Auf einen Espresso Über die Rote Karte für einen Superreichen

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder

Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, interessieren Sie sich eigentlich für Fussball?
Ich sitze nicht viel vor dem Fernseher, aber Fussball schaue ich oft. Seit ein paar Jahren allerdings hauptsächlich Bundesliga.

Haben Sie schon einmal von Bulat Tschagajew gehört?
Ich habe einen Kommentar zu diesem Typen in der «Neuen Zürcher Zeitung» gelesen, meinem Leibblatt, das ich jeden Morgen um sechs Uhr aus dem Briefkasten nehme.

So früh haben Sie die NZZ bereits in Ihrem Berliner Briefkasten?
Ja, die internationale Ausgabe. Allzu viele Artikel darin stammen allerdings vom Vortag. Leider. Das Traditionsblatt hat stark nachgelassen. Aus Spargründen, wie es heisst.

Zurück zu Tschagajew, dem Tschetschenen. Seit er vor knapp einem Vierteljahr Xamax Neuenburg gekauft hat, steht er wegen seines Benehmens in der Kritik. Zu Recht?
Wenn ich NZZ und «Blick» Glauben schenke, und das sind immerhin die beiden wichtigsten Zeitungen des Landes, dann benimmt sich dieser kaukasische Oligarch tatsächlich skandalös. Im Cupfinal bedrohte er die Spieler: «I will kill you all!» Die ganze Klubführung schmiss er raus – nach zwei Spielen. Er beschimpft und beleidigt und verunglimpft jeden, der nicht vor ihm kuscht. Ich weiss nicht, was dieser Kerl in der Schweiz zu suchen hat.

Er hat nun mal in diesen Fussball-Klub investiert. Und wer zahlt, befiehlt. Gerade im Fussball.
Das ist anscheinend auch die Meinung von Tschagajew. Und all jener, die diesen anmassenden, superreichen Foul-Spieler in die Schweiz gelassen haben. Tschagajew ist ja nicht die einzige problematische Figur, die sich an den Gestaden unserer schönsten Seen breitmacht. Je reicher einer ist, desto leichter erhält er offenbar ein Visum.

Thomas Grimm, Präsident der Swiss Football League, meint: «Herr Tschagajew und seine Leute verdienen den notwendigen Respekt. Wir müssen ihnen ein bisschen Zeit geben.»
Grimm kriecht vor Tschagajew. So tönen seine Sätze – es sind typische Schweizer Sätze. Sie drücken eine Mentalität aus, die das Land zunehmend charakterisiert: Wer Geld hat, wird willkommen geheissen, wird mit Pauschalbesteuerung verwöhnt, wird hofiert und respektiert – immer mit den Händen an der Hosennaht. Das spricht sich natürlich in diesen Kreisen schnell herum. Wir erleben heute ganz allgemein eine Zuwanderung von Milliardären, Mogulen, Schwarzgeldhändlern und Kriminellen im grossen Stil. Aber sie haben ja Geld. Darum können sie sich alles erlauben. Wir lassen es uns bieten.

Was würden Sie mit Bulat Tschagajew tun?
Ich kenne die rechtlichen Möglichkeiten nicht, aber es müsste alles unternommen werden, um diese Figur aus dem Land zu weisen. Ganz im Sinne der SVP-Ausschaffungsinitiative. Wobei ich nicht weiss, ob der SVP-Milliardär Blocher etwas gegen den Xamax-Millionär Tschagajew einzuwenden hat. Denn Blochers Ausländerpolitik richtet sich ja hauptsächlich gegen die armen Einwanderer.

Warum so hart, Frank A. Meyer?
Weil es um mehr geht als Tschagajew

Und zwar?
Es geht um die Schweizer Mentalität. Um die Gier nach Geld. Nach Reichen und Superreichen, die noch mehr Geld in unser Land schleppen. Was für Geld auch immer. Die Oligarchen und Nabobs und Scheichs, die wir anlocken, werden die Schweiz noch in Schwierigkeiten bringen.

Wie meinen Sie das?
Viele dieser Millionärs-Migranten sind in ihren Ländern umstritten, oder sie werden durch gesellschaftliche Veränderungen und Revolutionen demnächst umstritten sein. Unser Land wird einmal mehr mit ihnen identifiziert. Denn es führt der Welt vor, wie sehr anrüchiges Kapital die Schweiz als Fluchtburg und Schlaraffenland missbraucht. Diese Überfremdung von oben, der wir so bereitwillig unsere Banken, Betriebe und Behörden öffnen, ist ein Klumpenrisiko – ein Lumpenrisiko.

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