Auf einen Espresso Über Schumis Liebe zur Schweiz und falsche Töne

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, haben Sie gehört, was Michael Schumacher vergangene Woche über die Schweiz gesagt hat?
Es ist mir zu Ohren gekommen.

Schumi hat erklärt: «Die Schweiz ist die einzige Heimat, die ich habe.»
Ich dachte bisher, der Formel-1-Pilot sei im Cockpit zu Hause. Aber wenn nun die Schweiz seine Heimat sein soll, bitte. Ich nehme allerdings an, dass seine Landsleute, vor allem die Menschen in seinem Heimatort Kerpen, nicht gerade erfreut sein dürften.

In der Tat, die Enttäuschung in Deutschland ist erheblich. Immerhin ist Michael Schumacher ehrlich. Und mutig, dies so zu sagen. Verstehen Sie ihn?
Ich verstehe das Schweiz-Bekenntnis, das ja immer mehr Grossverdiener von Kasachstan über Griechenland bis Mexiko ablegen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass diese Art von Heimatliebe sehr viel zu tun hat mit der Liebe zum Geld.

Michael Schumacher und seiner Familie gefällt es in diesem Land, weil er bei uns, wie er sagt, «Harmonie pur» findet. Das hat doch mit Geld nichts zu tun.
Doch. Die zwei Wörter «Harmonie pur» sind der etwas hilflose Ausdruck für die Harmonie zwischen Schumi und den Schweizer Steuerbehörden. Er geniesst das Privileg der Pauschalbesteuerung. Das heisst, er bezahlt im Verhältnis zu seinem Einkommen und Vermögen in der Schweiz kaum Steuern. Eine solche Heimat lässt sich leicht besingen.

Sprechen Sie Michael Schumacher also das Recht ab, die Schweiz als seine Heimat in Anspruch zu nehmen?
Wenn es dem vielfachen Weltmeister ernst ist mit seiner Heimatliebe, dann erbringt er dafür den Beweis – und zahlt ab sofort ordnungsgemäss Steuern. Ordnungsgemäss heisst: so wie alle anderen Schweizerinnen und Schweizer auch. Denn die Heimat, die ihm «Harmonie pur» bietet, wurde aufgebaut durch fleissige Schweizer Steuerzahler. Die Harmonie, die Sicherheit, Gesundheit, Bildung sind teuer. Sogar sehr teuer. Ebenso Strassen und Bahnen und die wunderbar gepflegte Landschaft, die Schumacher vor seinem Anwesen jeden Morgen zu Füssen liegt. Seine Kinder geniessen beste Kindergärten und beste Schulen. Die Schweiz ist uns Schweizern lieb und teuer. Schumacher ist sie nur lieb. Schumacher so lobt, kostet nämlich etwas.

Eine wachsende Zahl von Schweizerinnen und Schweizern sieht das auch so. Die Zürcher haben die Pauschalbesteuerung abgeschafft.
Das Zürcher Volk hatte es satt, Oligarchen wie den russischen Financier Vekselberg zu subventionieren. Auch Michael Schumacher ist ein subventionierter Schweiz-Liebhaber. Die Liebesbekenntnisse solcher Profiteure empfinde ich als Anbiederung.

Sie tun Schumi wahrscheinlich unrecht. Einzelne Kantone offerieren ja die Pauschalbesteuerung gerade mit der Begründung, dass sie damit reiche Ausländer in unser Land locken können.
Dass einzelne Kantone vor Oligarchen und Superreichen katzbuckeln, hat für mich etwas Erniedrigendes. Das hat die Schweiz nicht nötig.

Aber schön finden dürfen diese Ausländer die Schweiz doch trotzdem, oder? Meinetwegen. Doch wer die Schweiz als Steuerstandort wählt, soll bitte nicht ins patriotische Alphorn blasen. Das klingt falsch.

........................................................................................................................................

Ihre Meinung interessiert uns: Diskutieren Sie mit – im unten zur Verfügung gestellten Kommentarfeld.

Auch interessant