Auf einen Espresso Über Strohmänner und Verleger

Frank A. Meyer und Marc Walder - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.
FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
© Thomas Buchwalder FRANK A. MEYER, 67, (l.) arbeitet als Journalist im Hause Ringier. Er lebt in Berlin. MARC WALDER, 46, ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, Christoph Blocher hat ja immer geleugnet, dass er mit dem Kauf der «Basler Zeitung» «direkt oder indirekt» etwas zu tun hat. Jetzt stellt sich heraus: er hat.
Ja, was fällt mir dazu ein? Eigentlich nur, dass die Spatzen all das, was jetzt enthüllt wurde, schon lange von den putzigen Basler Dächern pfiffen.

Sie waren also nicht überrascht?
Wie soll ich überrascht sein von dem Geflecht aus Strohmännern, das sich der machtgierigste Politiker der Schweiz da geflochten hat? Ich war eher traurig.

Christoph Blocher macht Sie traurig?
Das Traurige daran ist nicht die Figur, die hinter all dem steht, sondern die Tatsache, dass sich die Verlegerfamilie Hagemann dazu bereitfand, ihre Zeitung an Kreise zu verschachern, die keinerlei publizistische Absichten hatten, sondern ein politisches Presse-Imperium planten.

Lassen sich denn Journalisten Ihrer Meinung nach so leicht für politische Feldzüge einspannen?
Solche Deals machen auch Journalisten zu Strohmännern und Strohfrauen, freiwillig und unfreiwillig – wie früher bei den Parteiblättern: Wer sich dort einordnete, ordnete sich gleichzeitig unter, nämlich den politischen Zielen der Herausgeber und Eigentümer.

Hat sich durch den Verkauf der «BaZ» an Tito Tettamanti etwas geändert?
Tito Tettamanti war einst ein guter Freund.

Und Filippo Leutenegger?
So was engagiert man.

Sie meinen, dass an der Idee des von Rechtsbürgerlichen kontrollierten Medienimperiums weitergebaut wird?
Führung und Verwaltungsrat der BaZ bestehen jetzt aus lauter Neoliberalen und Neokonservativen – einem Ableger der amerikanischen Tea Party. Das ist fatal für die Kulturregion Basel, die seit je sozialliberal wählt und abstimmt.

Wieso sagen Sie «Kulturregion»?
Weil Basel eine kulturell eigenständige, stolze Region ist, mit einer sehr eigenständigen und sehr stolzen politischen Kultur. Das drückte sich über Generationen in zwei ebenso interessanten wie bedeutsamen Tageszeitungen aus: der «National-Zeitung» und den «Basler Nachrichten», mit brillanten publizistischen Köpfen wie Rolf Eberhardt, Karl Kränzle, Alfred Peter oder Manuel Isler in der NZ und Peter Dürrenmatt oder Oskar Reck bei den «Nachrichten». Die «Basler Zeitung», die aus der Fusion der beiden Blätter hervorging, war später immer noch ein Titel, der weit über die Region hinausstrahlte – eine schweizerische Stimme der Weltoffenheit, der Toleranz und der sozialen Verantwortung.

Was ist in Basel geschehen?
Schuld ist die Dekadenz des baselstädtischen Bürgertums, das sich nicht aufraffen konnte, die «Basler Zeitung» vor dem autoritären Zugriff zu bewahren. Geld wäre genug vorhanden gewesen. Geist aber offenbar nicht. Es ist eine Schande! Ich fühle mich persönlich betroffen, denn ich begann meine Laufbahn in den 60er-Jahren bei der «National-Zeitung» und wurde durch Basels Weltoffenheit und Liberalität geprägt.

Was müsste Ihrer Meinung nach jetzt geschehen?
Ein Verleger muss Basel eine neue Tageszeitung schenken. Es gibt sogar einen, der geradezu genetisch für guten, weil freien Journalismus steht: Peter Wanner, Verleger der «Aargauer Zeitung» und des «Sonntag» aus Baden.

Wie soll Peter Wanner ins Spiel kommen?
Er ist bereits im Spiel. Mit der Basler Ausgabe des «Sonntag». Womöglich findet er die Unterstützung baslerischfreisinniger Patrons. Es geht um mehr als eine Zeitung. Es geht um eine ganze Region!

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