Auf einen Espresso Über links und rechts und Frank A. Meyer

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, sind die Schweizer Medien eigentlich links?
Den Eindruck habe ich nun wirklich nicht.

Ach nein? Zumindest ist dies doch, generell gesagt, die landläufige Meinung.
Lieber Marc Walder, links und landläufig sind doch sehr unscharfe Begriffe.

Dann schärfe ich etwas nach: Professor Roger Blum hat eine aufwendige Studie durchgeführt. Resultat: Auch wenn die Schweizer Medien gegenwärtig ein wenig nach rechts wandern, sind sie doch mehrheitlich links bis linksliberal positioniert.
Da bin ich aber erleichtert, weiss doch wenigstens der Professor aus Bern, was links ist. Mir fällt diese Positionsbestimmung jedenfalls immer noch schwer. Vielleicht ist es ja so, dass der Medienwissenschafter Weltoffenheit und geistige Offenheit mit «links» gleichsetzt.

Ich schärfe gern noch weiter nach: SVP-Präsident Toni Brunner sieht die Schweizer Medienlandschaft «ganz klar links dominiert» – die «Weltwoche» einmal ausgenommen.
Nach dem Wissenschafter zitieren Sie also nun das Gegenteil eines Wissenschafters. Immerhin hat Herr Brunner einen klar definierten Standort, von dem aus er die Medienszene einteilt: Alles, was links von der SVP steht, also auch links von der «Weltwoche», ist aus dieser Sicht natürlich links. Allerdings sollte man anfügen, dass rechts von der SVP nicht mehr viel Platz ist, links von ihr dagegen sehr viel. Das heisst, wer links von der SVP steht, kann immer noch weit rechts stehen.

Die Berner Studie hält auch fest, dass der «SonntagsBlick» aufgrund Ihrer Kolumne, Frank A. Meyer, als linksliberal zu gelten habe. Sind Sie zufrieden mit dieser Einordnung?
Sie klingt wie ein Kompliment.

Wie meinen Sie das jetzt?
Naja, links und liberal zu sein, ist doch nett. Was gäbe es gegen dieses Etikett einzuwenden?

Sie werden es mir gewiss gleich sagen …
Ganz einfach: Ich bin ich. Und ich gebe Ihnen dazu ein Beispiel: Wenn es um den Islam geht, bin ich ein radikaler Kritiker dieser Religion, die sich in Europa breitmacht. Das gilt «landläufig», wie Sie sagen würden, als rechts, als weit rechts sogar. Vielleicht ist es aber auch eher links – und die Linke hat es nur noch nicht gemerkt, oder sie hat es vergessen. Also überlassen wir doch, lieber Marc Walder, diesen ganzen Etiketten-Mumpitz am besten dem Herrn Blum. Gottlob haben wir Professoren, die wir im Zweifelsfall fragen können.

Das klingt jetzt eher ironisch.
Die ewige Quengelei, alle Journalisten seien gegen die SVP, ist so lächerlich, dass sich jede ernsthafte Diskussion darüber verbietet.

Aber Sie sind doch gegen die SVP?
Ich bin gegen radikale Ideologen von links und rechts. Das ist die klassische Position des Demokraten.

Die Zeitung «Sonntag» berichtete, dass die wichtigsten Schweizer Chefredaktoren einen zweiten Bundesratssitz für die SVP befürworten. Wie sehen Sie das, Frank A. Meyer?
Erstens handelt es sich bei den Chefredaktoren keineswegs um die wichtigsten, fehlen doch die von «Blick», «Sonntags Blick» und «20 Minuten», also die Chefs der grössten überregionalen Zeitungen. Zweitens ist das Ganze eine Kinderei. Drittens handelt es sich um die inzwischen sattsam bekannte Liebedienerei von Journalisten gegenüber der SVP. Womit sich übrigens die Behauptung, die Medien stünden links, von selbst erledigt.

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