sind sie selber so gebildet, so erfahren, so gescheit, dass ihre Anforderungen an die Männer sich nicht mehr auf Existenzsicherung beschränken: Der Mann, den diese Frauen wollen, muss interessant sein, humorvoll und gebildet, er muss etwas zu sagen haben, Geschichten erzählen können, ein unterhaltsamer Partner sein. Freie Frauen suchen freie Männer.

Dann ist ja alles bestens.
Nicht alles: Wir Männer haben mit diesen – wie soll ich sagen – mit diesen neuen Frauen Probleme.

Nämlich?
Sie haben uns punkto Freiheit überholt. Die Emanzipiertheit vieler Frauen ist inzwischen zum Problem vieler Männer geworden.

Sie sagen: «vieler Männer». Meinen Sie sich auch selbst?
Ich kenne keinen Mann, den ich als völlig emanzipiert betrachten könnte. Und würde ich das von mir behaupten, wäre es Angeberei. Na ja, Angeber sind wir Männer doch alle!

...............................................................................................................................................

Ihre Meinung interessiert uns! Diskutieren Sie mit - im unten zur Verfügung gestellten Kommentarfeld.

Auch interessant