Auf einen Espresso Über Merkel und ihre Mitbewerber um die Macht

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, wie finden Sie die Bundeskanzlerin Angela Merkel?
Beeindruckend.

Ein klares Wort. Warum?
Beeindruckend in ihrer Ruhe, mit der sie das Amt ausübt. Ganz offensichtlich ist es eine innere Ruhe. Sie scheint mit sich im Reinen. Sie ist sich selbst. Der Kanzler-Job passt zu ihr wie ihre massgeschneiderten, verschiedenfarbigen Hosenanzüge. Das schnörkellose Outfit erinnert an den Uniformrock Friedrich des Grossen. Angela Merkel passt zum neuen, preussischer gewordenen Deutschland.

Sie schwärmen ja geradezu von ihr ...
... ich schwärme seit Jahren von ihrem bezaubernden Lächeln.

Schwärmen Sie auch von Merkels Politik?
Nein, darauf bezieht sich meine Schwärmerei nicht.

Das müssen Sie erklären.
Innenpolitisch holpert die schwarz-gelbe Koalition von Karambolage zu Karambolage. Europapolitisch blockiert Merkel – mit Blick auf die Wahlen im nächsten Jahr – vernünftige Lösungen für die Euro-Krise, wie beispielsweise ein stärkeres Engagement der europäischen Zentralbank.

Wird sie nochmals gewählt?
Die CDU wird, zusammen mit der CSU, die grösste Partei bleiben. Damit kann sie die Kanzlerin stellen. Doch wie es aussieht, wird Merkel der Koalitionspartner fehlen. Zusammen mit der FDP reicht es mit Sicherheit nicht noch einmal zur Regierungsmehrheit.

Aber die SPD steht mit drei möglichen Kanzler-Kandidaten bereit für eine Grosse Koalition ...
... das dürfte schwierig werden. Die SPD hat von 2005 bis 2009 in der Grossen Koalition unter Kanzlerin Merkel bereits einmal die Arbeit geleistet – und den Undank der Wähler geerntet: mickrige 23 Prozent. Ein Trauma. Also wird die SPD 2013 nach anderen Koalitionspartnern Ausschau halten. Vielleicht reicht es mit den Grünen, vielleicht reicht es mit den Grünen und der FDP. Aber grundsätzlich lautet die Parole der Partei: «Nicht noch mal Merkel.»

Die SPD will also, auf Teufel komm raus, den Kanzler stellen.
Das ist ihre Pflicht als Opposition: Regierung werden!

Wer soll den Job dann machen?
Die Partei kann unter drei Männern wählen: dem SPD-Vorsitzenden und früheren Umweltminister Sigmar Gabriel, dem Fraktionschef und früheren Aussenminister Frank Walter Steinmeier und dem früheren Finanzminister Peer Steinbrück.

Wer wäre Ihnen der liebste?
Gabriel ist blitzgescheit, allerdings auch ein bisschen wie Lucky Luke.

Der Cowboy aus dem Comic?
Ja, Lucky Luke schiesst schneller als sein Schatten, Gabriel redet schneller als sein Schatten. Doch er wird auch unterschätzt. Er führt die SPD effizient und kämpferisch.

Wie sehen Sie die beiden anderen?
Steinmeier wäre wohl ein idealer Kanzler. Er hat die Ruhe von Merkel, eine sichere Hand fürs Wesentliche und geniesst grosses internationales Ansehen. Doch ist er nicht der geborene Wahlkämpfer. Peer Steinbrück dagegen verfügt über ein kämpferisches Naturell, ist ein scharfer Formulierer und politischer Denker mit klaren Vorstellungen von einer modernen Bürgergesellschaft.

Klingt nach einem starken Trio.
So ist es. Die SPD bietet beeindruckende Köpfe an. Doch auch Angela Merkel ist ein beeindruckender Kopf. Die Deutschen, die ja so gerne das Klagelied über ihre Spitzenpolitiker anstimmen, könnten stolz sein. Glückliche deutsche Demokratie.

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