Auf einen Espresso Über Smartphones und un-smartes Gerede

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder Frank A. Meyer, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Marc Walder, 45, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, lieber Frank A. Meyer, wie oft schauen Sie eigentlich auf Ihren Blackberry?
Ungefähr so oft wie auf meine Uhr.

Dann sind Sie ja noch nicht wirklich gefährdet …
Smartphones sind für mich Nachrichten-Uhren. Wenn ich wissen will, was es Neues gibt, blicke ich kurz darauf.

Sind diese Apparate für uns eher Hilfe oder Bedrohung?
Sie sind sicher hilfreich. Wenn wir süchtig werden, ist das wohl kaum der Fehler dieser technischen Wunderwerke. Aber natürlich wirken sie auf Kinder oder unreife Erwachsene extrem verführerisch.

Sie überraschen mich mal wieder.
Wieso?

Für Sie sind Smartphones offenbar eher harmlos. Während Wissenschaftler weltweit seit einiger Zeit über die neue Gesellschaftskrankheit «Smartphone-Sucht» debattieren.
Aber das durchschauen wir doch beide: Seit Jahren nutzen die Hersteller dieser elektronischen Spieldosen die Medien als Marketing-Instrument. Ich würde sogar sagen, sie manipulieren uns. Auch dieses Espresso-Gespräch dient letztlich der Werbung. Willig posaunen wir Journalisten die Faszination, die Gefährlichkeit, die revolutionäre Bedeutung jeder kleinsten Neuheit heraus, die Apple oder Samsung auf den Markt werfen.

Es diskutieren aber nicht nur die Medien!
Richtig, lieber Marc Walder, da ist eine wahre Bedeutungsindustrie entstanden: Überall hocken hoch bezahlte Professoren auf neu erfundenen Lehrstühlen, überall geben Psychologen und Soziologen und Politiker mit gerunzelter Stirn unsinnigen Tiefsinn über das Smartphone – diesen Schnuller für Erwachsene – von sich. Der Absatz der nicht ganz billigen Apparätchen entspricht dann natürlich dem Gedöns, das um sie herum veranstaltet wird.

Diese kleinen Dinger sind aber auch wirklich überall dabei: im Tram, im Büro, im Zug, im Restaurant. Manche nehmen sie mit ins Bett, ja sogar unter die Dusche …
Was neu ist, findet Beachtung. Vor allem, wenn es glänzt und glitzert, Filme zeigen und Musik spielen kann. Allerdings mache ich nicht die gleiche Beobachtung wie Sie: Ich schaue mich zum Beispiel auf Flughäfen immer sehr genau um nach Menschen, die auf ihr Bildschirmchen starren. Es sind nicht überwältigend viele. Im Zug, in der S-Bahn und im Tram rascheln weitaus mehr Passagiere mit den papierenen Seiten der Printmedien.

Zeitungen verlieren an Auflage. Smartphones werden präsenter.
Ja, das ist die Lieblings-Jeremiade der Medien. Sie begünstigt nicht nur das Geschäft der Handy-Hersteller, sie beschädigt auch den aufklärerischen Journalismus, der immer noch vor allem in Zeitungen und Zeitschriften stattfindet. Stellen Sie sich vor, wir würden uns mit der gleichen Begeisterung für die gedruckten Medien einsetzen: Sie wären plötzlich cool, Ausweis von Intelligenz, Bildung und Intellektualität – das Gegenteil des pubertären elektronischen Mainstreams. Derzeit findet an jeder Ecke ein Symposium über den Niedergang des Print-Journalismus statt.

Sie übertreiben masslos!
Ich mache nur deutlich. Sogar Verleger beteiligen sich, völlig hingerissen vom virtuellen Schnickschnack, am Niedermachen ihrer gedruckten Zeitungen. Obwohl sie damit nach wie vor enorm viel Geld verdienen. Übrigens: Wenn das Smartphone die News-Uhr ist, dann sind Zeitungen und Zeitschriften die Breitleinwand des Lebens.

........................................................................................................................................

Ihre Meinung interessiert uns: Diskutieren Sie mit – im unten zur Verfügung gestellten Kommentarfeld.

Auch interessant