Auf einen Espresso Über Schwächlinge und schwache Richter

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer: «Der Mann braucht Sex. Darum kann er seine Frau, wenn sie sich weigert, im Extremfall schlagen!» Für diese Auffassung stand Aziz Osmanoglu vor Gericht – und wurde freigesprochen. Was halten Sie von diesem Mann?
Sagten Sie: Mann? Das ist doch kein Mann! Das ist eine jämmerliche Figur. Ein Schwächling. Ein Typ, der bereit ist, zuzuschlagen, wenn eine Frau ihm nicht zu Willen ist. So etwas erfüllt mich mit Zorn und Verachtung.

Ich verstehe Sie ja, Frank A. Meyer. Aber ein Schweizer Gericht hat diesen Islamisten freigesprochen …
… genau das ist es ja, was ich überhaupt nicht verstehe. In der Schweiz gilt Vergewaltigung in der Ehe als Verbrechen. Der Aufruf, die eigene Frau zu schlagen, wenn sie sich dem Sex verweigert, ist ein Aufruf zur Vergewaltigung in der Ehe, also Anstiftung zu einer Straftat.

Deuten Sie Osmanoglus Bekenntnis zum Koran denn als Aufruf?
Selbstverständlich! Der Mann ist Sekretär der Muslimischen Gemeinde Basel. Er ist also zumindest für die Muslime in seinem Sprengel eine Autorität. Wenn er öffentlich äussert, dass ein Mann seine Frau schlagen darf, hat das die Qualität der Anstiftung. Ich möchte auch gleich eine Koranstelle zitieren, wie sie seinen perversen Überzeugungen zugrunde liegt.

Bitte.
Ich zitiere Sure 2,223: «Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld, wann und wie ihr wollt.» Deutlicher geht es nicht. Die Stelle ist übrigens nicht interpretierbar, darf auch nicht interpretiert werden, denn Allahs Wort ist unantastbar, hat er doch den Koran ganz persönlich geschrieben.

Nun sind wir an der gleichen Stelle wie schon oft, Frank A. Meyer: Das Gericht räumt Osmanoglus Religion einen höheren Stellenwert ein als unserem schweizerischen Gesetz. Zumindest scheint seine religiöse Überzeugung dem Basler Appellationsgericht als mildernder Umstand zu gelten.
Lieber Marc Walder, es gibt dumme Richter, wie es in jedem Beruf Dumme gibt. Damit müssen wir leben. Aber der Kulturrelativismus, wie er in diesem Urteil zum Ausdruck kommt, wird allmählich zum Problem.

Erklären Sie!
Vor allem Linke und Grüne, leider auch manche Liberale, predigen Toleranz gegenüber der Intoleranz. In diesem Fall aber ist Intoleranz nichts Abstraktes. Sie trifft Frauen. Und zwar sehr konkret: mit Schlägen. Mitten in unserer Gesellschaft, in der die Gleichstellung von Mann und Frau Gesetz ist. In der Welt des Aziz Osmanoglu dagegen ist folgende islamische Überlieferung Gesetz: «Wann immer der Ehemann mit seiner Frau Verkehr haben möchte, darf sie sich ihm nicht verweigern, auch wenn sie auf dem Rücken eines Kamels sitzt.» Für ihn stehen die Regeln von Koran, Überlieferungen und Scharia unverrückbar fest: und damit die Minderwertigkeit der Frau. Deshalb ist das Basler Urteil auch ein Schlag ins Gesicht aller Schweizer Frauen.

Die Unterdrückung der Frau ist für Sie das zentrale Problem des Islam?
Alle Religionen sind ursprünglich Herrschaftsideologien: Sie dienten und dienen der Unterdrückung von Menschen, also auch von Männern. Vor allem in dem archaisch-gewalttätigen Glaubenskomplex des Islam, der für Gläubige bis heute bestimmend ist, geben die Männer ihre Unterdrückung an die Frauen weiter. Die Frauen sind die Opfer der Opfer. Sie dienen der Triebabfuhr schwacher Männlichkeit. Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, hat im 19. Jahrhundert festgehalten, dass sich der Stand einer Kultur immer an der Stellung der Frau ablesen lasse. Den Basler Richtern sei diese Erkenntnis ins Stammbuch geschrieben. 

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