Auf einen Espresso Über Nespresso und das Paradies

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, dieses Gespräch findet ja, wie meist, telefonisch statt - weil der eine von uns in Berlin ist und der andere irgendwo in der Welt …
Moderne Menschen, die wir nun mal sind.

Und doch haben wir dieses kleine Ritual, dass wir - jeder an seinem Ort - dazu einen Espresso trinken. Was ich Sie immer schon mal fragen wollte: Wie bereiten Sie eigentlich zu Hause in Dahlem Ihren Espresso zu?
Mit Nespresso-Kapseln aus einer wunderschönen, dunkelroten Nespresso-Maschine.

Sie überraschen mich!
Zwar liebe ich auch die klassische italienische «Macchinetta», achteckig und aus Aluminium. Sie ist formal perfekt, Quintessenz der funktionalen Ästhetik.

Ich war mir fast sicher, dass Sie die verwenden.
Wegen ihrer Schönheit mag ich auch die grossen, verchromten Kaffeemaschinen. Aber Nespresso ist nicht nur ästhetisch, sondern auch praktisch. Das Farbenspiel der Kapseln fasziniert mich wie einst die politisch-philosophischsoziologische Buchreihe «Edition Suhrkamp» in den Regenbogenfarben.

Sie lassen sich also von der Ästhetik der Kapseln verführen?!

Die Nespresso-Philosophie bringt mittlerweile drei Milliarden Umsatz. Und zurzeit werden dafür in der Schweiz zwei neue Fabriken gebaut. Darum kann ich mich als sozial sensibler Mensch dieser Verführung sogar mit einigermassen gutem Gewissen hingeben. Was mir allerdings nicht passt, sind die Nespresso-Shops.

Wieso das?
Die Verkäufer vermitteln dem Käufer das Gefühl, er müsse bei ihnen um eine Audienz ersuchen.

Zurück zur Ästhetik: Warum ist die so wichtig für den Genuss?

Adam und Eva wurden vom lieben Gott in einen wunderschönen, wundersamen Garten gestellt. Er hätte Adam und Eva auch in den Dschungel oder in die Wüste setzen können. Aber er legte offenbar Wert auf Ästhetik. Wer wie der Schöpfer eine schöne Welt mag, mag auch schöne Waren. Ein Beispiel ist mein silberner Apple-Laptop. Früher waren es die Geräte der Firma Braun. Den Braun-Rasierer beispielsweise kaufe ich immer noch, weil er der schönste von allen Rasierapparaten ist. Das Möbeldesign der Italiener müsste längst zum Weltkulturerbe der Unesco gehören wie auch manche Modelle von Alfa Romeo.

Sie schwärmen ja richtig! Dabei kritisieren Sie seit Jahren den Konsumismus …

Das eine schliesst das andere nicht aus. Indem ich nach Qualität suche, die in vollendeter Form präsentiert wird, vermeide ich den Ramsch. Man kauft auch weniger, wenn man Waren mit hohem ästhetischem Anspruch wählt.

Welches Auto fahren Sie?
Den CLS 350 CDI, den schönsten Mercedes.

Welche Uhr ist für Sie die schönste?
Eine goldene, die mein Vater für mich gemacht hat. Teilchen für Teilchen.

Welche Schuhe?
Gegenwärtig Navyboot.

Krawatten?

Einstecktücher. Die ersparen mir in Berlin die Krawatte.

Was hat diesen Sinn für Ästhetik geprägt?
Vor allem meine Lebensfreundin Lilith Frey. Und ganz früh meine Lehre als Schriftsetzer. Ich arbeitete noch im Blei, also mit eingeschränkten gestalterischen Mitteln. Das zwang zur Konzentration auf elementare ästhetische Regeln. In der Lehre begegnete ich auch der Bauhaus-Ästhetik, die ja vom Löffel bis zum Fabrikgebäude reicht. Deshalb habe ich mich in Biel für die Erhaltung des ersten europäischen Montagewerks von General Motors eingesetzt - und es mit Freunden vor der Verschandelung gerettet, ebenso das Bauhaus-Monument «Volkshaus» unweit des Bahnhofs. Ich lebe gern inmitten von schönen Dingen. In einem Garten, von Menschen bestellt - im Grünen, in der Stadt oder daheim.

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