Auf einen Espresso Über Männermacht und Schöpfungsmacht

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, sind Sie für oder gegen die Frauen-Quote?
Ich bin gegen die Männer-Quote.

Das müssen Sie mir erklären.
Es geht um das seit Jahrhunderten ungeschriebene Gesetz, dass Männer die Welt beherrschen. Also auch die demokratische Gesellschaft – und natürlich die Wirtschaft. Die Männer-Quote muss abgeschafft werden.

Die generelle Meinung, nicht nur unter Männern, lautet doch: Gute Frauen setzen sich auch ohne Quote durch.
Das ist albernes Männergeschwätz. Ich kann es nicht mehr hören. Der Satz beinhaltet erstens die Anmassung, dass sich in der männerbeherrschten Wirtschaftswelt stets die fähigsten Männer durchsetzen. Zweitens besagt der Satz, dass Frauen nur dann an die Spitze von Unternehmen gehören, wenn sie über herausragende Qualitäten verfügen. Mit Gleichberechtigung hat dies nichts zu tun. Denn Gleichberechtigung ist erst dann gegeben, wenn ebenso viele mittelmässige und unfähige und dumme Frauen an die Spitze der Wirtschaft gelangen wie Männer. Frauen müssen nicht besser sein als Männer. Und sie sind es auch nicht.

Ernst Tanner, Chef von Lindt & Sprüngli, behauptet, um bei uns voranzukommen, müsse man «mobil und flexibel» sein. Frauen mit Kindern seien «nicht mehr mobil genug» und kämen für Top-Positionen oft nicht infrage.
Ernst Tanner ist Schokoladen-König, nicht Philosophen-König. Darum hat er nicht genügend nachgedacht. Die Lebenswirklichkeit der Frauen als Argument gegen Frauen in Spitzenpositionen anzuführen, gehört zu den ältesten Männertricks. Vor allem in der Wirtschaft will man alles Menschlich-Emotionale ausschliessen: Der Faktor Mensch stört den Faktor Produzent. Da stört natürlich eine Frau, die zu Hause Kinder erzieht, sich also ums Wirkliche kümmert – nicht nur um Kirschstängeli oder Schokoladenhasen mit einem Glöckchen um den Hals.

Aber damit entkräftigen Sie das Argument von Ernst Tanner noch nicht.
Doch. Eine Frau, die Kinder erzieht – und im Normalfall auch noch ihren Gatten –, bringt Erfahrungen in die Führungsetage, die dem Mann völlig abgehen.

Sie gehen heute sehr weit.
Überhaupt nicht, lieber Marc Walder. Haben wir beide denn Kinder geboren? Sehen Sie! Diese Erfahrung fehlt uns. Sie macht die Frauen erwachsen. Uns fehlt diese absolute schöpferische Kraft. Im Gegensatz zu Frauen werden wir nie ganz erwachsen. Wir kompensieren diesen Mangel seit Jahrhunderten durch Männermacht, mit der wir die Frauen kleinhalten, abwerten. Die Schöpfungsmacht der Frauen macht uns Männern Angst.

Mit Fontane sage ich Ihnen, lieber Frank A. Meyer: Dies ist ein weites Feld.
Richtig. «Quote» ist ein zu kurzes Wort für ein derart tiefes kulturelles Problem. Die Abschaffung der Männer-Quote in dieser Welt, auch in den Kulturen, die weniger weit sind als unsere christlich-abendländische, wäre die grösste Revolution der Geschichte.

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